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Medizin

ADHS-Medikamente bei Kindern erhöhen kardiovaskuläres Risiko

Freitag, 27. Juni 2014

Aarhus – ADHS-Medikamente haben einer dänischen Studie zufolge ein geringes, aber statistisch relevantes kardiovaskuläres Nebenwirkungsprofil. Die Arbeitsgruppe um Søren Dalsgaard an der Aarhus Universität veröffentlichte die Ergebnisse ihrer Kohortenstudie im Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology (http://dx.doi.org/10.1089/cap.2014.0020).

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird medikamentös in der Regel mit zentralnervösen Stimulanzien behandelt, welche die Wirkung von Dopamin und Noradrenalin im Gehirn verstärken. Am häufigsten kommen Amphetaminpräparate oder Methylphenidat zum Einsatz. Nebenwirkungen wie Tachykardien, Palpitationen oder Blutdruckerhöhungen können bei einigen Patienten auftreten.

Die Arbeitsgruppe berichtet außerdem, dass einige Fallberichte über schwerwiegende bis lebensbedrohliche kardiovaskuläre Nebenwirkungen vorliegen, welche aber selten bis sehr selten seien. Sowohl die klinische Relevanz, als auch Zusammenhänge zwischen Anwendungsdauer und Dosis seien bisher nicht ausreichend erforscht.

Die Wissenschaftler verwendeten Daten des zentralen dänischen Personenregisters. Insgesamt 714.258 Kinder, die zwischen 1990 und 1999 geboren wurden, schlossen sie in die Studie ein. Bei 8.300 dieser Kinder wurde nach dem fünften Lebensjahr die Diagnose ADHS gestellt. Somatische und psychiatrische Begleiterkrankungen, Medika­tion, kardiovaskuläre Risikofaktoren und soziodemografische Faktoren der Kinder konnten die Wissenschaftler in ihre Studie einbeziehen. Primärer Endpunkt der Studie war die Behandlung oder Vorstellung im Krankenhaus auf Grund einer kardiovaskulären Erkrankung.

Insgesamt hatten in der gesamten Studienkohorte 5.734 Kinder ein kardiovaskuläres Ereignis, davon 111 in der medikamentös behandelten Gruppe. Kinder die eine ADHS-spezifische Medikation einnahmen, erlitten häufiger ein kardiovaskuläres Ereignis (HR= 1.83; 95% CI 1.10–3.04). Cerebrovaskuläre Erkrankungen (acht Prozent), Arrhythmien (23 Prozent) und nicht weiter spezifizierte Herz- (14 Prozent) und kardio­vaskuläre Erkrankungen (40 Prozent) gehörten zu den häufigsten Einlie­ferungsgründen. In Bezug auf die Dosis-Wirkungsbeziehung konnten die Wissenschaftler zeigen, dass das kardiovaskuläre Risiko mit zunehmender Dosis stieg.

Die Arbeitsgruppe schließt aus den Daten, dass kardiovaskuläre Ereignisse zwar insgesamt selten, jedoch unter der Therapie statistisch häufiger auftraten. Angesichts steigender Verordnungszahlen von Psychostimulanzien seien die Ergebnisse epidemi­ologisch relevant und sollten in der künftigen Erstellung von Leitlinien Beachtung finden, so die Meinung der Forscher. 

© hil/aerzteblatt.de

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