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Medizin

Nasenkrebs: Partikelstrahler mit besserer Wirkung

Mittwoch, 2. Juli 2014

dpa

Scottsdale – Die Partikeltherapie, die Tumore mit Ionen bestrahlt, erzielt bei Malignomen der Nasen- und der Nasennebenhöhlen möglicherweise deutlich bessere Ergebnisse als die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT), eine moderne Variante der konventio­nellen Strahlentherapie mit Photonen. Dies geht aus einer Meta-Analyse in Lancet Oncology (2014; doi: 10.1016/S1470-2045(14)70268-2) hervor.

Die relativ aufwendige Partikeltherapie, die weltweit nur an etwa 50 Zentren möglich ist (in Deutschland in München, Heidelberg und Marburg) hat gegenüber der konventi­onellen Strahlentherapie, die von den meisten Universitätskliniken und mehreren privaten Zentren angeboten wird, prinzipielle Vorteile: Die Protonen lassen sich genauer auf das Ziel ausrichten und sie durchdringen das Gewebe aufgrund des hohen „Bremsvermögen“ der Partikel nicht, wodurch das dahinter liegende Gewebe geschützt wird.

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Hinzu kommt, dass die Energie aufgrund des Bragg-Peaks am Ende des Strahlenwegs am höchsten ist. Ob die strahlentechnischen Vorteile für die Patienten von Bedeutung sind, ist jedoch umstritten. Das wichtigste konkurrierende Verfahren ist die intensitäts­modulierte Strahlentherapie (IMRT), bei der die Tumore von mehreren Seiten bestrahlt werden und die Dosis im Zentrum des Brennglases modifiziert werden kann.

Ein direkter Vergleich durch randomisierte Studien ist derzeit nicht geplant, so dass die Forscher auf den Vergleich der Ergebnisse aus unterschiedlichen Zentren angewiesen sind, was leicht zu Verzerrungen führen kann. Die bisherigen Studien zeigen, dass die Vorteile beim Prostatakarzinom, in dessen Nähe sich außer der Rektumschleimhaut keine strahlensensiblen Gewebe befinden, nicht nachweisbar sind. Der jüngste Vergleich im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 307: 1611-20) kam sogar zu dem Schluss, dass die IMRT seltener zu gastrointestinalen Komplikationen führt als die Protonen­therapie (eine Variante der Partikeltherapie).

Ganz anders ist die Situation im Bereich von Nasen- und Nasennebenhöhlen. Hier können neben gesunden Abschnitten der Nasen- und Mundschleimhaut auch die Sinnesorgane Auge und Ohr in Mitleidenschaft gezogen werden sowie das Zentral­nervensystem und die Hirnnerven.

Die Meta-Analyse, die Samir Patel von der Mayo Clinic in Scottsdale/Arizona aufgrund der bisherigen Erfahrungen in weltweit 43 Kohorten erstellt hat, sprechen dafür, dass die Wahl der Partikeltherapie hier tatsächlich einen Unterschied macht. Die Komplikations­rate an Auge, Kopf- und Hals, Nasenbereich, Ohr und Nervensystem waren laut Patel durchweg tendenziell geringer. Nur die hämatologische Toxizität könnte höher sein.

Außerdem wurden die Tumore effektiver bestrahlt. Das krankheitsfreie Überleben betrug laut Patel nach Partikeltherapie 72 Prozent gegenüber 50 Prozent nach der IMRT. Bei einem relativen Risiko von 1,44 und einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,01 bis 2,05 ist dies ein signifikanter Vorteil der Partikeltherapie. Auch die lokoregionale Tumorkontrolle nach 5 Jahren war mit 81 Prozent gegenüber 64 Prozent (relatives Risiko 1,26; 1,05-1,51) signifikant besser. Beim Gesamtüberleben gab es allerdings keinen erkennbaren Vorteil. Fünf Jahre nach der Partikeltherapie lebten noch 66 Prozent der Patienten gegenüber 48 Prozent nach der IMRT (relatives Risiko 1,39; 0,99-1,94).

Das sind in beiden Gruppen sehr gute Ergebnisse, da die Patienten in der Vergan­genheit nach der Diagnose nur selten 5 Jahre überlebten. Wie groß die Vorteile der Partikeltherapie genau sind, wird vermutlich niemals in prospektiven Studien ermittelt werden, vermutet der Editorialist Masashi Koto vom japanischen Forschungszentrum für Partikeltherapie in Chiba, der den Einsatz der Partikeltherapie am ehesten bei Tumoren in anatomisch prekären Regionen wie den Nasen- und Nasennebenhöhlen für sinnvoll erachtet, während sich beim Prostatakarzinom die Frage der Kosten-Nutzen-Effektivität stellen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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