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Politik

DAK-Gesundheit: Rund 10.000 Schlaganfälle pro Jahr sind vermeidbar

Donnerstag, 3. Juli 2014

Berlin – Durch eine konsequente Behandlung und bessere Prävention könnten in Deutschland bis zu 10.000 Schlaganfälle pro Jahr verhindert werden. Das zeigt der neue Versorgungsreport Schlaganfall der DAK-Gesundheit, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Allein 9.400 Insulte wären demnach durch eine konsequente Behandlung von Vorhofflimmern vermeidbar. Weitere 500 Schlaganfälle könnten laut der Studie durch eine verbesserte Versorgung von Menschen mit einer ersten transitorischen ischämischen Attacke (TIA) verhindern werden.

Ziel des Versorgungsreports sei es aufzuzeigen, wie und in welchem Umfang durch eine Optimierung von Prävention, Behandlung und Rehabilitation bessere Therapieer­gebnisse für die Versicherten erzielt werden könnten, sagte der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, Herbert Rebscher. Allerdings liegt das Verbesserungspotenzial seiner Ansicht nach regelhaft nicht in der mangelnden Qualität der Akteure, sondern in der Koordination von Abläufen und in den nachsorgenden sowie präventiven Ansätzen.

Schlaganfall: Dritthäufigste Todesursache in Deutschland
Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Einer der Hauptrisiko­faktoren ist Vorhofflimmern. Bei rund 60 Prozent der Patienten mit dieser Herzrhythmus­störung kann laut Report die Schlaganfall-Prävention wesentlich verbessert werden. „Die Störung wird nur bei etwa zwei Dritteln der Betroffenen entdeckt. Wenn sie diagnostiziert wird, bekommt nur jeder zweite behandelbare Patient geeignete Arzneimittel“, sagte Hans-Dieter Nolting, Geschäftsführer des IGES Instituts, das die Studie im Auftrag der DAK durchführte. Würde die Entdeckungsrate des Vorhofflimmerns auf 80 Prozent und die Behandlungsrate auf 75 Prozent steigen, ließen sich in jedem Jahr 9.400 erstmalige Schlaganfälle vermeiden.

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Ähnliches gilt für Patienten mit erstmaliger TIA. Pro Jahr werden laut DAK-Report in Deutschland etwa 84.000 Patienten mit dieser Diagnose im Krankenhaus behandelt. Das Risiko, nach einem TIA-Ereignis einen „richtigen“ Schlaganfall zu bekommen, liege bei drei bis vier Prozent pro Jahr, sagte Nolting. „Eine medikamentöse Sekundärprävention ist entscheidend für die Gesundheit der Risikopatienten.“ Allerdings zeigt die Analyse der DAK-Routinedaten, dass die Behandlungsrate mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Kranken­haus­auf­enthalt sinkt. Durch die Steigerung der Behandlungsrate ließen sich auch hier jährlich mindestens 500 Schlaganfälle vermeiden, meinte Nolting.

Lleitliniengerechte Arzneimitteltherapie wichtig
Geeignete Maßnahmen und Empfehlungen für Verbesserungen der Versorgung, wie eine Aufklärung der Patienten oder die Durchführung einer leitliniengerechten Arzneimitteltherapie bei vorhandenen Risikofaktoren, finden sich Nolting zufolge in einschlägigen Leitlinien. So sei beispielsweise gemäß der Schlaganfall-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) eine deutliche Verbesserung der Entdeckungsrate des Vorhofflimmerns möglich, wenn die Hausärzte bei allen Patienten über 65 Jahren regelmäßig den Puls tasten und bei Auffälligkeiten ein EKG durchführen würden.

DAK-Vorstandsvorsitzender Rebscher forderte außerdem größere Handlungsspielräume für Krankenkassen, um Patienten und Ärzte gezielter ansprechen zu können. Die Verarbeitung und Nutzung der Routinedaten für die Unterstützung und Beratung von Patienten im Rahmen des Versorgungsmanagements sollte erlaubt sein, sagte er. Bisher sei das allerdings aufgrund von Datenschutzbestimmungen nicht möglich. Rebscher kündigte jedoch an, die Ergebnisse des Versorgungsreports in die Strategie der DAK bei der integrierten Versorgung einfließen zu lassen.

