Ärzteschaft

Palliativmediziner fordern bessere Versorgung in Pflegeheimen

Freitag, 27. Juni 2014

Düsseldorf/Berlin - „An der Schwelle zur Regelversorgung muss der Zugang zur palliativ­medizinischen Versorgung grundsätzlich allen Patienten mit lebensbedrohlichen tumor- und nichttumorbedingten Erkrankungen offen stehen“, forderte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), Friedemann Nauck, in Düsseldorf. Dazu sei „Etablierung eines verantwortlichen Palliativbeauftragten in jedem Krankenhaus und in jeder Pflegeeinrichtung sowie den Aufbau von multiprofessionell arbeitenden Palliativdiensten in Krankenhäusern“ notwendig.

Außerdem sei dringend die spezialisierte ambulante Palliativversorgung flächendeckend in Pflegeeinrichtungen zu etablieren, um alte, hochbetagte und/oder demenzerkrankte Menschen am Ende ihres Lebens ihren Bedürfnissen entsprechend behandeln und begleiten zu können.

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Edmund Neugebauer, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung (DNVF), betonte: „Zentraler Prüfstein für die Weiterentwicklung unseres Gesundheits­systems wird die Patientenorientierung.“ Patientenorientierung bedeute, dass die Strukturen, Prozesse und Ergebnisse des Systems der gesundheitlichen Versorgung auf die Interessen, Bedürfnisse und Wünsche des individuellen Patienten ausgerichtet sein müssen. Über Möglichkeiten und Grenzen auf diesem Weg wird auf dem gemeinsamen Kongress der Fachgesellschaften für Versorgungsforschung und für Palliativmedizin mit dem unparteiischen Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken, diskutiert.

Auch die Deutsche Krebshilfe sieht die Politik in der Pflicht. „Gesundheitspolitik und öffentliche Hand sind gefordert, sich noch stärker als bisher für die Medizin am Lebensende einsetzen und Palliativmedizin flächendeckend umsetzen“, so Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der gemeinnützigen Organisation.

Palliativmedizin klinisch und in der Forschung etabliert
Die Palliativmedizin ist 20 Jahre nach Gründung ihrer Fachgesellschaft nicht nur klinisch, sondern auch in der Forschung gut etabliert, betont Kongresspräsident Raymond Voltz. Das zeige sich unter anderem daran, dass rund 300 palliativmedizinische Beiträge eingereicht wurden, hervorragende neue Forschungsinstrumente und -methoden vorgestellt würden und dass Fragestellungen aus der Palliativmedizin auch zu Forschungsthemen in der Allgemeinmedizin oder Onkologie geworden sind.

Auf der Sommertagung des Arbeitskreises medizinischer Ethikkommissionen am 20. Juni in Berlin betonte Nauck, dass dennoch nach wie vor Verbesserungsbedarf bestehe. „Das Thema Palliativmedizin wird nur von wenigen Forschungsgruppen bearbeitet, verfügt jedoch über ein großes Innovationspotenzial und wird künftig sowohl für die Forschung als auch für die Versorgung sehr bedeutend sein.“

Die palliativmedizinische Forschung stehe allerdings vor mehreren Herausforderungen, so fordere beispielsweise die in Fortaleza novellierte Deklaration von Helsinki einen (noch) größeren Schutz für besonders vulnerable Studienteilnehmer, zum Beispiel Kinder oder alte Menschen, das heißt das der Nutzen für den Patienten selbst erkennbar sein müsse.

Außerdem könnte durch Forschung auch die besondere therapeutische Wertigkeit der Arzt-Patient-Beziehung im Kontext des Lebensendes gefährdet werden. Ein Problem sei letztendlich auch die, dass etwas 30 Prozent der Patienten in der Palliativmedizin kognitiv eingeschränkt seien, was die Aufklärung und Einwilligung erschweren könne. Dennoch hält Nauck Forschung nicht nur in den Bereichen Schmerztherapie, sondern auch zur Symptomkontrolle und Lebensqualität für unerlässlich. © Kli/aerzteblatt.de

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