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Politik

Diskussion um die „Pille danach“ geht weiter

Donnerstag, 3. Juli 2014

Berlin – Zwei Anträge der Grünen- und der Linksfraktion im Bundestag (Drucksachen-Nummern 18/492 und 18/1617) gaben gestern vor dem Gesundheitsausschuss Anlass, den Streit um die sogenannte Pille danach erneut zu beleben. Die Oppositionsparteien fordern in ihren Anträgen erneut, dass der in der „Pille danach“ enthaltene Wirkstoff Levonorgestrel rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sein soll. Politisch brisant macht dieses Thema, dass auch die SPD diese Meinung teilt. Die Union hingegen will an der Rezeptpflicht von Levonorgestrel festhalten.

Diese Ansicht vertreten auch der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Die „Pille danach“ sei gefährlich, weil sie nicht für alle Frauen verwendbar sei, sagte der Präsident des BVF, Christian Albring, gestern in einer Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss. Ab einem Gewicht von 75 Kilogramm sei die Wirksamkeit nicht mehr gegeben. Dies betreffe 34 Prozent aller deutschen Frauen zwischen 18 und 45 Jahren. Würde Levonorgestrel aus der Rezeptpflicht entlassen, würden sich die Frauen auf dessen Wirksamkeit verlassen und dabei schwer getäuscht.

Christoph Baumgärtel von der staatlichen Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit berichtete hingegen von den guten Erfahrungen, die man mit der Freigabe der „Pille danach“ gemacht habe. „Sämtliche Befürchtungen, die wir hatten, haben sich nicht bewahrheitet“, sagte Baumgärtel. So sei weder ein sorgloser Umgang mit der „Pille danach“ zu verzeichnen gewesen noch seien besorgniserregende Nebenwirkungen gesehen worden. Nach der Freigabe sei die Abgabezahl pro Quartal von 20.000 Einheiten auf 30.000 Einheiten gestiegen. Dies könne nicht als sorgloser Umgang interpretiert werden. 

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In ihrem Antrag verweisen die Grünen darauf, dass sich auch der Sachverständigen­ausschuss für Verschreibungspflicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin­produkte (BfArM) für die rezeptfreie Abgabe von Levonorgestrel ausgesprochen habe. Es gebe keine sachlichen Gründe, die rezeptfreie Abgabe der „Pille danach“ abzulehnen. Die Linken schreiben zudem, dass „in der weit überwiegenden Anzahl der europäischen Länder“ Levonorgestrel rezeptfrei und komplikationslos in Apotheken gekauft werden könne.  

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will jedoch an der Rezeptpflicht festhalten. Dies befürwortet auch die Bundesärztekammer (BÄK). Die betroffenen Frauen bräuchten Beratung durch einen Facharzt, hatte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery bereits Anfang des Jahres erklärt. Eine Apotheke könne das nicht in gleicher Form gewährleisten. © fos/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #549367
Frauenärzte am Potsdamer Platz
am Donnerstag, 10. Juli 2014, 14:28

Pille danach

Bei der ganzen, teils hitzigen Diskussion über die Rezeptpflicht der „ Pille danach „ wird immer wieder völlig übergangen und es wird nicht berücksichtigt, dass es zwei Präparate gibt, „Pidana“ und „Ella one“.
Es bleibt immer unberücksichtigt, dass es bei den Diskussionen immer nur um die Pille „Pidana“ geht, die schlechter wirksame Pille, die auch billiger ist. Dieses Präparat ist von uns noch nie verschrieben worden.

Frauenärzte, die sicher gehen wollen und ihren Patientinnen eine besser
wirksame „Pille danach“ geben wollen, rezeptieren normalerweise das Präparat „ Ella one“ , die wirksamere und etwas teuere Pille, die auch mit größerem Abstand zum ungeschützten Sex eingenommen werden kann ( bis zu 5 Tagen ). Dieses Präparat soll aber aufgrund bestimmter pharmakologischer Eigenschaften sowieso rezeptpflichtig bleiben.

