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Medizin

Vareniclin plus Nikotinpflaster erleichtert Tabakabstinenz

Mittwoch, 9. Juli 2014

dpa

Kapstadt – Die Anwendung eines Nikotinpflasters hat in einer randomisierten Studie die Wirkung des Raucherentwöhnungsmittels Vareniclin verstärkt. Laut der Publikation im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; 312: 155-161) waren drei Monate nach dem Ende der Therapie noch etwa die Hälfte der Teilnehmer abstinent.

Aus pharmakologischer Sicht erscheint die Kombination von Vareniclin mit einer Nikotinersatztherapie nicht sinnvoll. Beide Subtanzen binden am Subtyp alpha4beta2 des Nikotinrezeptors, der an der suchterzeugenden Wirkung von Nikotin beteiligt sein soll. Der Theorie nach blockiert Vareniclin durch seine stärkere Bindung am Rezeptor die Wirkung von Nikotin – was das Rauchen uninteressant, aber auch eine zusätzliche Nikotinersatztherapie nutzlos machen sollte.

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Vareniclin könnte jedoch nicht alle alpha4beta2-Rezeptoren blockieren, und die Wirkung von Nikotin bleibe nicht auf diesen Subtyp beschränkt, schreibt Coenraad Koegelenberg von der Stellenbosch Universität in Kapstadt, wo zusammen mit anderen Zentren in Südafrika die bisher größte Studie zur Kombinationstherapie durchgeführt wurde.

Alle 435 Teilnehmer begannen zwei Wochen vor dem verabredeten Beginn der Abstinenz täglich für 16 Stunden ein Pflaster zu tragen, das allerdings nur bei jedem zweiten Patienten 15 mg Nikotin über die Haut abgab. Die anderen Pflaster waren wirkstofffrei. Eine Woche später begannen alle Teilnehmer mit der Einnahme von Vareniclin, dessen Dosis von einmal täglich 0,5 mg langsam bis auf 1 mg zweimal täglich gesteigert wurde.

Nach 12 Wochen wurde Vareniclin ausschleichend abgesetzt und keine weiteren Pflaster mehr geklebt. Zu diesem Zeitpunkt waren 55,4 Prozent der Teilnehmer der Kombinations­therapie abstinent, wie die Kohlenmonoxidmessungen der Ausatemluft ergaben. Unter der alleinigen Therapie mit Vareniclin hatten nur 40,9 Prozent dieses Ziel erreicht.

Die Differenz von 14,5 Prozentpunkten ergibt eine Number Needed to Treat (NNT) von 7 Probanden, die Nikotinpflaster kleben mussten, damit einer zusätzlich das Abstinenzziel erreichte. Nach 24 Wochen waren 49,0 Prozent in der Kombination und 32,6 Prozent unter der alleinigen Vareniclin-Therapie abstinent (NNT 7). Die Punktprävalenz, die teilweise auf den Angaben der Teilnehmer beruhte, betrug sogar 65,1 Prozent gegenüber 46,7 Prozent (NNT 6).

Diese Ergebnisse beziehen sich allerdings nur auf Teilnehmer, die sich an die Therapie gehalten haben (Per-Protocol-Analyse). Da mehr als ein Drittel die Behandlung nicht zu Ende führten, fallen die Ergebnisse in der Intention-to-treat-Analyse, die Abbrecher als Therapieversager wertet, ungünstiger aus: Nach 12 Wochen waren 44,6 Prozent unter der Kombination gegenüber 31,3 Prozent unter der Vareniclinmonotherapie im Atemtest abstinent.

Der Unterschied war jedoch signifikant, so dass auch nach diesem Kriterium ein Zusatznutzen durch die Nikotinersatztherapie erkennbar ist. Fairerweise muss hinzugefügt werden, dass die kurze Nachbeobachtungszeit von einem halben Jahr den Nutzen der Therapie möglicherweise zu hoch einstuft. Ob die Raucher auf Dauer abstinent bleiben, entscheidet sich häufig erst nach einem oder zwei Jahren.

Sicherheitsrisiken ergeben sich aus der Kombination mit dem Nikotinpflaster offenbar nicht. Zu den Nebenwirkungen von Vareniclin gehören Übelkeit, Schlaflosigkeit und Albträume sowie Kopfschmerzen, die in beiden Gruppen gleich häufig auftraten. Die Pflaster belasteten die Patienten lediglich durch häufigere Hautreaktionen. © rme/aerzteblatt.de

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