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Medizin

HIV: WHO rät sogenannten Schlüssel­populationen zur Präexpositions­prophylaxe

Montag, 14. Juli 2014

dpa

Genf – Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), gehören neben Strafgefangenen, intravenösen Drogenkonsumenten, Sexarbeiterinnen und Transgender zu den soge­nannten Schlüssel­populationen, denen die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in einer aktuellen Leitlinie im Vorfeld der International AIDS Conference in Melbourne zu einer medikamentösen Präexpositionsprophylaxe rät, ohne dabei die Bedeutung von Kondomen zur Infektionsprophylaxe infrage zu stellen.

Auf die fünf Schlüsselgruppen entfallen heute 50 Prozent aller Neuinfektionen mit HIV, heißt es in der Begründung der WHO, in Asien und Osteuropa liege der Anteil teilweise sogar bei 53 bis 62 Prozent. Nach Berechnungen der WHO könnte die HIV-Inzidenz um 20 bis 25 Prozent gesenkt werden, wenn MSM sich und andere durch die Einnahme von antiretroviralen Medikamenten vor einer Infektion schützen würden. In dieser Risikopopu­lation könnte nach Schätzungen der WHO in der nächsten Dekade bis zu eine Million Neuinfektionen vermieden werden.

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Die WHO verweist auf Studien, nach denen Sexarbeiterinnen ein 14-fach höheres Risiko auf eine HIV-Infektion haben als andere Frauen, bei den MSM liege das Infektionsrisiko 19-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. Transgender-Frauen und Personen, die intravenöse Drogen konsumieren, hätten sogar ein fast 50-fach erhöhtes Infektions­risiko, heißt es in der Leitlinie.

Keine dieser Personen lebe isoliert vom Rest der Bevölkerung, warnt die WHO. Prostituierte und ihre Klienten hätten Ehemänner, -frauen und Partner. Einige würden Drogen konsumieren, viele hätten Kinder. Wenn Personen mit dem höchsten Risiko einer HIV-Infektion nicht von Angeboten erreicht würden, könnte dies die globale Epidemie verstärken. In Ländern, in denen die fünf Schlüsselpopulationen Zugang zu HIV-Ange­boten hätten, sei die Rate der Neuinfektionen gesunken, dies gelte vor allem für Sexarbeiterinnen sowie für intravenöse Drogenkonsumenten.

Die WHO hebt Thailand hervor, das als eines der ersten Ländern erkannt habe, dass die Gesundheit der Sexarbeiterinnen die Rate von Neuinfektionen senken kann. Malaysia, Spanien und Tansania hätten Fortschritte durch eine Substitutionstherapie für Opiate und die Ausgabe von Nadeln und Spritzen gemacht. Durch die Kombination aus einer effektiven HIV-Prävention und HIV-Behandlung konnte nach Auskunft der WHO die Zahl der Drogenkonsumenten, die mit HIV infiziert sind, niedrig gehalten werden.

© rme/aerzteblatt.de

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