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Ausland

Menschenrechts­gericht will Sterbehilfe für Franzosen vorerst stoppen

Mittwoch, 25. Juni 2014

Straßburg – Im Streit um passive Sterbehilfe für einen querschnittsgelähmten Franzosen hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gefordert, den 38-Jährigen vorerst am Leben zu halten. Dies teilte der Anwalt der Eltern des Mannes am späten Dienstag­abend mit. Der Gerichtshof traf seine Entscheidung wenige Stunden nach einem Urteil von Frankreichs Oberstem Verwaltungsgericht. Der sogenannte Staatsrat hatte passive Sterbehilfe für Vincent Lambert zugelassen. Das Abschalten der lebenserhaltenden Geräte bei ihm war unter anderem von seiner Frau und seinen Ärzten gefordert worden.

Das Gericht folgte damit der Ansicht des staatlichen Berichterstatters, der am Freitag die Auffassung vertreten hatte, der 38-Jährige werde „künstlich” am Leben gehalten. Bei seiner Entscheidung berief sich der Staatsrat auf ein Gesetz zur passiven Sterbehilfe in Frankreich, das überarbeitet werden soll. Das Oberste Gericht erläuterte, dass auch „der schlimmste Gesundheitszustand, einschließlich des unwiederbringlichen Verlusts allen Bewusstseins, nie reichen kann, um die Einstellung der Behandlung zu rechtfertigen”. Doch müsse auf den Willen des Patienten besonderer Wert gelegt werden, der in diesem Fall klar geäußert habe, dass er nie künstlich am Leben erhalten werden wolle.

„Angesichts der Entscheidung des Staatsrats“ habe das in Straßburg ansässige Menschenrechtsgericht entschieden, die französische Regierung aufzufordern, „die Umsetzung dieses Urteils für die Zeit des Prozesses vor dem Menschenrechtsgericht auszusetzen“, erklärte der Anwalt der Eltern. Diese hatten bereits am Montag die Straßburger Richter angerufen, weil sie offenbar eine Niederlage vor dem Staatsrat befürchteten.

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Lambert ist seit einem Verkehrsunfall vor sechs Jahren querschnittsgelähmt, laut seinen Ärzten sind nur noch geringfügige Bewusstseinsanzeichen vorhanden.  Nachdem der Kranke mehrfach Widerstand gegen seine weitere Pflege hatte erkennen lassen, beschloss die Uni-Klinik in Reims bereits im vergangenen Jahr zusammen mit der Frau und weiteren Angehörigen, passive Sterbehilfe zu leisten. Dem stimmte der Staatstat in Paris am Dienstag zu und er erlaubte, dass die künstliche Ernährung des Mannes beendet wird.

Am Abend dann äußerten sich die Straßburger Richter, der Streit um das Schicksal von Lambert geht also weiter. Der Fall des 38-Jährigen bewegt Frankreich seit Monaten. Wie in den meisten europäischen Staaten ist in Frankreich die aktive Sterbehilfe verboten, aber auch die Beihilfe zur Selbsttötung. In einem Gesetz aus dem Jahr 2005 ist aber das Recht verankert, unheilbar Kranke an deren Lebensende „sterben zu lassen“, damit diese nicht mehr leiden müssen. © afp/aerzteblatt.de

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