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Medizin

Netzhaut­degenerationen: Orales Retinoid kann Sehstärke verbessern

Montag, 14. Juli 2014

Montreal – Ein internationales Forscherteam hat eine Substitutionstherapie für bestimmte Varianten der angeborenen Netzhautdegeneration entwickelt, die durch genetische Störungen in der Retinol-Synthese hervorgerufen werden. Die Einnahme eines synthetischen Retinoids hat laut der Publikation im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60153-7) die Sehstärke einiger, aber nicht aller Patienten verbessert.

Angeborene Netzhautdegenerationen werden als Lebersche kongenitale Amaurose bezeichnet, wenn sie bereits bei der Geburt vorhanden sind. Bei der Retinitis pigmentosa erblinden die Patienten dagegen erst im weiteren Verlauf des Lebens. Ursache der beiden angeborenen Erkrankungen sind Gendefekte. Dabei gibt es Überlappungen: Etwa 10 Prozent der Leberschen kongenitalen Amaurose und 3 Prozent der Retinitis pigmentosa werden durch Defekte in den Genen RPE65 oder LRAT ausgelöst, die an der Bereitstellung von 11-cis-Retinal beteiligt sind, dem lichtempfindlichen Bestandteil des Sehpurpurs.

Ein plausibler Therapieansatz besteht darin, das fehlende 11-cis-Retinal zu ersetzen. Dies ist durch Einnahme von 9-cis-Retinylacetat möglich. 9-cis-Retinylacetat ist oral verfügbar. In der Retina wird es in 9-cis-Retinal umgewandelt, das 11-cis-Retinal ersetzen kann. Nachdem tierexperimentelle Studien gezeigt haben, dass 9-cis-Retinylacetat nicht toxisch ist, wird es seit Dezember 2009 in einer internationalen Studie getestet.

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Wie das Team um Robert Koenekoop vom McGill University Health Centre jetzt berichtet, kam es bei zehn der 14 Patienten im Alter von 6 bis 38 Jahren zu einer Vergrößerung des Sehfelds in der Perimetrie um 28 bis 683 Prozent. Vier Patienten erzielten eine Verbesserung der Sehstärke um 2 bis 30 Buchstaben auf der Sehtafel.

Die Verbesserungen waren allerdings nicht immer von Dauer. Nach zwei Jahren waren 11 von 14 Patienten wieder auf den Stand vor Beginn der Therapie zurückgefallen. Immerhin drei Patienten hatten jedoch eine dauerhafte Vergrößerung des Sehfelds erzielt und vier Patienten haben eine bessere Sehstärke als vor Beginn der Therapie.

Nach einer Pressemitteilung des Herstellers vom Februar wurden inzwischen 27 Patienten in die Studie aufgenommen, von denen 19 Patienten (70 Prozent) eine anhaltende Verbesserung erzielten. Der Hersteller hat bereits 2011 eine beschleunigte Zulassung bei der US-amerikanischen Arzneibehörde FDA und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) beantragt.

Sofern nicht noch unverhoffte Toxizitäten auftreten, dürften die Chancen auf einen positiven Bescheid gut sein. Die häufigsten bislang beobachteten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Photophobie, ein Abfall des HDL-Cholesterins und ein Anstieg der Triglyzeride sowie ein Anstieg des Leberenzyms Aspartat-Aminotransferase. © rme/aerzteblatt.de

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