NewsMedizinNeues Kunstherz soll verschleißfrei arbeiten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Neues Kunstherz soll verschleißfrei arbeiten

Freitag, 11. Juli 2014

Erstmals wurde das Kunstherz Heartmate III in Hannover eingesetzt /dpa

Hannover – Der weltweit führende Hersteller von linksventrikulären Unterstützungs­systemen (LVAD) Thoratec aus Kalifornien testet sein neuestes Modell zuerst in Deutschland. Der erste Patient mit einer therapierefraktären Herzinsuffizienz erhielt das Modell Heartmate III an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) implantiert.

Die Implantation von LVAD ist längst Routine. In Deutschland werden jährlich rund 1.000 Menschen mit einem Kunstherzen versorgt, etwa 100 davon an der MHH, einem der größten Zentren Europas für die Implantation von LVAD. Die beiden am häufigsten implantierten Geräte sind das HVAD der Firma Heartware und das weltweit am weitesten verbreitete Modell Heartmate II der Firma Thoratec. In Deutschland wurde dieses Gerät mehr als 1.400 Patienten implantiert, weltweit sind es etwa 17.000.

Anzeige

Heartmate II war zuletzt in die Kritik geraten. Drei US-Kliniken beklagten sich im New England Journal of Medicine (2014; 370: 33-40) über eine seit 2011 steigende Zahl von Pumpenthrombosen. Andererseits gibt es viele Patienten, bei denen Heartmate II komplikationslos seinen Dienst versah. Den „Europa-Rekord“ hält ein MHH-Patient aus der Region Hannover, der seit fast neun Jahren mit diesem LVAD lebt.

Jetzt lässt der Hersteller in einer „CE Mark Clinical Trial“ das Nachfolgemodell an Kliniken in Deutschland, Kanada und Australien testen. Heartmate III ist kleiner und nach Angaben des Herstellers technisch versierter als das Vorgängermodell. So verfügt das neue Gerät über speziell bearbeitete Oberflächen, die weniger anfällig für eine Thrombosierung sein sollen.

Auch die Blutpumpe wurde modifiziert. Die Position des Pumpenrotors, der in einem Magnetfeld frei schwebt, wird jetzt ständig von außen magnetisch korrigiert. Das Transplantationsteam der MHH um Axel Haverich hofft, dass das neue LVAD keinerlei Verschleißerscheinungen zeigt und die Komplikationsrate deutlich reduziert werden kann.

Dabei soll eine Innovation helfen. Während die früheren Modelle das Blut kontinuierlich pumpen, kann Heartmate III einen künstlichen Puls erzeugen, mit dem die Pumpe regelmäßig „gewaschen“ werden kann, um thrombotische Ablagerungen zu verhindern. Wie sein Vorgängermodell kann Heartmate III in der Minute bis zu zehn Liter Blut pumpen, was der vollen Leistung eines gesunden Herzens entspricht.

Selbst Patienten, bei denen die linksventrikuläre Auswurffraktion auf unter 20 Prozent abgefallen ist, erreichen damit eine ausreichende Herzleistung, die ein symptomarmes Leben verspricht. Wie bei anderen LVAD auch, wird Heartmate III neben das Herz des Patienten platziert. Ein Kabel verbindet das Kunstherz mit der Steuerelektronik und den Batterien, die der Patient außerhalb des Körpers trägt.

Bei den meisten Patienten überbrücken LAVD die Zeit bis zur Herztransplantation (Bridge-to-Transplantation) oder – seltener – bis zur spontanen Erholung nach einer Myokarditis. Immer häufiger werden LAVD auch als „Destination Therapy“ implantiert, wenn die Patienten nicht als Kandidaten für eine Transplantation infrage kommen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. Oktober 2018
Berlin – Ein System, das Komplikationen nach einer Herzoperation voraussagen kann, noch bevor es zu ersten Symptomen kommt, hat Alexander Meyer entwickelt, Informatiker und Arzt in Weiterbildung am
Big-Data-Analyse kann Komplikationen nach Herzoperation voraussagen
11. Oktober 2018
Düsseldorf/ Berlin – Zu geringe Fortschritte bei der Betreuung von Patienten mit kardiogenem Schock konstatiert die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung (DGK). „Trotz
Kardiologen sehen nur geringe Fortschritte bei der Behandlung des kardiogenen Schocks
11. Oktober 2018
Düsseldorf – Herzinsuffizienz war auch 2017 die häufigste Krankheitsdiagnose bei stationären Krankenhauspatienten in Nordrhein-Westfalen (NRW). Gut 100.000 Patienten wurden deshalb 2017 in einer der
Herzinsuffizienz häufigste Ursache für Klinikaufenthalt in Nordrhein-Westfalen
2. Oktober 2018
Seoul – Nicht nur Schwankungen im Körpergewicht, auch Fluktuationen in Blutdruck, Blutcholesterin und Blutzucker erhöhen bei gesunden Menschen das kardiovaskuläre Erkrankungs- und Sterberisiko. Dies
Studie: „Jo-Jo-Effekt“ auch bei Blutdruck, Cholesterin und Glukose riskant
1. Oktober 2018
Durham – Neue Forschungen erhärten die These, dass regelmäßige Schlafenszeiten ein Schlüssel zur Herzgesundheit und zum guten Funktionieren des Stoffwechsels sind. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um
Regelmäßige Schlafenszeiten für die Herzgesundheit besonders wichtig
24. September 2018
Hamburg – Bei Rauchern wird ein bestimmtes Gen für einen Rezeptor, der an Entzündungen und der Neubildung von Blutgefäßen beteiligt ist, häufiger abgelesen als bei Nichtrauchern. Dieses molekulare
Rauchen verändert die Genaktivität eines Rezeptors
20. September 2018
Hannover – Hepatozyten vermitteln eine entscheidende Abwehrreaktion gegen Coxsackieviren. Diese sind in Europa und den USA häufige Auslöser für Herzmuskelentzündungen. Entsprechende Ergebnisse haben
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER