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Politik

Arzneimitteltests in der DDR: Westliche Auftragsstudien sollen geprüft werden

Dienstag, 1. Juli 2014

Berlin – Um Rechtmäßigkeit, ethische Verantwortung und Hintergründe von Arzneimittel­studien in der DDR bewerten zu können, will eine Forschergruppe ausgewählte Auftrags­studien westlicher Pharmahersteller näher prüfen. Bislang gilt es als gesichert, dass zwischen 1980 und 1990 etwa 300 Studien dieser Art in der DDR durchgeführt wurden. „Noch fehlt uns aber die historische Tiefe“, sagte der federführende Leiter der Forscher­gruppe, Volker Hess vom Medizinhistorischen Institut der Charité, am Montag bei der Präsentation eines Zwischenberichts.

Analysiert wurden in dem Projekt seit Juni 2013 zahlreiche Akten, Berichte und Zeitzeu­gen-Aussagen: Die Ergebnisse zeigen etwa, dass hauptsächlich an akademischen Einrich­tungen getestet wurde – überall in der DDR, wie Projektmitarbeiter Pascal Grosse sagte. Neben einem Schwerpunkt in Berlin seien jedoch vor allem Sachsen und Mecklen­burg-Vorpommern betroffen gewesen. Etwa zehn Prozent der Tests wurden an Kindern vorgenommen.

Arzneimitteltests in der DDR: Testen für den Westen (II)

Die klinische Medikamentenprüfung eines Psychopharmakons am Uniklinikum Jena – Ergebnisse einer Pilotstudie Die öffentliche Aufregung war groß, als im Mai 2013 etliche Medien über klinische Prüfungen von West-Medikamenten in der DDR berichteten. Angeblich seien Zehntausende Patienten unwissentlich als Versuchskaninchen missbraucht worden, und etliche hätten die Tests nicht überlebt.

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Die Organisation der Arzneimittelstudien in der DDR beschreiben die Forscher als staatlich zentralisiert: Womöglich bot dies gute Bedingungen für pharmazeutische Unternehmen aus der Bundesrepublik, Westeuropa und dem außereuropäischen Ausland, vermutet das Team. Denn in den 1970er Jahren seien im Westen strengere staatliche Regulierungen hin zu einer moderneren Arzneimittelprüfung erlassen worden, sagte Hess.

Arzneimitteltests in der DDR: Testen für den Westen

Patientenakten können Aufschluss darüber geben, was genau bei den Arzneimittelstudien für Westfirmen im Arzt-Patienten-Verhältnis passierte. Aber die müssen erst einmal in den Kliniken gefunden, gelesen und verglichen werden.* Betrachtet man die aufgeregte Berichterstattung in den vergangenen Wochen zu den Medikamententests westlicher Pharmafirmen in der DDR, so geht es in der Regel immer um die

Ob Patienten freiwillig an den Testreihen teilnahmen und ausreichend aufgeklärt wurden, ist nach Angaben der Forscher kaum dokumentiert. Es gebe jedoch Anzeichen, dass die Standards der Zeit eingehalten wurden. Näheres sollen die Fallstudien bis zum Ende des Projekts im Dezember 2015 zeigen. Für ihre Arbeit erhoffen sich die Wissenschaftler zunächst besseren Zugang zu Firmenarchiven. © dpa/aerzteblatt.de

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