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Medizin

Prädiabetes: „Mikro­biom-Modulator“ soll Blutzucker senken

Dienstag, 24. Juni 2014

Ankara/Indianapolis – Übergewicht und Typ 2-Diabetes gehen mit einer Veränderung der Darmflora einher, die neue Ansatzpunkte zur Prävention der Glukosestoffwechsel­erkrankung liefern könnte, wie zwei Studien auf der Endokrinologentagung ICE/ENDO 2014 in Chicago zeigen.

Die Fortschritte in der Genanalyse haben es möglich gemacht, die Zusammensetzung der Darmflora, auch Mikrobiom genannt, genauer zu untersuchen. Dabei stellt sich immer deutlicher heraus, dass die Ernährung das Mikrobiom auf Dauer verändern kann.

Der Endokrinologe Yalcin Basaran von der Militärmedizinischen Akademie Gülhane in Ankara hat dies an 27 Personen mit morbider Adipositas (BMI über 35) und 26 Patienten mit Typ 2-Diabetes untersucht. Beide Gruppen hatten deutlich weniger Bifidobacteria, Firmicutes und Clostridium leptum in den untersuchten Stuhlproben als eine Kontroll­gruppe aus 28 gesunden und nicht übergewichtigen Studienteilnehmern. Die Unter­schiede betrugen zwischen 4,2 und 12,5 Prozent bei adipösen Patienten und zwischen 10 und 11,5 Prozent bei den Diabetikern, berichtet Basaran.

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Die Veränderung der Darmflora könnte die belanglose Begleiterscheinung einer langjährigen Über- und Fehlernährung sein. Sie könnte aber auch an der Entwicklung des Typ 2-Diabetes beteiligt sein, beispielsweise wenn die Darmbakterien die Resorption von Glukose über die Darmschleimhaut verändern. Dies vermuten Wissenschaftler der US-Firma MicroBiome Therapeutics aus Indianapolis, die derzeit die Wirkung eines „Mikrobiom-Modulators“ auf den Blutzucker untersuchen lassen.

Der Mikrobiom-Modulator NM504 besteht aus einer Mischung der Polysaccharide Inulin und Beta-Glucan, die als Ballaststoffe nicht vom Darm aufgenommen werden, plus einigen Polyphenolen, denen eine antioxidative Wirkung nachgesagt wird. Das Mittel wurde ursprünglich entwickelt, um die störenden Nebenwirkungen von Metformin zu lindern. Bei den Anwendungen wurde dann jedoch entdeckt, dass NM504 eine blut­zucker­senkende Wirkung haben könnte. Dies veranlasste der Hersteller zu einer Phase II-Studie, an der 28 Patienten mit einer gestörten Glukosetoleranz („Prädiabetes“) teilnahmen.

Die Probanden nahmen über vier Wochen zweimal täglich NM504 oder ein Placebo ein. Zu Beginn und am Ende der Studie wurde ein Glukosebelastungstest durchgeführt. Wie Studienleiter Mark Heiman von MicroBiome Therapeutics auf der Endokrinologentagung berichtete, konnte der Mikrobiom-Modulator die Blutzuckerwerte 120 und 180 Minuten nach der oralen Glukosebelastung senken.

Die verbesserte Glukosetoleranz wurde von einer Verminderung des CRP-Wertes und des Gesamtcholesterins begleitet. NM504 soll zudem den Appetit gesenkt haben, was der Behandlung der zumeist adipösen Typ 2-Diabetiker nicht schaden könnte. Heiman vermutet, dass NM504 die Absorption von Glukose und Gallensalzen beeinflusst. Auch eine protektive Wirkung auf die Darmschleimhaut oder eine Schutzwirkung durch die Antioxidanzien hält er für möglich.

Die Firma will jetzt in weiteren Studien untersuchen, ob NM504 längerfristig die Entwicklung eines Typ 2-Diabetes verhindern kann, wie dies bereits für eine Lebensstilintervention oder den Wirkstoff Metformin gezeigt werden konnte. © rme/aerzteblatt.de

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