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Medizin

Mammakarzinom: Gel könnte Tamoxifen-Neben­wirkungen vermeiden

Donnerstag, 17. Juli 2014

dpa

Chicago – Ein Gel mit 4-Hydroxy-Tamoxifen, dem wichtigsten aktiven Metaboliten des Standardmedikaments zur Hormontherapie des Mammakarzinom, hat in einer klinischen Studie in Clinical Cancer Research (2014; 20: 3672) ausreichende Wirkstoffkonzen­trationen im Brustgewebe erreicht und auf die Zellen eine ähnliche Wirkung erzielt wie eine orale Tamoxifenbehandlung. Deutlich niedrigere Wirkstoffspiegel im Blut könnten die Hormontherapie sicherer machen.

Tamoxifen kann einem Brustkrebs vorbeugen, Rezidive nach einem Mammakarzinom verhindern und die Überlebenszeit im Endstadium verlängern. Die Induktion von Enzymen in der Leber erschwert jedoch die Therapie durch zahlreiche Wechsel­wirkungen und steigert über die vermehrte Bildung von Gerinnungsfaktoren das throm­boembolische Komplikationsrisiko. Ein topischer Einsatz könnte die Schwierigkeiten umgehen. Er ist pharmakologisch möglich, da der wichtigste Metabolit und Hauptträger der Wirkung 4-Hydroxy-Tamoxifen über die Haut resorbiert wird.

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An der Feinberg School of Medicine in Chicago wurde ein 4-Hydroxy-Tamoxifen-Gel im doppelblinden Vergleich mit oralem Tamoxifen an 27 postmenopausalen Frauen nach der Entfernung eines Duktalen Carcinoma in situ (DCIS) erprobt. Wie das Team um Seema Khan berichtet, kam es nach sechs bis zehnwöchiger Anwendung in beiden Gruppen zu einer gleich ausgeprägten Reduktion von Ki-67, einem Marker für ein mögliches Krebswachstum im Brustgewebe.

Auch die Konzentration von 4-Hydroxy-Tamoxifen im Gewebe war in beiden Gruppen nahezu identisch. Die Plasmawerte von 4-Hydroxy-Tamoxifen waren nach der Applikation als Gel mit 0,2 versus 1,1 ng/ml jedoch deutlich niedriger als nach der oralen Einnahme von Tamoxifen. Dies hatte Auswirkungen auf die Syntheseleistung in der Leber: So war die Konzentration von Gerinnungsfaktor VIII und von Willebrand-Faktor nur nach der oralen Tamoxifenbehandlung signifikant erhöht, nicht aber nach der Anwendung des Gels. Ob dies tatsächlich zu weniger thromboembolischen Ereignissen führt, konnte in der kleinen Phase 2-Studie jedoch nicht untersucht werden.

Ein weiterer Vorteil des Gels könnte darin bestehen, dass der Wirkstoff 4-Hydroxy-Tamoxifen nicht in der Leber aktiviert werden muss. Bei der oralen Einnahme von Tamoxifen sind zahlreiche Wechselwirkungen bekannt. Andere Medikamente beein­flussen die Bildung des aktiven Metaboliten oder den Abbau von Tamoxifen, das selbst die Elimination anderer Medikamente in der Leber verändern kann.

Mit der topischen Anwendung von 4-Hydroxy-Tamoxifen könnten diese Probleme umgangen werden. Ob allerdings 4-Hydroxy-Tamoxifen Brustkrebspatientinnen genauso gut vor einem Rezidiv schützt wie orales Tamoxifen, müsste erst noch in größeren klinischen Studien belegt werden. Ein Rückgang der klimakterischen Beschwerden war in der aktuellen Studie übrigens nicht nachweisbar. © rme/aerzteblatt.de

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