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Politik

Lage der Krankenhäuser blieb auch 2012 angespannt

Donnerstag, 26. Juni 2014

dpa

Berlin - „2011 war für Krankenhäuser in wirtschaftlicher Hinsicht ein schwieriges Jahr, 2012 war noch schwieriger.“ Mit diesem Satz fassen die Autoren des „Krankenhaus Rating Reports 2014“ die Lage der Krankenhäuser in Deutschland zusammen. 35 Prozent hätten im Jahr 2012 auf Konzernebene einen Jahresverlust geschrieben, 16 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Zudem habe sich die Umsatzrendite in diesem Zeitraum von 2,6 Prozent auf 1,1 Prozent verringert. 16 Prozent der 976 untersuchten Krankenhäuser wiesen dem Report zufolge im Jahr 2012 eine erhöhte Insolvenzgefahr auf – doppelt so viele wie 2010.

Ohne einen Anstieg der erbrachten Krankenhausleistungen stiege der Anteil der von einer Insolvenz gefährdeten Häuser bis 2020 auf mehr als 30 Prozent, prognostizieren die Autoren des Reports. Mit einem jährlichen Produktivitätsfortschritt von 0,8 Prozent könne sich die Lage langfristig stabilisieren. „Da dieser Wert nur schwer erreichbar sein dürfte, werden nicht alle Krankenhäuser überleben“, heißt es weiter. „Wir rechnen damit, dass ohne Marktaustrittsbarrieren bis 2020 etwa 13 Prozent der Häuser aus dem Markt ausscheiden würden.“

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Nicht alle Krankenhäuser können aus eigener Kraft bestehen
Einer der Gründe für die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Häuser seien die vielerorts zu niedrig ausfallenden Investitionsförderungen durch die Bundesländer „Ohne Berück­sichtigung der Universitätskliniken besteht ein Investitionsbedarf von 5,4 Milliarden Euro pro Jahr zur Erhaltung der aktuellen Substanz der Krankenhäuser“, sagte Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, einer der Autoren des Reports, heute auf dem Hauptstadtkongress in Berlin. „Genau die Hälfte davon kommt von den Ländern.“ Die andere Hälfte müssten die Häuser anders füllen. Bei 44 Prozent der Häuser reiche die Ertragskraft dafür jedoch nicht aus. „Langfristig können nicht alle Krankenhäuser aus eigener Kraft bestehen“, sagte Augurzky. „Das ist ein ernst zu nehmendes Problem.“

Zwischen den Krankenhäusern gibt es „eine deutliche Ost-West-Diskrepanz“, erklärte Sebastian Krolop von der Accenture GmbH, ein weiterer Autor des Reports. „Je weiter Sie nach Westen kommen, desto höher ist die durchschnittliche Ausfallwahrscheinlichkeit der Krankenhäuser. Besonders kritisch ist die Situation in Süddeutschland.“ Dies gelte vor allem für kommunale Krankenhäuser. Denn je reicher eine Kommune sei, desto eher könne sie sich ein unwirtschaftliches Krankenhaus leisten.

Kommunale Häuser: Je größer der Aufsichtsrat, desto größer die Insolvenzgefahr
„Bei den privaten Trägern sind Ketten besser aufgestellt als Solisten“, so Krolop weiter. „Bei freigemeinnützigen hält es sich die Waage, und bei kommunalen Trägern sind Solis­ten besser aufgestellt als Ketten.“ Eine reine Bildung von Ketten generiere insofern keinen Erfolg, wenn nicht die Möglichkeit des „Durchregierens“ bestehe, wenn man also nicht in der Lage sei, die notwendigen Schritte durchzuführen. Insofern bestehe auch eine Korrelation zwischen der Größe des Aufsichtsrates und der Gefahr der Insolvenz für ein Haus: je größer der Aufsichtsrat, desto größer die Ausfallwahrscheinlichkeit.

Zudem betonte Krolop, dass sich die Wirtschaftlichkeit eines Krankenhauses und dessen erbrachte Qualität gegenseitig bedingten: „Je wirtschaftlicher ein Krankenhaus ist, desto höher ist auch die Qualität und die Patientenzufriedenheit.“

Die Lage der Krankenhäuser könnte sich den Autoren des Reports zufolge durch vier Maßnahmen verbessern: höhere Preise für Krankenhausleistungen, mehr Kapital für Investitionen, eine höhere Produktivität sowie Marktaustritte von weniger produktiven Einrichtungen.

BÄK: Krankenhäuser brauchen Planungssicherheit
Der Hauptgeschäftsführer der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Bernhard Rochell, wies darauf hin, dass der Deutsche Ärztetag in Hannover eine Reform der Krankenhaus­finan­zierung gefordert habe, die eine dauerhafte Planungssicherheit für die Häuser ermögliche. „Es kann keine Langzeitperspektive sein, dass wir immer wieder Reparaturgesetze kriegen“, kritisierte Rochell. „Danach läuft der Motor über zwei Jahre stotternd weiter, bevor er erneut ausfällt.“ 

Die BÄK fordere zudem eine Abkehr vom DRG-System als einem durchgehend verbindlichen Preissystem, sagte Rochell. Man dürfe die lokale Versorgungsintelligenz in den Krankenhäusern nicht völlig ausblenden, sondern müsse sie sachgerecht berücksichtigen.

Durchschnittliche Verweildauer weiter gesunken
Dem Rating Report zufolge haben sich die Krankenhauskapazitäten 2012 gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert. Die Zahl der Betten blieb nahezu konstant bei knapp über 500.000. Die Zahl der Krankenhäuser verringerte sich um 1,4 Prozent auf 2.017 Häuser. Private Krankenhäuser konnten ihren Marktanteil leicht von 16,3 auf 16,8 Prozent leicht erhöhen. Der Marktanteil kommunaler Häuser sank von 49,3 auf 48,8 Prozent, der Anteil freigemeinnütziger Häuser blieb konstant bei 34,4 Prozent. Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten sank weiter auf 7,6 Tage, die Betten­auslastung  blieb konstant bei 77 Prozent. © fos/aerzteblatt.de

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