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Medizin

Schweiz: Campylobacter-Infek­tionen durch Fondue Chinoise

Montag, 7. Juli 2014

Basel – Das in der Schweiz beliebte Fondue Chinoise, bei dem rohes Hühnerfleisch am Tisch serviert und in einer heißen Brühe gegart wird, gehört im Winter zu den Hauptrisikofaktoren einer Campylobacter-Infektion, wie aus einer Studie im European Journal of Epidemiology (2014; doi: 10.1007/s10654-014-9917-0) hervorgeht.

Campylobacter-Infektionen sind in den letzten Jahren häufiger geworden. Epidemiologen schätzten, dass die Bakterien für ein Viertel aller „Lebensmittelvergiftungen“ verantwort­lich sind, die mit Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber, Übelkeit und Erbrechen einher­gehen. Geflügelfleisch ist besonders häufig kontaminiert, was dazu geführt hat, dass in den USA Hühner nur noch gefroren oder nach Behandlung mit Peroxyessigsäure in den Handel gelangen.

Die meisten Erkrankungen treten in den wärmeren Monaten auf, in der Schweiz kommt es jedoch in der Zeit nach Weihnachten und Neujahr zu einem Anstieg, dem ein Team um Daniel Mäusezahl vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) jetzt in einer Fall-Kontroll-Studie auf den Grund gegangen ist.

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Die Forscher befragten 159 Betroffene, die zwischen Dezember 2012 und Februar 2013 an einer Campylobacter-Infektion erkrankt waren, sowie 280 gesunde Kontrollen, was sie über die Feiertage verzehrt hatten. Dabei fiel sofort eine Assoziation mit dem Verzehr von Fleisch und hier insbesondere Hühnerfleisch auf. Die nähere Analyse ergab das höchste Risiko mit dem Verzehr des Fondue Chinoise mit Poulet, einem Fleischfondue mit Hühnerfleisch.

Die Odds Ratio (OR) war mit 4,0 (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,3-7,1) sogar noch höher als bei Reisen ins Ausland (OR 2,7; 1,1-6,4), die ein bekannter Risikofaktor für Lebensmittelvergiftungen sind. Das Fondue Chinoise ist vor allem bei Einheimischen beliebt, was das dreifach erhöhte Risiko (OR 3,1; 1,4-6,7) erklären könnte. Mäusezahl vermutet, dass etwa die Hälfte der Krankheitsfälle während der Festtage auf Campylo­bacter-Infektionen zurückzuführen sind.

In der Schweiz wird Fondue sowohl an den Weihnachtstagen als auch zu Neujahr verzehrt. Die detaillierte Darstellung von Mäusezahl zeigt zwei Gipfel, der erste in den Tagen nach Weihnachten und der zweite in der ersten Januarwoche. In Deutschland ist Fondue typischerweise ein Gericht für den Silvesterabend. Eine aktuelle Studie zeigt, dass es in Deutschland zu einem kleinen Gipfel im Januar, nicht aber im Dezember kommt (BMC Infectious Diseases 2014, 14:30). Mäusezahl könnte sich vorstellen, dass es ebenfalls mit dem Verzehr von Fleischfondue in Verbindung steht.

Campylobacter-Infektionen sind keineswegs harmlos. Auf einer Skala von 1 „harmlos“ bis 10 „sehr schwer“ hat die Hälfte der Patienten die subjektiv erlebten Beschwerden mit 8 oder mehr Punkten bewertet. Rund 15 Prozent der Betroffenen wurden im Durchschnitt über drei Tage im Krankenhaus behandelt.

Um sich vor Infektionen zu schützen, müssen die Verbraucher nicht notwendigerweise auf Fondue Chinoise verzichten. Eine gute Vorsichtsmaßnahme sind unterteilte oder getrennte Teller für rohes und gekochtes Fleisch. Ebenso sank das Risiko einer Infektion bei Konsum von zuvor gefrorenem Fleisch. Campylobacter-Infektionen beim Konsumenten wären durch geeignete Verhaltensmaßnahmen zu einem großen Teil vermeidbar, meint Mäusezahl. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 8. Juli 2014, 19:59

lieber "Keimschleuder-Geflügel"?

Was ist denn jetzt eigentlich skandalös? Der Vertrieb von Hühnerprodukten, die massenhaft mit antibioticaresistenten Erregern belastet sind, von Klebsiellen über ESBL, Clostridien bis Campylobacter und Salmonellen, oder ein Tauchbad in einer desinfizierenden Lösung, ob nun Natriumhypochlorit (auch in unserem Trinkwasser) oder Peroxyessigsäure? Desinfizieren Sie denn gern Ihre halbe Küche, wenn Sie Hühnerfleisch verarbeitet habe?
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 8. Juli 2014, 15:41

Campylobacter-freie "Chlorhühnchen"?

Man stelle sich nur vor, das derzeit in Geheimverhandlungen steckende transatlantisches Handels- und Investitionsabkommen (TTIP) würde auch von der Schweiz ratifiziert. Dann könnten US-Verbraucher die europäischen Hühnerproduzenten auf milliardenschweren Schadenersatz verklagen, weil sie die "Chlorhühnchen"-Prozedur mit Peroxyessigsäure nicht eingehalten haben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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