Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bundesregierung bekräftigt Pläne für Warte­zeiten-Management in Praxen

Mittwoch, 9. Juli 2014

Berlin – Die Bundesregierung hält an ihrem Vorhaben fest, die Kassenärztlichen Verei­nigungen dazu zu verpflichten, Terminservicestellen einzurichten. „Deren Aufgabe wird es sein, dafür zu sorgen, dass Versicherte im Regelfall nicht länger als vier Wochen auf einen Behandlungstermin bei einem Facharzt warten müssen“, bekräftigte Annette Widmann-Mauz (CDU) in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ im Bundestag. Die Regelung wolle man „mit einem der anstehenden Gesetzge­bungsvorhaben einführen“.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) geht in ihrer Antwort darauf ein, wie unterschiedliche Wartezeiten von gesetzlich und privat Krankenversicherten einzustufen und zu begründen seien. Die Fragesteller hatten auf Äußerungen von Frank Ulrich Montgomery beim diesjährigen Deutschen Ärztetag zum Thema Wartezeiten verwiesen. Sie zitieren den Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer mit dem Hinweis: „Dabei wissen wir alle, dass es das bessere Vergütungsmodell, also das bessere Leistungsversprechen der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung ist, das hier zu schnelleren Terminen führt.“

Widmann-Mauz verweist darauf, dass dem BMG keine validen Daten zur Zahl der Arztbesuche von gesetzlich, aber ebenso wenig von privat Krankenversicherten in Praxen vorliegen. Die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) je Vertragsarzt  beziehungsweise -psychotherapeut bezifferte sie auf rund 275.000 Euro (2013), die durchschnittlichen Ausgaben für die vertragsärztliche Versorgung je Versicherten auf 514 Euro.

Für die private Kran­ken­ver­siche­rung betrugen die durchschnittlichen Ausgaben der Unternehmen für die ambulante ärztliche Behandlung rund 44.400 Euro (2012) je niedergelassenem Arzt. Bezogen allein auf Vollversicherte ergebe sich rein rechnerisch eine Versicherungsleistung von je 610 Euro.

Ein pauschales Urteil, welche Versicherten mehr Leistungen erhielten, sei nicht möglich, so die Staatssekretärin. Denn bei den Krankenkassen gebe es Unterschiede in den Satzungs- und Ermessensleistungen, und privat Krankenversicherte könnten den Inhalt ihres Vertrags individuell vereinbaren. Welches System effizienter arbeite, lasse sich wegen fehlender Datengrundlagen ebenfalls nicht sagen.

„Zur Frage unterschiedlicher Wartezeiten für gesetzlich und privat Versicherte liegen verschiedene Untersuchungen vor“, betonte Widmann-Mauz. „Unbestritten ist, dass eine angemessene zeitnahe Behandlungsmöglichkeit Ausdruck eines funktionierenden medizinischen Versorgungssystems ist und daher in Deutschland für alle Versicherten gewährleistet sein muss.“

Die Antwort enthält auch den Hinweis, dass Wartezeiten für Versicherte kein Einzelfall seien. Aber „auf der anderen Seite scheint in dringenden medizinischen Fällen in der Regel eine Behandlung innerhalb angemessener Fristen zu erfolgen“. Insgesamt sei „die Zugänglichkeit medizinischer Leistungen grundsätzlich auf hohem Niveau“ gewährleistet.

Montgomery hatte in der vergangenen Woche seine Kritik an der geplanten Termin­garantie erneuert: „Das Problem ist der populistische Charakter dieser Idee“, monierte der BÄK-Präsident. Dabei appellierte er zugleich an die Ärzteschaft, das Thema proaktiv anzugehen und Vorschläge für eine Verbesserung der Terminvergaben zu liefern. © Rie/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

28.09.17
Psychotherapie: Weiterhin zu lange Wartezeit auf Behandlung
Berlin – Psychisch kranke Menschen müssen nach Ansicht der Psychotherapeutenkammer immer noch zu lange auf einen Therapieplatz warten. Durch eine Gesetzesänderung im April 2017 habe sich zwar die......
22.09.17
Große Nachfrage nach Terminen bei Psychotherapeuten
Berlin – Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) erreichen seit April deutlich mehr Anrufe. Darauf hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hingewiesen. Hintergrund......
11.08.17
Rheumapatienten beklagen lange Wartezeiten auf Facharzttermin
Bonn – Menschen, die an Rheuma erkrankt sind, kämpfen mit zahlreichen Problemen im privaten und beruflichen Alltag. Lange Wartezeiten bei Ärzten, Sorge vor Altersarmut und rigide Arbeitsmodelle sind......
28.07.17
Interesse an Facharzt­vermittlung in Niedersachsen gestiegen
Hannover – Seit auch Termine beim Psychotherapeuten von den Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) vergeben werden, ist das Interesse an der zentralen Vermittlung von......
21.07.17
TK will alle Termine an Psychotherapeuten über Terminservicestelle vergeben
Berlin – Terminservicestellen sollen auch reguläre Termine bei Psychotherapeuten vergeben. Diese Vorstellung hat heute die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen geäußert. Hintergrund seien zu lange......
20.04.17
Psychotherapie: Hohe Nachfrage nach Terminen in Niedersachsen
Hannover – Seit dem 1. April können über die Servicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) nicht nur Facharzt-, sondern auch Psychotherapeuten-Termine angefragt werden. Die ersten Zahlen......
27.03.17
Psychotherapeuten beklagen weiterhin fehlende Behandlungsplätze
Berlin – Psychisch kranke Menschen erhalten vom 1. April an einen wesentlich schnelleren Zugang zu einem Psychotherapeuten. Nach einer neuen Richtlinie können die monatelangen Wartezeiten für ein......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige