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Medizin

Chlamydien: Infektionen bei jungen Frauen am häufigsten

Dienstag, 8. Juli 2014

Stockholm – Die Zahl der sexuell übertragbaren Erkrankungen nimmt in Europa weiter zu. Der Jahresbericht des Euro­pean Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) für das Jahr 2012 zeigt, dass sich die bekannten Trends fortsetzen: Chlamydien, Gonorrhö und Syphilis breiten sich weiter aus.

Die mit Abstand häufigste sexuell übertragbare Erkrankung (STD) sind Chlamydien-Infektionen. Im Jahr 2012 wurden in den 26 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), in denen die Erkrankungen mehr oder weniger systematisch erfasst werden, 385.307 Fälle gemeldet. Die ECDC gibt die Inzidenz mit 171 auf 100.000 Personen an. Die wirklichen Zahlen dürften beträchtlich höher sein, da die Erkrankung bei Männern meistens asymptomatisch verläuft und bei Frauen die Zuordnung der Symptome schwer fällt.

Ein Screening, wie es seit langem gefordert wird, gibt es nur in vier Ländern. Dies erklärt, warum 84 Prozent aller gemeldeten Erkrankungen auf Dänemark, Norwegen, Schweden und Großbritannien entfallen. Das Screening muss junge Frauen erfassen, da die Infektion häufig frühzeitig erfolgt und die langfristigen Komplikationen nur bei einer rechtzeitigen Therapie verhindert werden können.

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Auch die Gonorrhö hat weiter zugenommen. Im Jahr 2012 wurden 47.387 Fälle aus 29 EWR-Ländern gemeldet, ein Anstieg um 62 Prozent seit 2008. Fast die Hälfte der Erkrankungen, nämlich 41 Prozent, entfällt auf Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben und bei denen die Erkrankung infolge einer schmerzhaften akuten Urethritis sofort bemerkt wird, während sie bei Frauen auch asymptomatisch verlaufen kann.

Aus diesem Grund wird die Erkrankung in Europa bei Männern dreimal häufiger diagnostiziert als bei Frauen. Die ECDC gibt die Inzidenz bei Männern mit 25,7 pro 100.000 und bei Frauen mit 9,2 pro 100.000 an. Wie bei Chlamydien treten die Infektionen überwiegend bei jungen Personen auf: 41 Prozent waren zwischen 15 und 24 Jahre alt.

Zur Syphilis liegen die genauesten Zahlen vor: 30 der 31 Mitgliedsländer (Ausnahme: Liechtenstein) haben 2012 insgesamt 20.802 Erkrankungen erfasst. Anders als bei Chlamydien und Gonorrhö ist die Mehrzahl der Patienten (85 Prozent) älter als 25 Jahre. Während die Syphilis in Osteuropa (scheinbar?) seltener geworden ist, haben die Zahlen in den meisten westeuropäischen Ländern in den letzten Jahren zugenommen: Einen Anstieg um mehr als 50 Prozent seit 2008 verzeichneten Dänemark, Griechenland, Malta, Norwegen, Portugal und Slowakei. Betroffen sind vor allem MSM.

Auch die kongenitale Syphilis tritt immer wieder auf. Die ECDC verzeichnete 2012 insgesamt 91 Erkrankungen aus 23 Ländern, obwohl ein Screening von Schwangeren diese Infektionen eigentlich verhindern sollte. Die ECDC hat zu dieser Frage ein Forschungsprojekt begonnen.

Auch das Lymphogranuloma venereum – früher nach Syphilis, Gonorrhö und Ulcus molle als vierte Geschlechtskrankheit bezeichnet - ist häufiger geworden. Dem ECDC wurden 830 Fälle bekannt, ein Anstieg um 17 Prozent gegenüber 2011. Auch hier dürfte die tatsächliche Zahl der Erkrankungen nach Einschätzung der ECDC höher sein. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #625311
L.A.
am Mittwoch, 9. Juli 2014, 09:42

Die Häufigkeit der Chlamydien-Infektionen ist ein Marker...

...für die Zahl der Intimpartner bzw. das Maß an Promiskuität in einer Population. Der "freie Sex" hat Risiken und Nebenwirkungen, er hat seine Kehrseite. Doch es findet keine offene Debatte dazu statt.
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