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Medizin

Perinatale Asphyxie: Therapeutische Hypothermie steigert Intelligenz

Donnerstag, 10. Juli 2014

London – Die therapeutische Hypothermie, die den Körper des Neugeborenen über drei Tage auf 33 bis 34 Grad Celsius abkühlt, kann die Folgen einer perinatalen Asphysie begrenzen. Die jetzt im New England Journal of Medicine (2014; 371: 140-149) publizierten Langzeitergebnisse der britischen TOBY-Studie zeigen, dass die günstigen Auswirkungen noch im Grundschulalter nachweisbar sind.

Die vom Medical Research Council durchgeführte „Total Body Hypothermia“ oder TOBY-Studie hat zusammen mit einer Studie des US-National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) der therapeutischen Hypothermie zum Durchbruch verholfen.

Die Behandlung wird in Deutschland von der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin empfohlen, wenn eine Azidose und ein Basendefizit im Nabelschnurblut eine perinatale Asphysie anzeigen. Die Neugeborenen werden dann innerhalb von sechs Stunden nach der Geburt für 72 Stunden auf eine Kühlmatte gelegt (oder mit einem Cool Cap) versorgt. Die gezielte Unterkühlung soll im Gehirn die apoptotischen und inflammatorischen Vorgänge mildern, zu denen es nach einer perinatalen Asphysie kommt und die die hypoxisch-ischämische Enzephalopathie verschlimmern.

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Nachdem frühere Veröffentlichungen gezeigt hatten, dass die therapeutische Hypothermie die Chancen erhöht, dass die Kinder ohne Behinderungen überleben, konnte die NICHD im letzten Jahr melden, dass nach einer therapeutischen Hypothermie mehr Kinder ohne schwere geistige Behinderungen(IQ unter 70) das Grundschulalter erreichen. Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant (NEJM 2012; 366: 2085-92).

Die TOBY-Studie kommt jetzt zu eindeutigen Ergebnissen. Wie Denis Azzopardi vom King’s College in London und Mitarbeiter berichten, haben 75 von 145 Kindern (52 Prozent) aus der Hypothermiegruppe das Grundschulalter mit einem IQ von wenigstens 85 erreicht. In der Kontrollgruppe ohne Hypothermie waren es nur 52 Kinder von 132 (39 Prozent). Das relative „Risiko“ (auf ein gutes Ergebnis) betrug laut Azzopardi 1,31 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,01 bis 1,71 dieses Mal statistisch signifikant.

Auch in anderen Endpunkten der Studie gab es eindeutige Ergebnisse. So überlebten nach therapeutischer Hypothermie 45 Prozent der Kinder ohne neurologische Folgeschäden. In der Kontrollgruppe waren es nur 28 Prozent (relatives „Risiko“ 1,60;  1,15-2,22). Es gab weniger Kinder mit einer Zerebralparese (21 versus 36 Prozent) und weniger Kinder mit mittelschweren bis scheren Behinderungen (22 versus 37 Prozent).

Die motorische Entwicklung der Kinder war besser und sie erzielten in zehn von elf psychometrischen Tests zu einzelnen Aspekten der Intelligenz bessere Ergebnisse (Ausnahme: Digit recall), die jedoch nur in einem Test (Aufmerksamkeit und exekutive Funktionen) signifikant waren, was Azzopardi jedoch auf die zu geringe Teilnehmerzahl der Studie zurückführt. Für den Studienleiter steht fest, dass die therapeutische Hypothermie für die betroffenen Kinder einen langfristigen Nutzen hat. © rme/aerzteblatt.de

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