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Medizin

HIV: Efavirenz in Studien mit erhöhter Suizidalität

Mittwoch, 9. Juli 2014

Boston – Die Einnahme von Efavirenz, einem häufigen Bestandteil der antiretroviralen Kombinationstherapie, war in einer retrospektiven Analyse in den Annals of Internal Medicine (2014; doi: 10.7326/M14-0293) mit einer deutlichen Erhöhung der Suizidalität assoziiert. Im Journal of Antimicrobial Chemotherapy (2014; 69: 1742-1747) stellen Editorialisten die Frage, ob der vor 15 Jahren eingeführte Wirkstoff, der demnächst seinen Lizenzschutz verliert, noch zeitgemäß für die Erst-Linientherapie der HIV-Infektion ist.

Es ist bekannt, dass Efavirenz, das 1999 als Monopräparat eingeführt wurde und seit 2007 in der Kombination mit Emtricitabin und Tenofovir die Pillenlast der HIV-Patienten auf eine einzige tägliche Tablette reduziert, psychiatrische Nebenwirkungen haben kann. Vor allem Patienten mit psychiatrischen Störungen in der Anamnese neigen zu Depressionen, Wahnvorstellungen und Psychose-ähnlichen Störungen. Die Fach­informationen erwähnen auch die Möglichkeit von Suizidgedanken, die jetzt Gegenstand einer Untersuchung von Katie Mollan von der Harvard School of Public Health in Boston und Mitarbeitern war.

Die Forscher werteten die Daten von 4 Studien mit 5.332 Patienten aus, von denen 32 Prozent psychiatrische Erkrankungen oder einen Drogenkonsum angegeben hatten: 3.241 waren auf eine Therapie mit einer Efavirenz-Kombination randomisiert worden, die übrigen 2.091 Teilnehmer hatten über die 96-wöchige Studienphase eine Efavirenz-freie Kombination erhalten. Unter der Efavirenz-Kombination war es bei 47 Patienten zu Suizidgedanken gekommen gegenüber 15 in der Kontrollgruppe, was nach den Berechnungen von Mollan eine Hazard Ratio von 2,28 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,27-4,10) ergibt. In 17 gegenüber 5 Fällen kam es zu suizidalen Handlungen (Hazard Ratio 2,58; 0,94-7,06). Acht gegenüber einem Patienten nahmen sich das Leben.

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Die Inzidenz der Suizidalität war mit 8,8 Ereignissen auf 1.000 Personenjahre zwar gering, da die Therapie jedoch lebenslang durchgeführt werden muss und es keine Hinweise auf eine Abschwächung der Nebenwirkungen gibt, hält es Mollan für ratsam, bei allen Patienten auf Hinweise einer erhöhten Suizidalität zu achten. Patienten mit bekannten Depressionen sollten nach Ansicht der Expertin vorsichtshalber auf andere Wirkstoffe ausweichen.

Die Suizidalität ist nicht die einzige Schwäche von Efavirenz. Francois Raffi von der Universität Nantes in Frankreich und Mitarbeiter weisen in ihrem Editorial auch auf die im Vergleich zu neueren antiretroviralen Wirkstoffen relativ schwache Wirkung hin. Efavirenz sei zudem teratogen und deshalb bei Frauen im gebärfähigen Alter nur bedingt einsetz­bar.

Auch die starke Verbreitung von Resistenzen spricht für Raffi dagegen, Efavirenz weiterhin als bevorzugtes Mittel zur Erstlinientherapie der HIV-Infektion einzusetzen, wie dies die amerikanischen und europäischen Leitlinien und auch die Weltgesund­heitsorganisation derzeit empfehlen.

Raffi räumt allerdings ein, dass es nicht für alle Patienten effektive und erschwingliche Alternativen gibt. Dieser Aspekt dürfte vor allem für Patienten in ärmeren Ländern wichtig sein, zumal der Patentschutz von Efavirenz demnächst ausläuft und Generikahersteller Efavirenz zu günstigeren Preisen anbieten dürften. © rme/aerzteblatt.de

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