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Medizin

Alkoholismus bei Obdachlosen beginnt oft schon in der Kindheit

Dienstag, 1. Juli 2014

dpa

Washington – Alkoholabhängigkeit könnte bei Obdachlosen durch einen oft sehr frühen Kontakt mit Alkohol begünstigt werden. Das berichtet die Arbeitsgruppe um Ryan McCormack von der New York University School of Medicine in Annals of Emergency Medicine (doi :10.1016/j.annemergmed.2014.05.025 ).

Die Forscher wollten mit Hilfe ihrer Studie untersuchen, welche Faktoren bei Obdach­losen zu einer Alkoholabhängigkeit beitragen. Außerdem interessierten sie die Gründe, warum ein Entzug in dieser Patientengruppe besonders häufig misslingt. Etwa jeder dritte Obdachlose leidet laut der Studie an einer Alkoholabhängigkeit. Die Wissenschaftler untersuchten unter anderem das Verhältnis der Betroffenen zum Alkohol in der Kindheit und Jugend.

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In Deutschland wurden 2012 mehr als 26.000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren wegen einer akuten Alkoholintoxikation im Krankenhaus behandelt. Eine manifeste Alkoholabhängigkeit ist in dieser Altersgruppe eher selten, jedoch kann ein problematischer Konsum das Risiko für eine spätere Alkoholabhängigkeit erhöhen.

Die Wissenschaftler führten 50-minütige Interviews mit alkoholabhängigen Obdachlosen, die sich innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens vier Mal in der Notaufnahme des Bellevue Hospitals vorstellten. Sie befragten die Teilnehmer auch zu ihrer eigenen Sichtweise der Erkrankung.

Jeder der 20 Teilnehmer berichtete, dass er bereits in der Kindheit oder der Jugend mit einem problematischen Alkoholkonsum begann, der sich schnell zu einer manifesten Abhängigkeit entwickelte. Eine Teilnehmerin berichtete, dass sie bereits im Alter von acht Jahren häufiger mit Alkohol in Kontakt kam.

13 Patienten gaben an, dass ihre Eltern ebenfalls alkoholabhängig waren und eine gleiche Anzahl wurde im elterlichen Haushalt misshandelt. Fast alle Teilnehmer mussten vor Vollendung des 18. Lebensjahrs das Elternhaus verlassen. In den meisten Fällen brach der Auszug endgültig die Bahn für die Alkoholabhängigkeit.

Jeder der Teilnehmer hatte mindestens einmal an einem Entzugsprogramm teilge­nommen, jedoch war dies bei keinem auf Dauer erfolgreich. Ein Jahr nach dem Interview verstarb ein Viertel aller Teilnehmer.

Die fehlende Perspektive, sich aus ihrer Lage zu befreien, und die mangelnden Perspektive senkte die Motivation, ein abstinentes Leben zu führen am stärksten, so die Forscher. Prävention, die sich auch gegen den äußerst frühen Kontakt mit Alkohol richtet, könnte zusammen mit multimodalen Therapiekonzepte der Alkoholabhängigkeit am ehesten entgegenwirken. © hil/aerzteblatt.de

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