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Medizin

Moderater Alkoholgenuss ohne Vorteile für die Gesundheit

Montag, 14. Juli 2014

Philadelphia – Den häufig proklamierten Zusammenhang zwischen moderatem Alkoholkonsum und einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnten Wissenschaftler der University of Pennsylvania in einer kürzlich veröffentlichten Metaanalyse nicht bestätigen. Die Arbeitsgruppe um Michael Holmes berichtet, dass auch bei moderatem Alkoholgenuss der völlige Verzicht gesundheitliche Vorteile bringen könnte. Sie veröffentlichte die Ergebnisse im britischen Ärzteblatt (http://dx.doi.org/10.1136/bmj.g4164).

Der Arbeitsgruppe zufolge konnten viele Studien ein niedrigeres Risiko für Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen bei Menschen mit geringem Alkoholkonsum feststellen. Ob allerdings ein kausaler Zusammenhang bestehe, sei nur schwer nachvollziehbar. Positive soziale und Lebensstilfaktoren, die mit dem gemäßigtem Alkoholkonsum einhergingen, könnten ebenfalls für diesen Zusammenhang verantwortlich sein.

Die Arbeitsgruppe untersuchte in ihrer Metaanalyse unter anderem eine Gruppe von Menschen, die aufgrund einer bestimmten genetischen Normvariante im Alkohol­dehydrogenase-Gen (ADH1B) geringere Alkoholmengen verträgt. Menschen mit der Variante neigen eher zu Flushs und Übelkeit durch Alkohol und trinken im Durchschnitt weniger pro Woche oder sind in vielen Fällen sogar völlig abstinent. Ein weiterer Effekt des veränderten Enzyms ist eine beschleunigte Abbaurate des Alkohols.

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261.991 Teilnehmer von insgesamt 56 Studien konnten die Wissenschaftler in ihre Auswertung einschließen. Von allen Teilnehmern lag ein genetisches Profil vor, das auch Aufschluss darüber gab, ob die Normvariante des ADH1B-Gens vorlag. Die Arbeits­gruppe verglich den Alkoholkonsum der Teilnehmer mit dem Auftreten von koronaren Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Typ-Zwei-Diabetes. Die Informationen erhielten sie aus Befragungen der Teilnehmer und teilten sie in leichte (0-70 ml Alkohol pro Woche), mittlere (70-210 ml Alkohol pro Woche) und schwere Konsumenten( >210 ml Alkohol pro Woche) ein.

Individuen mit der genetischen Variante hatten vergleichbare Lebensstilfaktoren wie die Gruppe ohne diese Variante. In größeren Studien mit mehr als 1.000 kardiovaskulären Ereignissen konnten die Wissenschaftler feststellen, dass unter den trinkenden Teilnehmern die Träger der genetischen Variante ein geringeres Risiko hatten, zu erkranken (Odds 0,86). In der Gruppe der völlig abstinenten war kein signifikanter Unterschied zwischen den Trägern und Nichtträgern feststellbar. Ischämische Schlaganfälle traten unter den Trägern der Variante ebenfalls seltener auf (Odds ratio 0,83).

In den leichten und mittleren Trinkgruppe hatten die Variantenträger ein geringeres Risiko für die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung. Für Typ-Zwei-Diabetes konnten die Wissenschaftler keine Risikoreduktion feststellen.

Kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Blutdruck, Non-HDL Cholesterin und Gewicht waren in der Gruppe der Variantenträger im Durchschnitt niedriger.

Die Arbeitsgruppe sieht die Ergebnisse als Hinweis für die Vorteile einer völligen Abstinenz. Die vorliegende genetische Variante sei abseits vom Alkohol kein allzu bedeutender Faktor für die sonstigen Lebensgewohnheiten. Aus diesem Grund gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Risikoreduktion letztlich durch den verminderten Alkoholkonsum bedingt ist.

© hil/aerzteblatt.de

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