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Medizin

Hämatologie: Darmbakterien beeinflussen Überleben nach Stammzell­transplantation

Mittwoch, 18. Juni 2014

New York – Die Zusammensetzung der Darmflora beeinflusst offenbar die Überlebens­chancen nach einer allogenen Stammzelltransplantation. Dies zeigen Untersuchungs­ergebnisse von US-Hämatologen in Blood (Online).

Eine allogene Stammzelltransplantation ist bei hämatologischen Erkrankungen häufig der letzte Rettungsversuch. Der Austausch des erkrankten blutbildenden Knochenmarks durch ein neues kann zur Heilung führen. Die Therapie ist jedoch riskant, weil die Konditionierung auch das Immunsystem ausradiert.

Gleichzeitig wird die Darmschleimhaut geschädigt. Über die gestörte Barriere können Darmbakterien ins Blut gelangen und in den ersten Tagen nach der Stammzelltrans­plantation, wenn sich noch kein neues Immunsystem gebildet hat, zu einer tödlichen Gefahr werden. Das Risiko steigt, wenn nach der Konditionierung einzelne Keime die Darmflora überwuchern.

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In einer früheren Studie hatten Ying Taur vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York und Mitarbeiter herausgefunden, dass diese dominierenden Bakterien dann häufig zum Ausgangspunkt von schweren Infektionen werden (Clinical Infectious Diseases 2012; 55: 905-14).

Jetzt können die Forscher zeigen, dass eine ausgeglichene Darmflora mit einer hohen Diversität der Bakterien nicht nur Infektionen vermeidet, sondern auch die Prognose der Patienten verbessert. Für die Studie hatten sie bei 80 Patienten am siebten Tag nach der Transplantation die Zusammensetzung der Darmflora bestimmt.

Dies ist durch die Sequenzierung der sogenannten 16S rRNA-Gene möglich, die sich von Bakterienart zu Bakterienart unterscheiden. Taur teilte die Patienten in drei Gruppen mit einer hohen, mittleren und niedrigen Diversität der Darmflora. Die Auswertung der Krankenakten zeigte, dass nur 36 Prozent der Patienten mit einer niedrigen Diversität der Darmflora, also der Dominanz einzelner Keime, die Stammzelltransplantation überlebte, In der Gruppe mit mittlerer und hoher Diversität stiegen die Überlebens­chancen auf 60 und 67 Prozent. Im nächsten Schritt wollen die Forscher nach Wegen suchen, die Diversität der Darmflora nach der Konditionierung zu erhalten. © rme/aerzteblatt.de

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