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Ärzteschaft

Behandlungs­fehlerstatistik: Konstanz trotz steigender Behandlungsfälle

Montag, 23. Juni 2014

dpa

Berlin – Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft haben auf Antrag von Patienten im vergangenen Jahr in 2.243 Fällen einen Behandlungsfehler anerkannt. „Dabei wurde  in 1.864 Fällen (23,5 Prozent) ein Behandlungsfehler und ein daraus resultierender Gesundheitsschaden festgestellt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründet“, erklärte Rechtsanwalt Johann Neu, Geschäfts­führer der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern. In 379 Fällen gab es zwar laut Feststellung der Gutachterkommissionen und Schlich­tungs­stellen einen Behandlungsfehler, es konnte jedoch keine Kausalität zu dem geltend gemachten Schaden erkannt werden. In 5.679 Fällen (71,7 Prozent) konnte kein Behandlungsfehler festgestellt werden.

Zahl der Patientenbeschwerden gesunken
Insgesamt sank 2013 die Zahl der Patientenbeschwerden von 12.232 auf 12.173 gegen­über dem Vorjahr. Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen trafen 2013 insgesamt 7.922 Entscheidungen, wobei das Schwergewicht im Krankenhausbereich lag, erläuterte heute Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlich­tungsstellen, vor der Presse. Auf den niedergelassenen Bereich entfielen Crusius zufolge 2.385 Entscheidungen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen. Zum Vergleich: 672 Behandlungskontakte gab es dort im Jahr 2012.

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Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen führten, waren – wie in den Vorjahren – Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Unterschenkel- und Sprung­gelenkfrakturen. Im niedergelassenen Bereich lagen die Fehlerschwerpunkte insbesondere in der Diagnostik, vor allem bei den bildgebenden Verfahren. Im Krankenhaus kommt es bei den Operationen am häufigsten zu Fehlern.

Kritik an den Krankenkassen
Über die Gesamtzahl der Behandlungsfehler in Deutschland gibt es jedoch keine exakten Daten, was darauf zurückzuführen ist, dass unterschiedliche Register nebeneinander geführt werden und das Ausmaß der nicht bemerkten oder nicht gemeldeten Behandlungsfehler nicht bekannt ist, erklärte Crusius. Dabei kritisierte er das Verhalten der Krankenkassen, die gleichwohl auf völlig unzureichender Datengrundlage Aussagen zur Behandlungsfehlerhäufigkeit in Deutschland machen und die Patienten mit solchen politisch motivierten Kampagnen verunsichern würden.

Arbeitsintensität hat immer mehr zugenommen
Bedingt durch die demografische Entwicklung sei allerdings die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle in Deutschland zwischen 2004 und 2012 um 136 Millionen auf fast 700 Millionen angestiegen. Die Zahl der stationären Fälle habe sich um 1,8 Millionen auf 18,6 Millionen erhöht. Zudem habe, führte Crusius aus, die Arbeitsintensität bei weniger zur Verfügung stehenden Arztstunden in den vergangenen Jahren enorm zugenommen.

Überlange Arbeitszeiten und ständiger Leistungsdruck erhöhten grundsätzlich die Fehlerwahrscheinlichkeit, sagte Crusius: „Ich will nichts relativieren. Jeder Behand­lungsfehler ist einer zu viel, aber ich möchte die Dinge einordnen. Wir kehren nichts unter den Tisch. Wir machen unsere Fehler seit Jahren öffentlich.“ So würden beispielsweise die Ärztekammern mit den Daten der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bereits zum achten Mal vor die Presse treten.

Die seit 1975 bei den Ärztekammern eingerichteten Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bieten in einem gebührenfreien Verfahren eine Begutachtung durch unabhängige Experten und außergerichtliche Streitschlichtung bei Behandlungs­fehler­vorwürfen an. „Das medizinische Gutachten ist das Kernstück des Arzthaftungsver­fahrens“, erläuterte Walter Schaffartzik, Vorsitzender der Schlichtungsstelle für Arzthaft­pflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern.

In 90 Prozent der Fälle werden Entscheidungen von beiden Seiten akzeptiert
Es setze medizinische Fachkompetenz und die Kenntnis der Rechtsgebiete voraus. In rund 90 Prozent der Fälle würden die Entscheidungen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen von beiden Parteien akzeptiert und die Streitigkeiten beigelegt. Werde doch noch der Rechtsweg beschritten, würden die Entscheidungen der Schlich­tungsstellen und Kommissionen überwiegend bestätigt, erklärte er.

Zufrieden mit den medizinischen Gutachten der Gutachterkommissionen und Schlich­tungsstellen zeigte sich auch der Berliner Patientenanwalt Frank Teipel: „Die Schlichtungsstelle ist häufig der schnellste Weg zu einem guten und qualitativ hochwertigen Gutachten“, sagte er. „Ich empfehle ihn oft meinen Mandanten.“ © ER/TG/aerzteblatt.de

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