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Medizin

Ursachen für Opioid-Überdosen in der Therapie

Freitag, 20. Juni 2014

Montreal – Die Fälle von tödlichen Überdosierungen durch verschriebene Opioide haben in den vergangenen 20 Jahren in den USA und Kanada zugenommen. Forscher der McGill University veröffentlichten jetzt im American Journal of Public Health zusammen mit Leitautor Nicholas King ein Review, das die häufigsten Gründe zusammenfasst (http://dx.doi.org/10.2105/AJPH.2014.301966).

In den USA waren 2010 Opioide in rund 75 Prozent aller Todesfälle durch Medikamen­tenüberdosierung involviert. Im Vergleich zu 1999 habe sich mit mehr als 16.000 Toten die Gesamtzahl vervierfacht, berichten die Forscher. Die Zahl der Patienten, die in den USA durch verschriebene Opioide umkomme, habe mittlerweile die Zahl der Drogentoten durch Heroin und Kokain überholt.

Auch in Deutschland warnte die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft in einem Rote-Hand-Brief vor den Risiken durch Fentanylpflaster, da beispielsweise Kindern durch Verschlucken oder eine versehentliche Übertragung Lebensgefahr drohe.

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47 Arbeiten bezogen die Forscher in ihre Metaanalyse ein. Sie konzentrierten sich in ihrer Auswertung auf mögliche Einflussfaktoren, die zwischen 1990 und 2013 in Kanada und den USA die Zunahme der Todesfälle begünstigt haben könnten.

Sie konnten 17 Einzelfaktoren identifizieren, die sich in drei Kategorien einordnen ließen: Anwenderfehler, Verschreiberfehler und äußere Einflussfaktoren wie Leitlinien, Politik oder Kontrollbedingungen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass von ärztlicher Seite die zu hoch dosierte, die zu häufige Gabe oder die Verschreibung bestimmter Opioide zu den tödlichen Überdosierungen führte.

Auf der Patientenseite habe besonders der missbräuchliche Einsatz durch illegale Weitergabe, Suchtveranlagung oder die Mehrfachverschreibung durch verschiedene Ärzte die Überdosierungen begünstigt. Bei den äußeren Einflussfaktoren könnten laut der Forscher unter anderem die offenere Haltung zu den Medikamenten und der freizügigere Einsatz seit Beginn der 90er Jahre die Zahl der Opioidtoten negativ beeinflusst haben. Geographischen und sozioökonomischen Faktoren komme jedoch ebenfalls eine gewichtige Rolle zu.

Da die USA und Kanada weltweit zu den größten Opioidabnehmern zählten, seien Präventionsprogramme nötig, die alle drei untersuchten Kategorien berücksichtigten. Die momentane Praxis, die Abgabemengen zu kontrollieren sowie Ärzte und Patienten im Umgang mit Opioiden zu schulen, deckt nach Ansicht der Forscher diese Kategorien nicht vollständig ab. © hil/aerzteblatt.de

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