Diese Tatsache wird bei der Diskussion und in den Medien aber niemals angesprochen.

http://www.frauenaerzte-am-potsdamer-platz.de
Avatar #557711
Rowik
am Sonntag, 6. Juli 2014, 21:01

Ideologie versus Medizin

Im Sinne einer differenzierten Darstellung. Es gibt nicht "eine" "Pille danach" sondern derer zwei- die eine mit dem Wirkstoff LNG und die andere- neuere und massiv beworbene- mit UPA. Bei beiden wird gebetsmühlenartig behauptet- ohne dies freilich adäquat belegen zu können, daß es eine abtreibende Wirkung nicht gäbe... Bzgl. UPA ist jedoch die abtreibende Wirkung tatsächlich noch ein deutlich größeres Problem als bei LNG: Der renomierte Endokrinologe Prof. Rabe äußerte sich 2012: "Durch UPA wird die Bildung der Proteine unterdrückt, die für den Beginn und den Erhalt der Schwangerschaft erforderlich sind..." eine aktuelle Arbeit (1/2014) von Mozzagena et al belegt erneut die nidationshemmende Wirkung von UPA auf das Endometrium. Progesteron ist nun einmal für die erfolgreiche Einnistung und den Erhalt der Schwangerschaft erforderlich- was passiert, wenn mit UPA durch einen "Progesteronrezeptor- Modulator" die Wirkung des Progesterons gestört wird?!
Chemisch eng verwandt ist dieses Medikament mit der medikamentösen Abtreibungspille Mifepristone, die eben sehr erfolgreich bestehende Schwangerschaften abtötet und genau dazu als Abtreibungspille verwendet wird. Mifepristone wird daher auch besonders in China als "Pille danach" zur Frühabtreibung wie auch zur Spätabtreibung verwendet...
Es geht hier leider kaum um wissenschaftliche Fakten, sondern leider vielmehr um Ideologie: Neben der Ärztekammer befürwortet auch der Bundesverband der Frauenärzte (in deren Kompetenzbereich nun einmal Fragen um Sexualhormone und Verhütung gehören) klar und eindeutig die Beibehaltung der Rezeptpflicht.
Für die Aufhebung derselben werden dagegen viele ideologische, aber kaum tatsächliche medizinische oder wissenschaftliche Gründe vorgebracht- denen wir uns als Ärzte doch eigentlich verpflichtet fühlen dürften.

Eine Aufhebung der Rezeptpflicht würde zahlreiche Fragen aufwerfen:
- warum sollte der Zugang zu einer qualifizierten medizinischen Beratung verschlechtert oder unmöglich gemacht werden? Gerade die Anwenderinnen der "Pille danach" gehören überdurchschnittlich unteren sozialen Schichten an, verhüten eben nicht adäquat oder sind minderjährig- sollte man gerade diesen jungen Frauen eine adäquate Beratung verweigern? Wäre dies nicht höchst unsozial und frauenfeindlich?
- warum sollte ausgerechnet die "Pille danach (LNG)" mit einer durchschnittlich 10mal höheren Dosis als normale Pillen und mit der 50zigfachen einer Gestagen- Minipille (die alle rezeptpflichtig sind) rezeptfrei werden? Beim Wirkstoff UPA geht es um die 7 fache Dosis von Esmya als rezeptpflichtiges Myommedikament? Gibt es dafür medizinische oder nur ideologische Gründe? Müßten dann nicht konsequenterweise alle Kontrazeptionspräparate und Esmya von der Rezeptpflicht befreit werden?
- Gerade bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder gar dem immer wieder zitierten Fällen sexuellen Missbrauches- wäre gerade da nicht umso mehr eine Beratung bzgl. Geschlechtskrankheiten (v.a. aktuell Chlamydien!), Prävention und im letzteren Fall ein Anbieten entsprechender Hilfestellen wichtig? Soll dies dann auch der Apotheker übernehmen?
- inwieweit wäre ein Misbrauch (dass Partner oder Eltern die "Pille danach" verbreichen) oder eine Mehrfacheinnahme mit noch einmal erhöhten Risiken ausgeschlossen?
- inwieweit würden die Interessen des Herstellers (sowohl LNG als auch UPA: HRA Pharma Paris- der Gynäkologen mit Werbung zu seinen Präparaten überschüttet) über Wohl und die Gesundheit der Patientinnen gestellt?
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