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Medizin

Leukämien und Lymphome: Prognose in Europa (nicht überall gleich) gestiegen

Montag, 14. Juli 2014

Mailand – Seit der Einführung neuer zielgerichteter Medikamente sind die 5-Jahres­überlebenszeiten vieler Leukämien und Lymphome in Europa gestiegen. Eine retro­spektive Analyse im Lancet Oncology (2014; doi: 10.1016/S1470-2045(14)70282-7) weist jedoch auf erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen hin. Vor allem in Osteuropa scheint es noch erhebliche Defizite zu geben.

Rituximab wurde 1997 zur Behandlung von B-Zell-Leukämien eingeführt, im Jahr 2001 kam Imatinib für die chronische myeloische Leukämie (CML) hinzu, Thalidomid wird seit 1998 und Bortezomib seit 2003 zur Behandlung des Plasmozytoms eingesetzt. In der gleichen Zeit wurden die Therapieregime für den Morbus Hodgkin weiter verfeinert.

Klinische Studien haben die Vorteile belegt, doch was davon an der Basis und vor allem in den einzelnen Regionen Europas ankommt, ist weitgehend unbekannt. Die EURO­CARE-Initiative versucht hier seit 1989 regelmäßig einen europaweiten Überblick zu geben. Dies ist nur sehr bedingt möglich, da es in den wenigsten europäischen Ländern gut geführte Krebsregister gibt, die die Krankheiten systematisch erfassten.

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Milena Sant vom Istituto Nazionale dei Tumori in Mailand und Mitarbeiter konnten in der bislang größten Übersicht zu den Überlebenszeiten von Lymphomen und Leukämien zwar die Daten von 560.400 erwachsenen Patienten (15 Jahre oder älter) aus 30 Krebs­registern zusammentragen. Die Landkarte weist jedoch erhebliche weiße Flächen aus. So fehlen mit Portugal, Griechenland, Spanien, Finnland und Schweden einige Flächen­länder vollständig und in anderen wie Deutschland mussten sich die Forscher auf regionale Krebsregister stützen.

Hinzu kommt, dass sich die diagnostischen Kriterien bei Krebserkrankungen von Leuko- und Lymphozyten stark unterscheiden können. Die Analyse von Sant basiert zwar auf identischen histologischen Codes der International Classification of Diseases for Oncology, es ist jedoch bekannt, dass bei einigen Erkrankungen wie dem Morbus Hodgkin Fehlklassifikationen in erheblichem Ausmaß auftreten, wie Alastair Munro von der Universität von Dundee im Editorial anmerkt.

Die Verfügbarkeit von neuen Therapien könne auch dazu führen, dass die Behand­lungen auf Patienten in einem früheren Stadium ausgeweitet wird, was dann einen Lead-Time ergibt oder es kommt zur Behandlung von Malignomen, die gar keine Therapie benötigen. Munro warnt deshalb davor, die verlängerten Überlebenszeiten allein auf die Einführung neuer Medikamente zurückzuführen.

Der Trend, den die Zahlen von Sant zeigen, ist jedoch positiv. Am deutlichsten gestiegen sind die 5-Jahresüberlebensraten zwischen 1997 und 2008 beim follikulären Lymphom (von 59 auf 74 Prozent), beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (von 42 auf 55 Prozent), bei der chronischen myeloischen Leukämie (von 32 auf 54 Prozent) sowie bei der akuten Promyelozyten-Leukämie (von 50 auf 62 Prozent).

Dabei gab es teilweise erhebliche Unterschiede in Europa. So hat sich die 5-Jahres­überlebensrate der chronischen myeloischen Leukämie in Nordeuropa von 29 auf 60 Prozent und in Zentraleuropa (dazu gehört Deutschland) von 34 auf 65 Prozent verbessert. In Südeuropa ist sie nur von 37 auf 55 Prozent gestiegen, was an der geringeren Verfügbarkeit von Imatinib liegen könnte. Eine genaue Bewertung ist jedoch nicht möglich, da Sant keine Daten zur Behandlung vorlagen.

Am schlechtesten sind die Ergebnisse in Osteuropa. Bei allen untersuchten Erkran­kungen waren die Ergebnisse schlechter als in Großbritannien, das bereits hinter Zentral- und Nordeuropa zurückfällt. Beim follikulären Lymphom sterben in Osteuropa doppelt so viele Patienten in den ersten fünf Jahren nach der Diagnose wie in Großbritannien. © rme/aerzteblatt.de

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