NewsMedizinStammzellforscher züchten menschliche Hornhaut
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Stammzellforscher züchten menschliche Hornhaut

Donnerstag, 3. Juli 2014

Dies ist ein regenerierte funktionale Hornhaut nach der Transplantation von menschlichen ABCB5-positiven Limbusstammzellen

Boston/Guangzhou – US-Forscher haben die menschlichen Stammzellen identifiziert, die vom Limbus corneae aus die Hornhaut regenerieren. Die Transplantation dieser hat laut Nature (2014; doi:10.1038/nature13426) erfolgreich Hornhautdefekte bei Mäusen repariert. Chinesischen Forschern ist es laut einer weiteren Studie in Nature (2014; doi: 10.1038/nature13465) gelungen, die Stammzellen aus Hautzellen zu generieren und damit bei Kaninchen Cornea-Defekte zu reparieren. Die Forschungsergebnisse könnten die Behandlung von Hornhautschäden mittelfristig erleichtern.

Der menschliche Körper kann auch schwere Cornea-Schäden reparieren, solange der Limbus, die Übergangsregion zur Konjunktiva, unbeschädigt ist. Im Limbus wurden deshalb schon lange die Stammzellen für die Regeneration der menschlichen Hornhaut vermutet. Es war aber bislang nicht möglich, sie dort von anderen Zellen zu unter­scheiden.

Anzeige

Dies ist jetzt der Gruppe um Markus und Natasha Frank vom Boston Children's Hospital und dem Brigham and Women's Hospital in Boston gelungen. Mit Hilfe von Antikörpern identifizierten die Forscher bei Mäusen und dann beim Menschen Zellen, die auf ihrer Oberfläche das Protein ABCB5 bilden.

ABCB5 war nicht nur ein Marker, mit dem die limbalen Stammzellen identifiziert werden. Das Protein ist auch für die Funktion der Stammzellen erforderlich. Mäuse, denen ein intaktes ABCB5-Gen fehlt, verloren die Fähigkeit, Cornea-Schäden nach einer Verwundung zu reparieren. In einem weiteren Experiment konnten die Forscher mit menschlichen Stammzellen die Hornhaut von Mäusen reparieren, die ansonsten aufgrund eines Stammzellmangels erblindet wären.

Die Forschungsergebnisse könnten die Behandlung von Hornhautschäden beim Menschen erleichtern. Derzeit ist bei schweren Hornhautschäden (mit Zerstörung der limbalen Stammzellen) eine Hornhauttransplantation erforderlich, die jedoch misslingt, wenn nicht genügend Stammzellen im Transplantat enthalten sind.

Mit Hilfe von Antikörpern gegen ABCB5 könnten künftig die Transplantate auf ihre Eignung geprüft werden. Augenärzte könnten künftig bei der Verletzung eines Auges die Stammzellen aus einer Gewebeprobe des gesunden Auges isolieren, im Labor an­züchten und auf das verletzte Auge transplantieren. Dies würde die Transplantation mit einer Spenderhornhaut überflüssig machen.

Bei einer Verletzung beider Augen könnte künftig sogar eine Reparatur der Cornea mit Stammzellen aus der Haut erfolgen. Die Voraussetzungen hierfür hat das Team um Yizhi Liu und Kang Zhang von der Sun Yat-sen University in Guangzhou gelegt. Die chine­sischen Forscher fanden heraus, das ein einzelnes Gen (PAX6) in der Lage ist, Epithelzellen der menschlichen Haut in limbale Stammzellen zu verwandeln. Mit diesen Zellen konnten die Forscher dann erfolgreich die Cornea-Defekte von Kaninchen reparieren, die aufgrund eines genetischen Defekts keine limbalen Stammzellen bilden und deshalb Hornhautschäden nicht selbstständig reparieren können. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. März 2019
Ulm – Im vergangenen Jahr haben 7.055 Bundesbürger Stammzellen für Menschen gespendet, die an Leukämie oder einer anderen Krankheit des blutbildenden Systems erkrankt waren. Darauf hat das Zentrale
7.055 Menschen spendeten Stammzellen
15. März 2019
Frankfurt am Main/Sulzbach – Eine IT-Plattform namens „XplOit“ soll Ärzte künftig dabei unterstützen, den Erfolg und die Risiken für eine Transplantation von Knochenmark- oder Blutstammzellen für
IT soll Erfolgsaussichten einer Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation voraussagen
5. März 2019
London – Der „Berliner Patient“ Timothy Ray Brown galt bisher als weltweiter Einzelfall, der von einer HIV-Infektion geheilt werden konnte. Einer Studie in Nature zufolge könnte es nun einen zweiten
HIV-Patient symptomfrei nach Knochenmarktransplantation
15. Februar 2019
Düsseldorf – Pünktlich zum heutigen internationalen Kinderkrebstag hat die Knochenmarkspenderzentrale Düsseldorf (KMSZ) am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) den Life Lolli vorgestellt. Sein Stiel
Life Lolli soll Stammzellenspender mobilisieren
13. Februar 2019
Heidelberg – Stammzellen, die sich im Gehirn zu Neuronen wandeln, können diesen Vorgang auch umkehren und sich zurück zu Stammzellen wandeln. Dies könnte ein Grund für die Entwicklung von Hirntumoren
Wie sich Stammzellen im Gehirn in Nervenzellen verwandeln
6. Februar 2019
Shimotsuke – Japanische Wissenschaftler wollen menschliche Nieren in Feten einer anderen Spezies züchten. Das Verfahren, das sie als Blastozysten-Komplementierung bezeichnen, ist laut einer
Blastozysten-Komplementierung: Nieren in Tieren herstellen
31. Januar 2019
Dresden – Die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) hat seit der Gründung 1991 mehr als 75.000 Spenden für an Blutkrebs erkrankte Menschen in alle Welt vermittelt. „Für Patienten mit der
VG WortLNS
NEWSLETTER