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Medizin

Systemische Sklerose: Stammzelltherapie kann Überlebenschancen verbessern

Mittwoch, 25. Juni 2014

Utrecht/Paris – Eine europaweite Studie zeigt, dass eine autologe hämatopoetische Stammzelltransplantation eine Therapieoption bei der diffusen systemischen Sklerose sein kann. Es kam zwar im ersten Jahr zu einer erhöhten Zahl von therapiebedingten Todesfällen, mittelfristig war die Mortalität der Publikation im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; doi: 10.1001/jama.2014.6368) zufolge jedoch niedriger als nach einer intensiven Immunsuppression mit dem Zytostatikum Cyclophosphamid.

Die systemische Sklerose ist eine lebensbedrohliche Autoimmunerkrankung, da der Angriff des Immunsystems auf die Blutgefäße (Vaskulopathie) und die Binde­gewebsvermehrung (Fibrose) häufig nicht auf die Haut beschränkt bleiben (weshalb die frühere Bezeichnung „Sklerodermie“ heute als missverständlich gemieden wird).

Vor allem bei einem diffusen Beginn der Erkrankung ist eine Beteiligung innerer Organe vorhersehbar: 30 bis 50 Prozent der Patienten sterben innerhalb von fünf Jahren. Immunsuppressiva, die andere Autoimmunerkrankungen häufig im Zaum halten, sind bei der systemischen Sklerose meistens erfolglos. Selbst der Einsatz von starken Zytostatika wie Cyclophosphamid kann das Fortschreiten nicht stoppen.

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Eine hämatopoetische Stammzelltherapie wird deshalb schon länger als Therapieoption diskutiert. Sie verfolgt zum einen das Ziel, das blutbildende Gewebe im Knochenmark, das letztlich auch Heimat der Abwehrzellen ist, auszutauschen. Zum anderen soll die starke Immunsuppression, die durch die Konditionierung erfolgt, den immunologischen Neustart erleichtern und das Immunsystem zur Tolerierung körpereigener Zellen verleiten.

Die Stammzelltransplantation ist jedoch nur sinnvoll, solange die systemische Sklerose noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Die Therapie kann nur zukünftige Attacken verhindern. Einmal aufgetretene Schäden bleiben bestehen und sie vermindern die Chancen der Patienten, die Strapazen der Therapie zu überleben. Die Teilnehmer der ASSIST-Studie durften deshalb nicht länger als vier Jahre an einer diffusen systemischen Sklerose leiden, die eine Tendenz zum raschen Fortschreiten zeigen musste, es durfte aber noch nicht zu einem Lungenhochdruck gekommen sein, und die Patienten durften keine schweren Begleiterkrankungen haben.

Jacob van Laar von Universitair Medisch Centrum Utrecht und Dominique Farge von der Université Paris Diderot konnten am Ende 154 Patienten aus 29 Behandlungszentren in zehn Ländern (mit deutscher Beteiligung) gewinnen. Sie wurden zu gleicher Anzahl auf eine konventionelle Therapie mit Cyclophosphamid (12 monatliche Infusionen) oder eine autologe Stammzelltherapie randomisiert. Für die Stammzelltherapie wurden den Patienten per Leukapherese Stammzellen entnommen, die ihnen nach einer non-myeloablativen Konditionierung wieder infundiert wurden.

Gleich im ersten Jahr kam es zu acht therapiebedingten Todesfällen. Weitere neun Patienten starben an der systemischen Sklerose, einer an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, einer an Krebs. Die Behandlung bietet deshalb trotz ihres hohen Risikos keine Gewähr, dass die überlebenden Patienten von der Autoimmunerkrankung „geheilt“ sind.

Trotz der insgesamt 19 Todesfälle (plus drei Patienten mit irreversiblen Organschäden) war die Studie für Laar und Farge ein Erfolg. Denn in der Kontrollgruppe starben im gleichen Zeitraum von 5,8 Jahren insgesamt 23 Patienten (davon 19 an der fortschreitenden Erkrankung) und acht weitere Patienten erlitten ein irreversibles Organversagen (das bei sieben Patienten nach Studienende zum Tode führte).

Hinzu kommt, dass die Stammzelltherapie günstigere Auswirkungen auf den Zustand der Haut, die Lebensqualität der Patienten und die Lungenfunktion hatte als die Standardtherapie. Schlüssel zum Erfolg bleibt jedoch die kluge Auswahl der Patienten. Eine Post-hoc-Analyse ergab, dass allein die Tatsache, dass der Patient ein aktiver Raucher ist, die Überlebenschancen vermindern kann. © rme/aerzteblatt.de

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