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Ärzteschaft

Wartezeiten bei Psychotherapie sind auch eine Folge von Terminvorlieben der Patienten

Freitag, 27. Juni 2014

München – Patienten in Psychotherapie halten ihre Termine für reguläre Sitzungen gut ein. Im Gegensatz dazu ist sind Terminausfälle – oft ohne Absage – bei Erstkontakten und Diagnostikterminen häufig. Das hat eine schriftliche Befragung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) in Zusammenarbeit mit mehreren Berufsverbänden im Zeitraum von 7. Mai bis zum 6. Juni 2014 unter Psychologischen Psychotherapeuten, psychotherapeutisch tätigen Ärzten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Kinder und Jugendpsychiater ergeben. Etwa 1.200 KV-Mitglieder hatten sich beteiligt. Die Rück­laufquote lag bei knapp 25 Prozent und habe damit „ein durchaus verlässliches Stimmungsbild“ ergeben.

Befragt nach den Wartezeiten, gaben mehr als die Hälfte aller Teilnehmer an, Termine für ein Erstgespräch innerhalb von weniger als vier Wochen vergeben zu können. Insbe­sondere vormittags gebe es rasch Termine, während vor allem die Nachmittagsstunden sehr gefragt und deshalb rasch ausgebucht seien. Aus Sicht des Vorstands der KVB zeigt die Umfrage damit auch, dass die von zahlreichen Gesundheitspolitikern geäußerte Forderung nach einer verbindlichen Vier-Wochen-Frist bei der Behandlung psychischer Erkrankungen nicht greift.

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Auch eine Servicestelle könne keine Beschleunigung erzielen, wenn die Patienten nicht bereit seien, auch Termine außerhalb des gewünschten Zeitfensters am Nachmittag zu akzeptieren.

Kein Geld für ausgefallene Termine
„Offensichtlich melden sich immer mehr Patienten bei mehreren Praxen zu einer Erstdiagnostik an und nehmen dann nur einen der vereinbarten Termine wahr – ohne die anderen abzusagen. Dass die Ärzte und Psychotherapeuten für solche ausgefallenen Termine kein Geld erhalten, wird sowohl von der Politik als auch den Krankenkassen geflissentlich verschwiegen“, kritisierten die drei KVB-Vorstände Wolfgang Krombholz, Pedro Schmelz und Ilka Enger. Der Gesetzgeber sei deshalb gefordert, endlich eine verbindliche Regelung für die Erstattung der Kosten bei durch Patienten verursachten Terminausfällen vorzugeben.

Die Umfrageergebnisse offenbarten zudem viele weitere Probleme in der Versorgung insbesondere bei psychisch kranken Kindern und Jugendlichen: So sei durch den Trend zu Ganztagesschulen und stetig steigende schulische Anforderungen wie auch die hohe zeitliche Beanspruchung der Eltern durch Berufstätigkeit kaum mehr die notwendige Zeit bei den jungen Patienten und deren Eltern vorhanden, eine möglicherweise längerfristig angelegte Therapie zu durchlaufen. Die befragten Kinder- und Jugendlichen­psycho­therapeuten sowie Kinder und Jugendpsychiater warnten deshalb besonders vor den Spätschäden, die bei einer unbehandelten psychischen Erkrankung im Erwachse­nenalter drohten. © EB/aerzteblatt.de

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