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Ärzteschaft

Viele Kinderstationen stehen vor dem Aus

Dienstag, 1. Juli 2014

dpa

Berlin – Viele Kinderstationen in deutschen Krankenhäusern stehen vor der Schließung. „Wenn wir das hohe Versorgungsniveau in der Kinder und Jugendmedizin erhalten wollen, brauchen wir dringend eine Neuregelung der Finanzierungssystematik und endlich wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung des Ärztemangels in der Pädiatrie“, forderte deshalb der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Mont­gomery.

Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und der Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland (GKinD) fordert die BÄK die Politik in Bund und Ländern auf, bei der anstehenden Krankenhausreform besonderes Augenmerk auf die Sicherung der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in den Kliniken zu setzen.

„Kinderkliniken und Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin sind schon längst nicht mehr zukunftsfest ausgestattet, weder strukturell noch finanziell“, betonte der DGKJ-Präsident Norbert Wagner. „Seit 1991 wurden nahezu jede fünfte Kinderabteilung geschlossen und vier von zehn Betten in der stationären Kinder- und Jugendmedizin gestrichen“, sagte Jochen Scheel von der Gesellschaft für Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland.

Verweildauer von 9,1 auf 4,1 Tage zurückgegagngen
Bestanden im Jahr 1991 noch 440 Abteilungen für Kinderheilkunde mit mehr als 31.000 Betten, waren es im Jahr 2010 nur noch 363 mit rund 19.000 Betten. Von den 99 Abtei­lungen für Kinderchirurgie bestanden im Jahr 2010 nur noch 80. Die durchschnittliche Verweildauer reduzierte sich im gleichen Zeitraum trotz wachsender Behandlungs­optionen und steigender Komplexität der Versorgung von 9,1 auf 4,9 Tage. Die DGKJ hat deshalb zusammen mit der GKinD eine Aktion „Rettet die Kinderstation“ gestartet. Darin machen die Organisationen online, über Plakate und mit Faltblättern auf die dramatische Situation der Kinderkliniken aufmerksam.

Zusammen mit der BÄK fordern sie den Gesetzgeber auf, unbürokratische Möglichkeiten zu schaffen, die nicht über das DRG-Fallpauschalen-System darstellbaren Kosten der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung zu finanzieren. In strukturschwachen Gebieten müssten die Vorhaltekosten für die kinder- und jugendmedizinischen Angebote bezahlt werden.

BÄK, DGKJ und GKinD stellten zudem klar, dass Kinder und Jugendliche in zumutbarer Nähe zu ihrem Wohnort eine ambulante, prä- und poststationäre Versorgung erhalten müssten. Die ambulanten Leistungen müssten unabhängig davon, ob die Versorgung im vertragsärztlichen Bereich oder in Institutsambulanzen am Krankenhaus stattfindet, adäquat und ohne budgetäre Restriktionen vergütet werden. © hil/aerzteblatt.de

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