Der Versorgungsreport Schlaganfall soll laut Rebscher eine neue Reihe von Versor­gungsstudien der Krankenkasse begründet. Welche Krankheiten in den kommenden Ausgaben unter die Lupe genommen werden, ließ er allerdings offen. Als Grundlage für die Analysen dienen Routinedaten der nach eigenen Angaben mit 6,3 Millionen Versicherten drittgrößten gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland. © ank/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 4. Juli 2014, 10:15

Ein großartiger Beitrag!!!

Lieber Herr Kollege.Karlheinz Bayer aus Bad Peterstal. Es hatte mich schon in den Fingern gejuckt, diesen "DAK-Gesundheits"-Unsinn: "Rund 10.000 Schlaganfälle pro Jahr sind vermeidbar" nachzurechen.

Aber wenn in der DAK "echte Krankheits-Experten" sitzen würden, hieße diese GKV-Krankenkasse ja auch "DAK-Krankheit" und nicht DAK-Gesundheit. Denn auch die wissenschaftlichen Berater der DAK gehen fehl:

Schlaganfälle primärpräventiv zu verhindern, hieße in erster Linie mit dem Rauchen, Saufen, Fressen und mit der "all-you-can eat"- bzw. "flatrate"-Mentalität aufzuhören. Sport und Bewegung im Alltag, Vermeidung von Fehl- und Mangelernährung und der Kampf gegen das metabolische Syndrom gehören noch dazu. Das konsekutive Vorhofflimmern ist eher ein "Luxusproblem".

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #110206
kairoprax
am Donnerstag, 3. Juli 2014, 21:30

sind 10.000 Schlaganfälle konkret oder rein rechnerisch vermeidbar?

Herbert Rebscher dürfte in der Lage sein, mit Statistiken umzugehen, warum dann eine Aussage mit "... wären vermeidbar"?
Ich erlaube mir, den Zahklen etwas auf den Grund zu gehen.

Zunächst einmal gehört zu jeder Statistik eine Basis und eine differenzierte Relation.

Im konkreten Fall, es sind etwa 250 Tausend neue Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland zu beklagen. Bei einer Bevölkerung von 82 Millionen sind das in absoluten Prozenten 0,3170731 % oder etwa 3 Fälle auf tausend Einwohner.

Würde man jetzt die hier zur Diskussion gestellten 9400 angeblich vermeidbaren Fälle so behandeln, wie das - wieder angeblich - richtig wäre, dann würde sich die Zahl der Apoplexe um 3,76 r e l a t i v e Prozente (9400 sind 3,76 % von 250 Tausend) von 0,3170731 % auf 0,3051511 Prozent verringern.

Das alles unter der Prämisse, daß eine Vermeidbarkeit in dieser Höhe tatsächlich gegeben sei.
Aber daran darf man zweifeln.
Weniger als 20 % der neu auftretenden Apoplexpatienten sind jünger als 60 Jahre. Und eigentlich kann man nur bei denen die voll mögliche Therapie einsetzen.
Bei den über 60-jährigen, die vier Fünftel der Schlaganfälle darstellen, gibt es Einschnitte bezüglich des Einsatzes von fast allen Medikamenten, explicit was die Gerinnungshemmer angeht.

Man müßte also von den 9400 vermeidbaren Fällen etwa die 7520 zu alten Patienten als riskantes therapeutisches Klientel abziehen.
Oder man müßte die Todesfälle durch den riskanten Einsatz derselben Medikamente gegenrechnen.
Oder anders, würden wir auf Deubel komm raus therapieren, würde uns Herr Rebscher mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einen, nenen wir ihn mal, "Vermeidbare-Todesfälle-als-Nebenwirkung-riskanter-Medikamente-Report" vorlegen, nach dem 7520 Todesfälle vermeidbar wären, hätte man nicht entgegen den Leitlinien zu alten Patienten zu gefährliche Medikamente gegeben.

Wie sehen die Zahlen aus?
Welche Patienten aus den 250.000 hätte Herr Rebscher gerene anders behandelt?
Und wie besser, nach seiner Überzeugung?

Man sollte Zahlenspiele dieser Art unter verantwortungsvollen Partnern lassen.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal


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