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Politik

TK schlägt neues Honorarsystem für niedergelassene Ärzte vor

Mittwoch, 25. Juni 2014

dpa

Berlin – Die Techniker Krankenkasse (TK) hat heute in Berlin dafür plädiert, das Hono­rierungssystem für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zu verändern, um ihre Zufriedenheit und die der Patienten zu erhöhen. Konkret sieht das vom Berliner IGES-Institut für die TK entwickelte Modell vor, anstelle von Pauschalen wieder Einzelleistungsvergütungen einzuführen.

Außerdem soll die Vergütung der Niedergelassenen getrennt werden in Fixkosten (zum Beispiel Praxisausstattung), die nur bis zur Deckung bezahlt werden, und variable Kosten (zum Beispiel Arztentlohnung), die in vollem Umfang bezahlt würden und nicht nachträglich gekürzt. Fixkosten fallen unabhängig von der Leistungsmenge an und machen etwa ein Drittel der Kosten im ambulanten Bereich aus, variable Kosten fallen bei jeder erbrachten Leistung an.  

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Nach Ansicht von TK-Vorstand Thomas Ballast würde eine Umstellung auf Einzelleistungsvergütungen „Anreize für Ärzte mildern, leichtere Fälle gegenüber schwereren zu bevorzugen“. Darüber hinaus hätten die Ärzte im vorgeschlagenen System „mehr Transparenz und Planbarkeit ­– beides sind wichtige Aspekte für die Zufriedenheit mit der Berufsausübung.“

Ballast sieht auch Vorteile für die Versicherten durch ein berechenbareres Honorarmodell, denn: „Nicht zu wissen, was man am Ende eines Quartals für die geleistete Arbeit tatsächlich bekommt, ist keine gute Situation. Unsere Versicherten erfahren dann, was ,Budgetferien‘ sind, oder ihnen wird gesagt: ,Für das, was ich jetzt für Sie tue, bekomme ich von Ihrer Krankenkasse kein Geld mehr.“

Ausgabensteigerung unter sechs Prozent
Ballast und IGES-Geschäftsführer Karsten Neumann sind davon überzeugt, dass die Mehrausgaben im neuen Modell dauerhaft nicht höher liegen würden als die in den letzten Jahren verhandelten Honorarsteigerungen für die ambulante Versorgung. Konkret gehen beide von einer Erhöhung des Ausgabenvolumens im ersten Jahr zwischen 5,4 und 5,9 Prozent aus. Zwar würde den Kalkulationen nach die Menge an abgerechneten Leistungen steigen.

Doch dieser Effekt würde gedämpft dadurch, dass die Fixkostenanteile nicht mehr unbegrenzt finanziert werden sollen. Neumann geht zudem davon aus, dass die Ärzte ihre Arbeitsstunden trotz der Anreize durch Einzelleistungsvergütungen nur begrenzt ausweiten würden: Ein Teil der Niedergelassenen arbeitet nach Angaben der Kassen­ärztlichen Bundesvereinigung (KBV) weniger als 20 Stunden in der Woche, ein Teil mehr als 65. Diese beiden Gruppen wollten oder könnten ihre Sprechstundenzeiten nicht ausdehnen, so der IGES-Geschäftsführer. Für alle weiteren Ärzte wird angenommen, dass höchstens die Hälfte mehr arbeiten würde, und dies im Schnitt etwa fünf Stunden pro Woche.

„Die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung würde mit solch einem System mehr Leistungsanreize setzen als in der Vergangenheit“, betonte Ballast. Er ist überzeugt davon, dass sich so auch Wartezeiten- und Terminvergabeprobleme teilweise lösen ließen. „Ein sinnvolles Anreizsystem halten wir in diesem Zusammenhang übrigens für zielführender als gesetzliche Regelungen“, ergänzte der TK-Vorstand. Er distanzierte sich damit indirekt sowohl von der Absicht der Bundesregierung, Servicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen für das Wartezeitenmanagement einzurichten.

Die Techniker Krankenkasse würde das in Auftrag gegebene Honorarmodell gern ausprobieren. Es eigne sich aber nicht für eine einzelne Kasse, sondern sei ideal für einen Modellversuch aller Krankenkassen im Bereich einer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) erläuterte Ballast. Gespräche mit KVen laufen angeblich bereits.

Die KBV hat die Reformvorschläge wohlwollend kommentiert. „Einzelleistungen zu fairen Preisen sind unverzichtbarer Bestandteil einer angemessenen und planbaren Vergü­tung“, sagte Andreas Gassen, der KBV-Vorstandsvorsitzende. „Ich begrüße es sehr, dass die TK hier unsere Gedanken und Vorschläge aufgreift.“  Gassen unterstützte zudem die Einschätzung der Kasse, dass ein sinnvolles Anreizsystem wie die Einzelleistungsvergütung auch in der Wartezeitendiskussion zielführender sei als gesetzliche Regelungen. © Rie/aerzteblatt.de

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