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Medizin

Studie: Low-dose ASS könnte vor Pankreaskrebs schützen

Freitag, 27. Juni 2014

dpa

New Haven – Die langjährige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) in einer der zur kardiovaskulären Prävention üblichen niedrigen Dosierungen war in einer Fall-Kontroll-Studie in Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention (2014; doi:10.1158/1055-9965.EPI-13-1284) mit einer signifikant niedrigeren Erkrankungsrate am Pankreaskarzinom assoziiert.

Die Einnahme von ASS war in früheren Studien bereits mit einer niedrigeren Erkran­kungs­rate an Darmpolypen und Darmkrebs in Verbindung gebracht worden. Die Ergebnisse der epidemiologischen Studien zum Pankreaskarzinom waren dagegen nicht eindeutig.

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Harvey Risch von der Yale School of Public Health in New Haven führt dies darauf zurück, dass ASS früher meistens nur kurzfristig und in der Regel zur Behandlung von Schmerzen eingenommen wurde. Dies könne einen Zusammenhang verdeckt haben, meint der Epidemiologe.

Seine aktuelle Studie an 363 Patienten mit einem Pankreaskarzinom und 690 Kontrollen liefert dagegen eine ungewöhnlich klare Assoziation: Männer und Frauen, die regel­mäßig Low-Dose-ASS einnehmen, erkranken danach zu 48 Prozent seltener am Pankreaskrebs (Odds Ratio OR 0,52; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,39-0,69). Das Risiko nahm mit jedem Jahr der Anwendung ab. Nach sechs Jahren war das Erkrankungsrisiko um 39 Prozent gesunken, nach zehn Jahren betrug die Reduktion bereits 60 Prozent.

Nach dem Absetzen von ASS kam es zu einem starken Anstieg des Risikos. Personen, die das Mittel weniger als 2 Jahre vor dem Interview abgesetzt hatten, waren mehr als dreimal häufiger als regelmäßige Anwender erkrankt (OR 3,24; 1,58–6,65). Risch vermutet, dass einige Patienten ASS abgesetzt haben könnten, nachdem sich der Tumor durch Geschmacksstörungen oder andere Symptome bemerkbar gemacht hatte, ohne dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine Krebserkrankung vermutet wurde.

Wie die mögliche Schutzwirkung, die sicherlich durch weitere Studien überprüft werden müsste, zustande kommen könnte, ist unklar. Eine gewisse Parallele zum Darmkrebs drängt sich auf. Wie beim Kolonkarzinom entwickelt sich das Pankreaskarzinom vermutlich über viele Jahre hinweg, in denen es zu einer Anhäufung von Mutationen kommt.

Dem Krebs gehen gutartige Proliferationen voraus. Beim Darmkrebs sind es Polypen, beim Pankreaskarzinom intraduktale papillär-muzinöse Neoplasien, die dem invasiven Karzinom vermutlich um Jahre voraus gehen. Wie beim Darmkrebs lässt sich aus der niedrigeren Inzidenz bei ASS-Anwendern nicht unbedingt die Empfehlung einer ASS-Einnahme ableiten, da die Zahl der Todesfälle durch gastrointestinale Blutungen (einem Risiko der ASS-Einnahme) größer sein könnte als die Zahl der Patienten, die dank der regelmäßigen Einnahme von ASS einem Krebstod entgehen.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 28. Juni 2014, 22:02

Freihändiges Kaffeesatzlesen?

Die "Schlussfolgerungen" dieser sekundäranalytisch-epidemiologisch-retrospektiven Fall-Kontroll-Studie aus Daten einer anderen Bevölkerungs-basierten "Connecticut Study" von Januar 2005 bis August 2009 lesen sich so vage wie "freihändiges Kaffeesatzlesen":
"Unsere Ergebnisse liefern etwas Unterstützung dafür, dass eine tägliche Aspirin-Einnahme das Risiko der Entwicklung von Pankreaskarzinom reduzieren k ö n n t e" - ["Conclusions: Our results provide some support that a daily aspirin regimen may reduce risk of developing pancreatic cancer."]

Was war geschehen? Während des untersuchten Zeitraums waren 362 Fälle von Pankreaskarzinom aufgetreten. Diese wurden mit 690 randomisierten Zufalls-Kontrollen o h n e Pankreaskarzinom verglichen ["frequency matched randomly sampled controls"]. Dann brauchte man nur noch retrospektiv nachschauen, ob die Vergleichsgruppe ohne Karzinom ihr Aspirin immer fleißig und regelmäßig genommen hatte. Denn Patienten m i t Pankreaskarzinom, bei denen leider häufiger chronische Pankreatitiden bzw. meist äthyltoxische Hepatopathien vorausgehen und andere Begleiterkrankungen vorliegen können, hatten natürlich ihr Aspirin eher selten oder gar nicht eingenommen bzw. gar keine Indikation dafür gehabt. Manche konnten sich vielleicht auch gar nicht mehr an ihre Aspirin-Einnahmen erinnern?

Connecticut/USA ist übrigens ein heißes Pflaster für weitere haltlose Theorien. Unter dem Titel "Light at night and breast cancer risk: results from a population-based case–control study in Connecticut, USA" wollte eine Forschergruppe unter Qian Li et al., 2010 publiziert [Cancer Causes Control. Dec 2010; 21(12): 2281–2285.], allen Ernstes nachweisen, dass bei postmenopausalen Frauen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko in Abhängigkeit von nächtlichem Licht-an-Lassen, Tagsüber-Schlafen bzw. Die-Vorhänge-oder-die Fensterläden-nachts-offen-Lassen bestehen könnte. ["...increased risk of breast cancer was observed among postmenopausal women for those keeping lights on while sleeping (OR = 1.4, 95% CI 0.7, 2.7), those who reported mainly sleeping in the daytime (OR = 1.4, 95% CI 0.5, 4.3), and those not drawing the curtains/window shades while sleeping at night (OR = 1.2, 95% CI 0.8, 1.9)."]

Wie unschwer zu erkennen und auch vom Autorenteam zugegeben, waren die Ergebnisse n i c h t signifikant und die ersehnte Hypothesen-Bestätigung damit in sich zusammengebrochen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3154700/
LNS

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