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Medizin

Antidepressiva: FDA-Warnung hat Suizidalität bei Jugendlichen erhöht

Donnerstag, 19. Juni 2014

Boston – Eine von der US-Arzneibehörde FDA veröffentlichte Warnung vor einem gesteigerten Suizidrisiko von Jugendlichen unter der Behandlung mit Antidepressiva hat möglicherweise eine gegenteilige Wirkung erzielt. Eine Studie im britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 348: g3596) kommt zu dem Ergebnis, dass in den Folgejahren die Rate von Suizidversuchen mit psychotropen Medikamenten angestiegen ist.

Die FDA hatte ab 2003 eine Reihe von Gesundheitswarnungen („health advisories“) herausgegeben, in denen auf eine erhöhte Rate von Suizidgedanken oder Suiziden bei Kindern- und Jugendlichen hingewiesen wurde, die mit Antidepressiva behandelt wurden. Im folgenden Jahr wurde sogar ein umrahmter Warnhinweis (boxed warning) in den Fachinformationen verfügt.

Die Folge war ein Rückgang der Antidepressiva-Verordnungen um 31 Prozent bei Jugendlichen, wie Christine Lu vom Harvard Pilgrim Health Care Institute, einem Krankenversicherer aus Boston ermittelte. Aber auch bei jungen Erwachsenen, die zum damaligen Zeitpunkt gar nicht von den FDA-Warnungen betroffen waren, kam es zu einem Rückgang um 24,3 Prozent, ebenso unter älteren Erwachsenen um 14,5 Prozent.

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Lu führt dies unter anderem auf das hohe Echo zurück, das FDA-Warnungen in den Medien finden. Die New York Times und die Washington Post hatten ausführlich über das Thema berichtet. Suizide unter Jugendlichen sind in den USA die dritt häufigste Todesursache unter 15 bis 24-Jährigen und fast 8 Prozent aller High-School-Schüler gaben in einer Untersuchung an, schon einmal an einen Suizid gedacht zu haben, 2,4 Prozent wollen sogar einen Versuch unternommen haben, der eine medizinische Behandlung notwendig gemacht habe.

Zu den häufigsten Auslösern von Suiziden gehören Depressionen, zu deren Behandlung die von den Warnungen betroffenen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) eingesetzt werden. Das Absetzen der Medikamente könnte deshalb bei einigen Jugendlichen die Suizidalität gefördert haben. Um diese Frage zu untersuchen, haben die Forscher die Hospitalisierungsrate aufgrund von Überdosierungen mit psychotropen Medikamenten untersucht.

Diese Wirkstoffe (vor allem Tranquilizer) sind eine beliebte Methode bei Suizidversuchen von Jugendlichen. Lu konnte tatsächlich einen Anstieg um 21,7 Prozent der Über­dosierungen mit psychotropen Medikamenten bei Jugendlichen und um 33,7 Prozent bei jungen Erwachsenen ermitteln. Bei älteren Erwachsenen stieg die Rate nur unwesentlich.

Lu schließt daraus, dass die FDA-Gesundheitswarnung und die dadurch ausgelösten Medienberichte zu einer Überreaktion in der Bevölkerung (und bei den verordnenden Ärzten) geführt haben könnte. Ihre Analyse zeigt aber auch, dass die Zahl der vollendeten Suizide offenbar nicht angestiegen ist. Die FDA hat übrigens inzwischen ihre Gesundheitswarnungen zurückgestuft. Sie betont inzwischen, dass die Ärzte bei der Verordnung der Antidepressiva Nutzen und Risiken gegeneinander abwägen müssen. Bei ihren Patienten sollen die US-Psychiater stärker auf suizidale Gedanken achten. © rme/aerzteblatt.de

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