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Ärztemonitor : Niedergelassene schätzen ihren Beruf, aber nicht alle Rahmenbedingungen

Freitag, 4. Juli 2014

dpa

Berlin – Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten arbeiten durchweg gern. Doch vielen fehlt ausreichend Zeit für ihre Patienten, und etwa die Hälfte ist nicht zufrieden mit ihrem Einkommen. Das sind Ergebnisse des „Ärztemonitor 2014“, einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts infas. Infas hat im Auftrag der Kassenärztlichen Bundes­vereinigung (KBV) und des NAV-Virchow-Bunds im Frühjahr mehr als 10.000 Nieder­gelassene telefonisch zu ihrer Arbeitszufriedenheit und ihren beruflichen Perspektiven befragt. Damit sei der Ärztemonitor die umfangreichste Repräsentativ­befragung von niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten, so die Auftraggeber.

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„Meine Arbeit macht mir Spaß“ ­– dieser Aussage stimmten 93 Prozent der Hausärzte, 95 Prozent der Fachärzte und 99 Prozent der Psychotherapeuten „voll und ganz“ beziehungs­weise „eher“ zu. Noch mehr bejahten, dass ihre Arbeit „nützlich und sinnvoll“ sei. „Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen identifizieren sich in hohem Maße mit ihrer Arbeit“, erklärte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV. Deutlich mache das noch eine andere Angabe: Mehr als acht von zehn Ärzten und Psychothera­peuten würden ihren Beruf erneut ergreifen.

Unzufrieden mit finanzieller Situation und Planungssicherheit
Doch nicht alle Einschätzungen zur beruflichen Tätigkeit fielen derart positiv aus. „Obwohl niedergelassene Ärzte das Rückgrat der ambulanten Versorgung sind, fühlen sie sich im Stich gelassen. Bei einer persönlichen Arbeitsbelastung von durchschnittlich 54 Arbeitsstunden bei täglich 45 behandelten Patienten fehlt 60 Prozent der Ärzte ausreichend Zeit für den Patienten“, so Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bunds. Bei den Psychotherapeuten bemängelten nur 34 Prozent die fehlende Zeit.

„39 Prozent der Praxisärzte sind unzufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation, 46 Prozent beklagen eine fehlende finanzielle Planungssicherheit“, ergänzte Heinrich. Die Zufriedenheit mit dem monatlichen Einkommen ist bei den Ärzten hingegen im Vergleich zu den Angaben im „Ärztemonitor 2012“ leicht gestiegen: 61 Prozent der Hausärzte sind nun mit ihrem Einkommen zufrieden, ebenso 59 Prozent der Fachärzte. Bei den Psychotherapeuten sind es hingegen nur 43 Prozent – gegenüber 61 Prozent im Jahr 2012.

Die Wochenarbeitszeit wird bereits reduziert
Insgesamt führt die Stimmung unter den Niedergelassenen dazu, dass sich etwa zwei Drittel der Befragten wünschen, ihre wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren. Im Durchschnitt ist sie bei den Haus- wie Fachärzten in den letzten zwei Jahren bereits um zwei Stunden gesunken. Nach Berechnungen des NAV sind dies rund 13 Millionen Arbeitsstunden im Jahr. Arbeitszeit zu reduzieren „entspricht einerseits gesellschaftlichen Tendenzen, ist aber andererseits auch das Ergebnis der politischen Rahmenbedin­gungen für die Niedergelassenen“, erklärte Heinrich: „Die ,Generation Selbstausbeutungʻ gehört in Kürze der Vergangenheit an.“
 

Geplante Praxisabgabe

Zu berücksichtigen ist, dass das Durchschnittsalter der Befragten bei 53,3 Jahren lag. Rund ein Viertel der Haus- und Fachärzte plant, die eigene Praxis in den nächsten fünf Jahren abzugeben. Drei Viertel derjenigen, die bereits aktiv einen Nachfolger suchen, erleben aber, wie schwierig das ist. KBV-Chef Gassen warnte, dies gefährde die Funktion der Praxis als Altersvorsorge: „Das ist ein Skandal. Es darf nicht sein, dass eine freie Berufsgruppe, die erst in eine sehr lange Ausbildung, dann in Aufbau und Unterhalt einer Praxis investiert, die Arbeitsplätze sichert und die eine extrem wichtige Rolle in der Gesellschaft spielt, am Ende ihres Arbeitslebens nicht abgesichert ist.“

Mehr Delegation ist erwünscht – am liebsten von Verwaltungsaufgaben
Infas hat auch danach gefragt, welches Entlastungspotenzial Ärztinnen und Ärzte in der Delegation von Aufgaben sehen. Rund 40 Prozent gaben an, bereits das Medikations- und Wundmanagement zu delegieren, 18 Prozent bejahten dies für Hausbesuche. Nur 20 Prozent konnten aber berichten, dass für delegationsfähige Aufgaben ausreichend qualifizierte Mitarbeiterinnen in der Praxis beschäftigt sind. „Die Antworten zeigen, dass die Ärzte sich insbesondere eine Entlastung von Verwaltungsaufgaben wünschen“, ergänzte Gassen. Auch gebe es offenbar noch große Unsicherheit darüber, welche Aufgaben in welchem Umfang delegierbar sind. „Hier bedarf es noch eindeutigerer Regelungen, um Sicherheit für alle Beteiligten zu schaffen“, befand der KBV-Vorstandsvorsitzende.

Aufschlussreich ist auch, dass die Einzelpraxis der aktuellen Ärztemonitor-Befragung zufolge noch kein Auslaufmodell ist. „Nur 15 Prozent der befragten Ärzte sind als Angestellte tätig. Von den restlichen 85 Prozent, die in eigener Praxis niedergelassen sind, haben nur ganze drei Prozent konkrete Pläne, in den nächsten fünf Jahren in eine Anstellung zu wechseln“, erläuterte Gassen. Unter jüngeren Ärztinnen und Ärzten fallen die Ergebnisse anders aus: Rund ein Drittel der befragten ambulant Tätigen unter 45 Jahren arbeitet derzeit angestellt, ermittelte infas.

Die Einzelpraxis hat viel von dem, was die Generation Y sich wünscht
Gassen verwies ebenfalls darauf, dass sich die Verhältnisse in den nächsten Jahren ändern könnten. Man brauche allerdings die Einzelpraxis gerade in strukturschwachen Gegenden, „wo man nicht in jedem Sprengel ein Medizinisches Versorgungszentrum mit Ärzten füllen kann, um eine Versorgung aufrecht zu erhalten.“ Heinrich verwies auf einen weiteren Aspekt: „Eigentlich erfüllt die Niederlassung viel von dem, was man der Generation Y als Bedarf nachsagt.“ So könne man die Arbeitszeit in der eigenen Praxis beispielsweise viel flexibler gestalten als in einem Angestelltenverhältnis. Dies müsse man dem Nachwuchs noch stärker verdeutlichen.
 

Die für den Ärztemonitor befragten Ärzte haben als Vorteil der Niederlassung den persönlichen Spielraum genannt. Mehr als die Hälfte gab an, ein familienfreundliches Arbeiten sei so möglich. Fast drei Viertel sagten, die Arbeitszeiten könnten flexibel gestaltet werden. Rund 90 Prozent meinten, sie könnten ihr Arbeitsumfeld an die eigene Persönlichkeit anpassen beziehungsweise selbstständig arbeiten. Dass man in der eigenen Praxis vereinsamt, konnten die meisten auch nicht bestätigen: Fast zwei Drittel stimmten der Aussage zu, dass Möglichkeiten zum fachlichen Austausch über die eigene Praxis hinaus bestünden. © Rie/aerzteblatt.de

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