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Medizin

Landleben schützt vor Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Freitag, 11. Juli 2014

dpa

Aarhus – Menschen, die ihre frühe Kindheit auf einem Bauernhof mit Viehwirtschaft verbracht haben, erkranken einer Studie im European Journal of Epidemiology (2014; 29: 429-437) zufolge nur halb so häufig an entzündlichen Darm­er­krank­ungen wie Stadtkinder. Die „protektive“ Wirkung des Landlebens war jedoch nur für die Geburtsjahrgänge nach 1952 eindeutig nachweisbar.

Die „Hygiene-Hypothese“, nach der die fehlende Exposition von Stadtkindern mit früher alltäglichen Krankheitserregern die natürliche Entwicklung des Immunsystems behindern soll, wurde bisher nur mit dem Anstieg von allergischen Erkrankungen wie atopischer Dermatitis, Rhinokonjunktivitis oder Asthma bronchiale in Verbindung gebracht.

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Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gehören nicht zu den allergischen Erkrankungen. Beide Erkrankungen sind jedoch parallel zur Urbanisierung der Gesellschaft häufiger geworden und die Zusammensetzung der Darmflora, die sich nach der Geburt entwickelt, könnte in der Pathogenese eine Rolle spielen.

Das Team um Vivi Schlünssen von der Universität Aarhus hat deshalb die Daten von 10.000 Personen aus sieben Regionen in Skandinavien ausgewertet, die 1999/2000 oder 2010/2012 an einer Studie teilgenommen hatten, in denen sie unter anderem nach ihrer Herkunft und nach ihren Erkrankungen befragt wurden.

Die Auswertung ergab, dass Personen, die die ersten fünf Lebensjahre auf einem Bauernhof mit Viehwirtschaft verbracht hatten, im späteren Leben nur etwa halb so häufig eine entzündliche Darm­er­krank­ung entwickelten (Odds Ratio OR 0,54, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,31-0,94). Dieser protektive Effekt war in fünf der sieben untersuchten Regionen nachweisbar, und er scheint sich zu verstärken: Kinder die nach 1952 geboren wurden, hatten nur ein Viertel des Erkrankungsrisikos, wenn sie auf einem Bauernhof mit Viehwirtschaft aufgewachsen waren (OR 0,25; 0,11-0,61).

Für frühere Jahrgänge war die Assoziation nicht signifikant. Da sich die Hygiene-Bedin­gungen seit den 50er Jahren in den Städten gebessert haben, erscheint der zuneh­mende Unterschied zwischen Dorf- und Stadtbewohnern plausibel. Der Kontakt mit den vielfältigen Mikroorganismen auf dem klassischen Bauernhof ist jedoch nur eine von mehreren möglichen Erklärungen.

Das Leben in der Stadt ist laut Schlünssen mit anderen möglichen Risikofaktoren für entzündliche Darm­er­krank­ungen verbunden. Dazu gehören die stärkere Exposition mit Tabakrauch, der häufigere Einsatz von Antibiotika und der Rückgang der Wurm­infektionen.

Auf dem Land könnten sich neben dem Kontakt zu Kühen, Schweinen und Hühnern auch ein höherer Verzehr von Obst und Gemüse, das Trinken von Rohmilch oder längere Stillzeiten ausgewirkt haben. Da diese potenziellen Einflussfaktoren in der Studie nicht erhoben wurden, kann Schlünssen hierzu keine Angaben machen. © rme/aerzteblatt.de

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