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Drogenbericht: Zunehmende Verbreitung von Crystal Meth – problematisches Rauschtrinken

Montag, 7. Juli 2014

Zunehmende Verbreitung von Crystal Meth dpa

Berlin –  Cannabis ist nach wie vor die am weitesten verbreitete illegale Droge in Deutsch­land. Das geht aus dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht hervor, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), am Montag in Berlin vorstellte. Fast jeder Vierte im Alter zwischen 18 und 64 Jahren hat Umfragen zufolge Erfahrung mit dieser Substanz. Nach einer Erhebung der Bundeszentrale für gesund­heitliche Aufklärung (BZgA) steigt bei den 18- bis 25-Jährigen sogar der Anteil derjenigen, die in den vergangenen zwölf Monaten Cannabis nahmen. 2012 lag dieser Anteil bei 15,8 Prozent, wobei der Anstieg bei den jungen Männern am größten war.

Rauschtrinken weiterhin problematisch
Für weiterhin problematisch hält Mortler auch das Rauschtrinken unter jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren. Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) berichteten 31 Prozent der Männer und knapp elf Prozent der Frauen von mindestens einem Rauschkonsum pro Monat, das heißt, sie haben sechs oder mehr alkoholische Getränke zu einer Gelegenheit konsumiert.

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Aktuelle Erhebungen aus dem Jahr 2012 lassen darauf schließen, dass lediglich 3,6 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren noch nie Alkohol probiert haben. In einer vom Institut für Therapieforschung München erhobenen Umfrage gaben 71,5 Prozent an, in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben. Rund jeder fünfte trank in dieser Zeit ein- bis dreimal fünf oder mehr alkoholische Getränke pro Tag.

Rund 14 Prozent gaben an, sich viermal oder öfter einen Rausch angetrunken zu haben. Rauschtrinken findet zudem unabhängig vom Bildungsstand und der sozialen Schicht statt. Die Drogenbeauftragte beklagte weiter eine Verdreifachung der Krankenhaus­einweisungen von 10 bis 15-jährigen aufgrund von übermäßigen Alkoholkonsum seit dem Jahr 2000.

Zu riskantem Suchtverhalten zählt laut Mortler auch der Konsum sogenannter neuer psychoaktiver Substanzen (NPS), deren Inhaltsstoffe oft unbekannt seien und deren gesundheitliche Gefahren von den Konsumenten deutlich unterschätzt würden. Diese als Spice oder Badesalz angebotenen Drogen riefen unter anderem Panikattacken und aggressives Verhalten hervor. Problematisch sei hierbei, dass wenn eine NPS gerade dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt sei und damit verboten, eine andere neu auf den Markt gebracht werde.

Konzepte zur Prävention des Crystal-Meth-Konsums dringend notwendig
Bei den synthetischen Substanzen stelle die zunehmende Verbreitung von Metham­phetamin, besser bekannt als Crystal Meth, ein Problem dar, betonte Mortler. Zwar sei Crystal noch nicht bundesweit verbreitet. Es gebe aber Hinweise, dass sich die Droge aus dem deutsch-tschechischen Grenzgebiet auch in grenzfernere Bundesländer und vor allem in deutsche Großstädte ausbreitet.

Zahlen zur Prävalenz konnte die Drogenbeauftragte nicht nennen. Sie will die Zusammenarbeit mit Tschechien intensivieren und in den betroffenen Regionen Hilfsangebote verstärken. Darüber hinaus ist ihr wichtig, neue Konzepte in der Prävention des Crystal-Meth-Konsums zu entwickeln. „Hier gibt es aber keine schnellen Lösungen“, sagte Mortler. Denn es gebe keinen Einheitskonsumenten: Schüler, Studenten und Berufstätige nähmen die Droge zur Leistungssteigerung; junge Mütter, um mit ihrem Leben zurecht zu kommen. In der Club-Szene ebenso wie in der Schwulen-Szene gebe es Crystal-Konsumenten.

Tabak- und Alkoholkonsum bei KIndern und Jugendlichen nimmt ab
Positiv wertete Mortler den rückläufigen Tabak- und Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen. Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen hat sich der Anteil der Raucher zwischen 2001 und 2012 auf zwölf Prozent mehr als halbiert. Der regelmäßige Alkoholkonsum sank zugleich auf 13,6 Prozent. Nachdem der Cannabiskonsum in dieser Altersgruppe jahrelang rückläufig war, stieg er indes im vergangenen Jahr wieder leicht auf 5,6 Prozent an.

„Konsumenten und Abhängige müssen entkriminalisiert werden"
Von der Opposition kommt deutliche Kritik an der Drogenpolitik der Bundesregierung. „Der Drogen- und Suchtbericht beschreibt zahlreiche drogenpolitische Baustellen, die dringenden Reformen aber werden nicht angepackt“, erklärt Harald Terpe, Sprecher für Drogenpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen. Die Zahl der Alkohol­abhängigen sei so hoch wie noch nie, die Zahl der Drogentoten steige, die Erstkonsu­menten von legalen und illegalen Drogen würden jünger und die Zahl der Crystal­konsumenten sei auf neuem Rekordhoch.  

Dringend erforderlich ist nach Terpes Ansicht  eine Neuausrichtung in der Drogenpolitik. „Konsumenten und Abhängige müssen entkriminalisiert werden.“ Eine Gesetzes­änderung sei dafür notwendig. Als erster Schritt sollte beispielsweise bei Crystal-Abhängigen, die freiwillig eine Therapie beginnen, auf eine Strafverfolgung verzichtet werden. Denn die Angst vor der Strafverfolgung und den mehrjährigen Haftstrafen verhindere, dass Abhängige frühzeitig zur Drogenberatung gehen. In Portugal werde dieses Vorgehen seit mehr als zehn Jahren erfolgreich praktiziert.

Auch der drogenpolitische Sprecher der Fraktion der Linken, Frank Tempel, kritisiert: „Dem Bericht fehlt jede Reflektion über gescheiterte Strategien und neue Wege. Sowohl bei steigenden wie auch bei sinkenden Konsumzahlen werden die alten Konzepte als Erfolg verkauft.“ Die Linke fordert stattdessen eine grundlegende Abkehr vom Drogenstrafrecht, während  sie sich bei den legalen Drogen wie Tabak und Alkohol für einen besseren Verbraucherschutz und Werbeverbote einsetzt.“ © pb/afp/aerzteblatt.de

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