Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Prognose: 40.000 zusätzliche Demenzkranke pro Jahr

Dienstag, 24. Juni 2014

dpa

Berlin – Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat ihre Prognose zur Zahl der Demenzkranken leicht nach oben korrigiert. Nach den neuen Zahlen leben in Deutschland gegenwärtig 1,5 Millionen Demenzkranke. Zwei Drittel von ihnen haben bereits das 80. Lebensjahr vollendet, nur etwa 20.000 sind jünger als 65. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, werde die Zahl der Erkrankten jedes Jahr um 40.000 zunehmen und bis 2050 auf etwa drei Millionen steigen.

Zwei Drittel der Demenzpatienten werden zuhause gepflegt
„Das bedeutet fast 110 Neuerkrankungen pro Tag. Die Praxen müssen sich darauf einstellen, Jahr für Jahr mehr Demenzpatienten zu betreuen“, kommentierte der Vor­sitzende des Spitzenverbandes ZNS, Frank Bergmann, die Zahlen. Er wies darauf hin, dass rund zwei Drittel der Demenzpatienten zuhause von ihren Angehörigen gepflegt werden.

„Diese trauern um den Verlust eines Gegenübers auf Augenhöhe und müssen gleichzeitig anstrengende Pflege leisten“, so Bergmann. Pflegende Angehörige von Demenzpatienten seien daher oft belastet und hätten einen besonders hohen Informationsbedarf. Plötzliche Verschlechterungen wie akute Unruhe, Weglauftendenz zum Beispiel in der Nacht oder aggressive Verhaltensweisen erforderten wiederholte zum Teil kurzfristige Beratungen.

Arzt muss auch den Pflegenden im Auge haben
Neben den medizinischen Aspekten gehe es auch darum, die Angehörigen im Umgang mit den Erkrankten zu schulen. Auch gehe es um die Beratung und Aufklärung zu juristischen Themen wie Autofahren, Vorsorgevollmacht, gesetzliche Betreuung sowie um entlastende soziale Hilfen. Außerdem sollte der Arzt das Befinden der Pflegenden mit im Auge haben. „Es handelt sich ja zumeist um betagte Angehörige, die plötzlich rund um die Uhr eingespannt werden“, so Bergmann.

Die neuen Zahlen zur Demenz basieren auf den vom Statistischen Bundesamt im April 2014 veröffentlichten Bevölkerungsdaten der 2011 durchgeführten Volkszählung. Damit sollten Ungenauigkeiten bei der Fortschreibung der zuletzt 1987 durchgeführten Volkszählung korrigiert werden.

Die neue Erhebung hat ergeben, dass die Zahl der Personen über 65, also der Altersgruppe, die besonders von Demenzerkrankungen betroffen ist, geringer ist, als bisher angenommen. Die Auswertung hat Horst Bickel, Psychiatrische Klinik und Poliklinik der Technischen Universität München, für die Deutsche Alzheimer Gesellschaft übernommen.

Unterschiede zwischen den Bundesländern
Sie zeigt auch Unterschiede zwischen den Bundesländern: So sind in Berlin 8,2 Prozent der über 65-Jährigen an einer Demenz erkrankt, in Rheinland-Pfalz sind es 9,1 Prozent. Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, hat mit mehr als 320.000 Betroffenen die höchste absolute Zahl an Demenzkranken.

„Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft setzt sich dafür ein, dass Demenzkranke ein menschenwürdiges Leben führen können und ihre Familien angemessen unterstützt werden. Dazu sind große Anstrengungen nicht nur in Medizin, Pflege und Betreuung, sondern auch in den Kommunen und der Zivilgesellschaft erforderlich“, sagte Heike von Lützau-Hohlbein, Erste Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Es sei daher „sehr bedauerlich, dass die Gleichstellung der Demenzkranken in der jetzt angekündigten Reform der Pflegeversicherung wiederum verschoben wurde.“ © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16.05.17
Untergewicht wahrscheinlich kein Auslöser für Demenz
Kopenhagen – Ein zu niedriges Körpergewicht scheint kein direkter Auslöser einer Demenz zu sein. Davon gehen Forscher der Universität Kopenhagen aus, die mit Arbeitsgruppenleiterin Ruth Frikke-Schmidt......
03.05.17
Chicago – Wie sensibel Menschen auf degenerative Schädigungen des Gehirns reagieren, könnte von der genetischen Prädisposition abhängen. Forscher des Rush Alzheimer’s Disease Center um David Benett......
24.04.17
Framingham-Studie sieht Süßstoff als Schlaganfall- und Demenzrisiko
Boston – Zwei neue Analysen der Framingham Heart Studie stellen die Sicherheit von Süßgetränken infrage, vor allem wenn sie mit künstlichen Süßstoffen versetzt sind. Laut einer Publikation in Stroke......
19.04.17
Berlin – Mit einem Projekt „Wissenstransfer: Demenzsensibles Krankenhaus“ engagiert sich der Deutsche Evangelische Krankenhausverband für demenzsensible Strukturen in Krankenhäusern. Schirmherr des......
19.04.17
Hamm/Winterberg – Ein Krankenhaus in Winterberg muss etwa 93.300 Euro Schadenersatz für eine demente Patientin zahlen, die aus dem Fenster geklettert und in die Tiefe gestürzt war. Wie das......
13.04.17
Kuopio – Psychische Störungen erhöhen das Risiko für eine Alzheimererkrankung eher nicht. Die Tatsache, dass vor der Diagnose einer Alzheimererkrankung vermehrt psychiatrische Störungen diagnostiziert......
11.04.17
Exeter – Rehabilitationsmaßnahmen sind nicht nur nach Unfällen oder akuten Erkrankungen wichtig, sondern auch bei Demenzkranken. Für eine Stärkung der Rehabilitation in der Versorgung von dementen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige