NewsMedizinUSA: Weiteres Antibiotikum gegen MRSA zugelassen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

USA: Weiteres Antibiotikum gegen MRSA zugelassen

Montag, 23. Juni 2014

Rockville – Mit der Zulassung von Tedizolid (als Sivextro) steht US-Ärzten ein weiteres neues Antibiotikum zur Behandlung von komplizierten Haut- und Weichteilinfektionen zur Verfügung, die immer häufiger durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) verursacht werden. Das Antibiotikum hatte in zwei klinischen Studien eine gleich gute Wirkung wie Linezolid gezeigt.

Tedizolid (früher Torezolid) gehört wie Linezolid zu den Oxazolidinonen, deren antibio­tische Wirkung auf der Hemmung der Proteinsynthese an den Ribosomen beruht. Tedizolid war in vitro vier bis acht Mal stärker wirksam als Linezolid, was in den klinischen Studien eine niedrigere Dosierung ermöglichte.

In den beiden Phase III-Studien ESTABLISH-1 (publiziert in JAMA 2013;309: 559-569) und ESTABLISH-2 wurden die Patienten mit einmal täglich 200 mg Tedizolid oder zweimal täglich 600 mg Linezolid behandelt. Die Therapiedauer wurde von zehn unter Linezolid auf sechs Tage unter Tedizolid verkürzt.

Anzeige

Beide Antibiotika erzielten bei akuten bakteriellen Haut- und Weichteilinfektionen eine gleich gute Wirkung. Auch die Verträglichkeit war vergleichbar. Die häufigsten Neben­wirkungen von Tedizolid waren Nausea, Kopfschmerz, Diarrhö, Erbrechen und Schwindelgefühle.

Die externen Berater der US-Arzneibehörde FDA ließen sich Ende März auf einer Tagung vom Hersteller von der Sicherheit überzeugen und stimmten einmütig für eine Zulassung. Die FDA folgte dem Votum und erteilte dem Hersteller die Genehmigung zum Vertrieb des Medikaments. Es gehört zu den ersten Antibiotika, die als Qualified Infectious Disease Product (QIDP) einen um fünf Jahre verlängerten Patentschutz erhielten. Diese Regelung war 2012 von der US-Regierung beschlossen worden, um wirtschaftliche Anreize zur Entwicklung neuer Antibiotika zu schaffen.

Erst vor wenigen Wochen, am 23. März, hatte die FDA mit Dalbavancin (als Dalvance) ein weiteres neues Antibiotikum zur Behandlung komplizierter Haut- und Weichteilin­fektionen zugelassen. Dalbavancin ist mit dem Vancomycin verwandt und wie dieses Antibiotikum bei MRSA wirksam. Als weiteres, ebenfalls mit Vancomycin verwandtes Antibiotikum könnte Oritavancin Ende des Jahres hinzukommen, nachdem eine kürzlich publizierte Studie (2014; 370: 2180-90) günstig ausgegangen ist. Oritavancin kann Infektionen durch eine einzige Infusion beseitigen.

In Europa ist derzeit keines der drei Antibiotika verfügbar. Ein Antrag auf Zulassung von Dalbavancin ist bei der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA anhängig. Der Hersteller von Tedizolid strebt ebenfalls eine Zulassung an, die er aber nicht vor dem ersten Halbjahr 2015 erwartet. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. September 2020
Berlin – Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) kritisiert, dass Ärzte weiterhin zu viele Reserveantibiotika verordneten. „Die Verordnungen von Antibiotika der Reserve sind in den letzten
Zahl der Verordnung von Reserveantibiotika laut AOK-Institut deutlich zu hoch
14. September 2020
Berlin – Die Verordnungsrate von Antibiotika bei Atemwegserkrankungen lässt sich durch einen Maßnahmenmix senken. Dies zeigen heute vorgestellte Ergebnisse des Versorgungsprojektes RESIST. Generell
Verordnungsrate von Antibiotika durch RESIST gesunken
27. August 2020
Berlin – Bei der Diskussion um die Herstellung wichtiger Arzneimittel in Deutschland oder Europa schlägt der Verband Pro Generika eine europaweite Perspektive vor: Sie böte Kostenvorteile von bis zu
Gesamteuropäische Antibiotikaproduktion würde Kosten senken
18. August 2020
Stockholm – Der häufige Einsatz von Antibiotika, insbesondere solchen mit einem breiten Wirkungsspektrum, erhöht nach den Ergebnissen einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontrollstudie in
Studie: Antibiotikaeinsatz könnte entzündliche Darm­er­krank­ungen auslösen
30. Juli 2020
Berlin – Pharmaunternehmen und Großhändler haben im vergangenen Jahr 670 Tonnen Antibiotika an Tierärzte in Deutschland weitergegeben. Das waren 52,2 Tonnen oder 7,2 Prozent weniger als im Vorjahr.
Abgabe von Antibiotika in Tiermedizin sinkt weiter
28. Juli 2020
Columbus/Ohio – Eine Antibiotikabehandlung kann bei einer unkomplizierten Appendizitis häufig eine Operation vermeiden. In einer US-Studie blieben 2/3 der pädiatrischen Patienten im ersten Jahr nach
Antibiotika können 2 von 3 Operationen bei unkomplizierter Appendizitis vermeiden
22. Juli 2020
Bochum – An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) entsteht in Zusammenarbeit mit dem Lead Discovery Center in Dortmund ein neues „Center für systembasierte Antibiotikaforschung“ (Cesar). Seit Mitte des
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER