NewsAuslandEbola-Epidemie außer Kontrolle
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Ebola-Epidemie außer Kontrolle

Dienstag, 24. Juni 2014

Conakry – Die jüngste Ebola-Epidemie in mehreren Ländern Westafrikas ist außer Kontrolle geraten. Wie Experten berichten sei ein Grund, dass die Menschen in den teilweise sehr abgelegenen Regionen sich der Gefahr nicht bewusst sind und den Ärzten nicht vertrauen. „Das Virus breitet sich in den drei Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia – darunter auch in der Hauptstadt Monrovia - immer weiter aus“, sagt Bart Janssens, der Programmverantwortliche der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF). „Mittlerweile gibt es 40 verschiedene Orte mit Ebola-Fällen.“ Die Weltge­sundheitsorganisation (WHO) beziffert die Zahl der Todesopfer inzwischen auf 350.

Das hat es zuvor noch nie gegeben: Als Ebola 1976 in Zaire, dem heutigen Kongo, auf­tauchte, kam es zur bis heute schlimmsten erfassten Epidemie: Von 318 Patienten starben damals 280. Seither taucht das Virus immer wieder in entlegenen Dörfern Afrikas in der Nähe von Regenwäldern auf – kann aber normalerweise recht schnell eingedämmt werden.

Gegenmaßnahmen werden skeptisch betrachtet
Dieses Mal jedoch schlagen die Maßnahmen – darunter die Isolation der Kranken und kontrollierte Beerdigungen – nicht an. „Das Problem ist, dass weiterhin Kranke versteckt werden und Skepsis gegenüber den Gegenmaßnahmen herrscht“, sagt Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. „Wir haben keine Erfahrung mit solchen Ausbrüchen in Westafrika, die Situation ist einfach anders. Wir müssen erst mal die Menschen verstehen und entschlüsseln, wie wir sie überzeugt bekommen, dass die richtigen und guten Gegenmaßnahmen von Organisationen vor Ort ihr Leben retten werden“, so Leendertz. Dabei sei es wichtig, auch Anthropologen mit einzubinden.

Anzeige

Ein weiteres Problem sei die breite geografische Verbreitung, betont der Experte: „Das macht die Kontrolle der Epidemie und das Verstehen von Ängsten natürlich sehr schwer. Meist waren solche Ausbrüche auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt“. Ein besonderes Risiko für die Bevölkerung sind die Begräbnisse. „Das Virus breitet sich durch den direkten Kontakt mit einem infizierten Menschen aus“, sagt der Gesundheitschef des Kinderhilfswerks Unicef in der Region, Maurice Hours.

Unübersichtliche Situation
„Freunde und Angehörige der Opfer, die an Beerdigungen teilnehmen, können sich anstecken – etwa, wenn sie den Körper des Toten berühren oder andere Menschen anfassen, die die Leiche berührt haben, ohne sich anschließend die Hände zu waschen.“ Die Situation momentan sei sehr unübersichtlich, sagte Leendertz. Jeder infektiöse Mensch berge ein großes Risiko für andere: Ein einzelner Infizierter reiche, um die Epidemie neu zu entfachen.

Hinzu komme, dass die Bewohner der Region häufig zwischen den drei Ländern hin- und herreisen, sagt Janssens von Ärzte ohne Grenzen. Deshalb sei etwa die Region rund um die Stadt Gueckedou im Süden Guineas, die als Drehkreuz des Handels mit Sierra Leone und Liberia fungiert, besonders betroffen. „Es handelt sich ganz klar um eine neue Phase der gleichen Epidemie und nicht um eine neue Ansteckung aus dem Tierreich“, erläutert Janssens. Ein Ebola-Ausbruch erfolgt zunächst über infizierte oder tote Tiere, darunter vor allem Affen - etwa, wenn diese gegessen werden.

Fünf Behandlungs­zentren in Guinea und Sierra Leone
Die Helfer tun derweil ihr Bestes, um den Betroffenen zu helfen. Unicef stellt den Gesundheitsbehörden Sanitätsartikel, Schutzmaterial und Medikamente zur Verfügung. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen versorgen Ebola-Patienten in fünf Behandlungs­zentren in Guinea und Sierra Leone.

Die Mitarbeiter hätten aber Schwierigkeiten, auf die große Zahl neuer Fälle und neuer Herde zu reagieren: „Wir haben unsere Grenzen erreicht“, so Janssens. Deshalb sei es jetzt ganz wichtig, schnell zu reagieren und mehr qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen. „Die WHO, die betroffenen Länder und die Nachbarstaaten müssen alle Kräfte mobilisieren“, betont Janssens. „Ebola ist nicht mehr länger ein auf Guinea beschränktes Gesundheitsproblem. Es betrifft ganz Westafrika.“ © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. Oktober 2020
Insel Riems/Madison/Wisconsin – Der Erreger der Röteln, die erst seit 2 Jahrhunderten als Erkrankung bekannt sind, hat 2 enge Verwandte im Tierreich, die US-amerikanische und deutsche Forscher jetzt
Auch Rötelnvirus kommt aus dem Tierreich
21. Oktober 2020
Bristol/Helsinki/München – Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 nutzt anders als sein Vorgänger SARS-CoV-1 neben ACE2 einen weiteren Rezeptor zum Eintritt in die Zellen. Die Bindung an Neuropilin-1, die 2
Zweiter Rezeptor für SARS-CoV-2 erklärt breites Symptomspektrum von COVID-19
19. Oktober 2020
Peking – Während die meisten Hersteller in westlichen Ländern bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 auf moderne Proteinvakzinen oder auf rekombinante Viren beziehungsweise
SARS-CoV-2: Impfstoff aus inaktivierten Viren in Phase-1-Studie auch bei älteren Menschen immunogen
16. Oktober 2020
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen Antikörpercocktail der Firma Regeneron zur Behandlung von Ebola-Erkrankungen zugelassen. Der Hersteller hofft auf eine Signalwirkung
Signalwirkung für SARS-CoV-2? FDA lässt Antikörpercocktail für Ebola zu
9. Oktober 2020
Boston und Toronto – Die Befürchtung, dass die Immunität nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 nur von kurzer Dauer ist, scheint sich nicht zu bestätigen. In 2 Studien aus Kanada und den USA in Science
COVID-19: Protektive Antikörper auch nach Monaten noch in Blut und Speichel nachweisbar
9. Oktober 2020
Berkeley/Kalifornien – US-Forscher haben einen Schnelltest zum Nachweis von SARS-CoV-2 entwickelt, der auf der Genschere CRISPR beruht. Das handliche Gerät lieferte mit Unterstützung eines Smartphones
Genschere CRISPR erkennt SARS-CoV-2 in 5 Minuten
8. Oktober 2020
Boston – Eine frühere Infektion mit harmlosen Coronaviren, die in der Regel nur eine „Erkältung“ verursachen, hat in einer Studie im Journal of Clinical Investigation (2020; DOI: 10.1172/JCI143380)
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER