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Medizin

Noroviren erklären ein Fünftel aller akuten Gastroenteritiden

Freitag, 27. Juni 2014

Atlanta – Mit zunehmender Verbreitung von Tests werden Norovirus-Infektionen immer häufiger diagnostiziert. Nach einer Meta-Analyse in Lancet Infectious Diseases (2014; doi: 10.1016/S1473-3099(14)70767-4) könnte der erst vor vier Jahrzehnten entdeckte Erreger für etwa ein Fünftel aller akuten Gastroenteritiden verantwortlich sein.

Das Norwalk-Virus, der Prototyp der Noroviren wurde 1972 in Stuhlproben von Schulkindern entdeckt, die zuvor bei einer Epidemie in der Kleinstadt Norwalk/Ohio an einer akuten Gastroenteritis erkrankt waren. Dem Virus wurde von der klinischen Forschung zunächst wenig Beachtung geschenkt, da das 1973 entdeckte Rotavirus für Kleinkinder als größere Gefahr eingestuft wurde. Dies könnte sich nach der Einführung von Impfstoffen gegen Rotaviren ändern, zumal es bei älteren und abwehrgeschwächten Menschen durchaus zu schweren Verläufen von Norovirus-Infektionen kommen kann und die leichte Übertragbarkeit rasche Epidemien begünstigt.

Vor sechs Jahren kam eine systematische Übersicht der US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zu dem Ergebnis, dass etwa 12 Prozent aller milden bis mittelschweren akuten Durchfallerkrankungen durch Noroviren ausgelöst werden (Emerg Infect Dis 2008; 14: 1224-31).

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Jetzt hat ein anderes CDC-Team die Schätzungen nach oben revidiert. Die Gruppe um Benjamin Lopman von den CDC in Atlanta kommt aufgrund der Analyse von 175 publizierten Berichten aus den Jahren 1990 bis 2014 zu dem Ergebnis, dass Noroviren für 24 Prozent aller akuten Gastroenteritiden in der Gemeinschaft verantwortlich sind, die in der Bevölkerung meistens als „Magendarmgrippe“ oder „Lebensmittelvergiftung“ bezeichnet werden. Bei Hausärzten und in Ambulanzen sind Noroviren für 20 Prozent aller akuten Gastroenteritiden verantwortlich. In Notfallambulanzen könnte der Anteil Lopman zufolge 17 Prozent betragen.

Der Anstieg seit der letzten Schätzung ist vermutlich auf eine verbesserte Diagnostik zurückzuführen. Dies ändert aber nichts daran, dass der relative Anteil an den Erkrankungen in Ländern mit allgemeiner Rotaviren-Impfung ansteigen dürfte. Lopman schätzt die jährliche Zahl der Erkrankungen in den USA auf 70.000, von denen etwa 800 tödlich enden.

In Deutschland wurden zwischen 2009 und 2013 insgesamt 570.916 laborbestätigte Norovirus-Erkrankungen gemeldet, was 113.335 Fällen pro Jahr entspricht. Aufgrund des epidemischen Auftretens schwanken die Zahlen von Jahr zu Jahr. Für Aufsehen sorgte zuletzt im Herbst 2012 ein Ausbruch in fünf ostdeutschen Bundesländern. An 390 Kindergärten und Schulen (und anderen Einrichtungen) traten fast 11.000 Erkrankungsfälle auf. © rme/aerzteblatt.de

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