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Politik

Evangelische Kirche hält an Ablehnung von Sterbehilfe fest

Donnerstag, 17. Juli 2014

Hannover – Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hält an der grundsätzlichen Ablehnung von Sterbehilfe fest. Anfang der Woche hatte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider jede Form von Sterbehilfe zwar als inakzeptabel bezeichnet. Mit Blick auf seine krebskranke Frau aber erklärte er, sie im Ernstfall zu begleiten, wenn sie Sterbehilfe wünsche. „Das wäre zwar völlig gegen meine Überzeugung”, sagte Schneider der Wochenzeitung Die Zeit und ähnlich dem Magazin Stern. „Aber am Ende würde ich sie wohl gegen meine Überzeugung aus Liebe begleiten. (...) Die Liebe ist entscheidend.”

Wie ein EKD-Sprecher am Donnerstag sagte, hatte der Rat der EKD bereits Ende 2012 unter Schneiders Vorsitz festgehalten: „Aus christlicher Perspektive ist die Selbsttötung eines Menschen grundsätzlich abzulehnen, weil das Leben als Gabe verstanden wird, über die wir nicht eigenmächtig verfügen sollen. Allerdings schließt die generelle Ablehnung nicht aus, dass Menschen in einer extremen Not- und Ausnahmesituation zu einer anderen Entscheidung kommen können, die ein Außenstehender nicht ermessen kann und die es zu respektieren gilt. Ein moralisches Urteil darüber steht niemandem zu.” Innerhalb dieses Rahmens habe Schneider sich bei seinen persönlichen Worten zur Sterbehilfe bewegt, sagte der Sprecher. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #612077
EEBO
am Montag, 21. Juli 2014, 13:12

Widerspruch

Wie so oft, geht es emotional hoch her, und es werden verschiedene Fragestellungen, Positionen und Problemfelder vermischt, wenn es um Sterbehilfe und zudem noch "Kirche" geht -

Als ich die Aussagen von Dr. Schneider und seiner Frau gelesen habe, war ich ebenfalls nicht erfreut, da hier ein höchstpersönliches Thema in einer meiner Ansicht nach unangemessenen Weise in die Öffentlichkeit getragen wurde. Wie weit auch immer die Brustkrebserkrankung von Frau Schneider fortgeschritten sein mag, ich habe doch den Verdacht, daß sie - bei aller vorgeblichen Abgeklärtheit - in großer Angst gehandelt hat. Dies würde der von ihr postulierten freiwilligen Rückgabe des Lebens an Gott in Dankbarkeit pp. doch deutlich entgegenlaufen. Überdies halte ich diese Position auch theologisch für nicht überzeugend. Das aber nur nebenbei.
Was nun die Position des Ratsvorsitzenden anbelangt, sich gegen die Tötung von Sterbenskranken auszusprechen, aber seine Frau bis zum Schluß zu unterstützen, so halte ich dies für ehrenwert: Was anderes soll er, der sich mit seinem christlichen Eheversprechen verpflichtet hat, nämlich für einander einzustehen, denn sonst tun? Soll er sich medial und spektakulär von seiner Ehefrau abwenden und sie in schwerer Stunde alleine lassen? Sicherlich wird er nicht den Giftbecher, den seine Frau zu leeren bereit ist, selber füllen oder ihr ihn reichen!

Betreffs der Frage, ob die "Kirchen" den Menschen ein "elementares Selbstentscheidungsrecht" verweigern, gleichzeitig aber "bigott" sind, "Totschlagargumente" verwenden, aber im entscheidenden Moment inkonsequent sind, wenn es um "die eigene Haut" gehe pp. -
Alle Kirchen machen das also - geht es denn noch etwas undifferenzierter? Versteht mein Vorkommentator neben den diversen christlichen Konfessionen vielleicht noch Moslems, die israelitischen Kultusgemeinden und diverse Sondergruppen, um den Rundumschlag zu komplettieren? Die "sogenannten Gläubigen" sind grundsätzlich Heuchler? ALLE?? Und es werden Waffen gesegnet und kriegführende Kampfverbände? Heutzutage in Deutschland durch die ev. und kath. Militärseelsorge? Oder vielleicht doch eher durch eine der diversen Mennonitengemeinden oder die Zeugen Jehovas (alle beide ausdrücklich gegen den Kriegsdienst eingestellt)?

Wer meine Kommentare hier bei aerzteblatt.de verfolgt, der wird feststellen, daß auch ich leidenschaftlich argumentieren kann, daß auch ich schimpfen kann wie ein Rohrspatz, und daß auch ich sardonischen Kommentaren nicht abgeneigt bin. Die undurchdachte Religionsschelte und die wenig ausgewogenen politischen Kommentare des Autors "Widerstand" zeigen jedoch eine weltanschauliche Engstirnigkeit, von der ich durchaus noch etwas lernen könnte...
Avatar #675503
Widerstand
am Samstag, 19. Juli 2014, 13:31

Es tut mir Leid aber...

was der Herr Schneider da von sich gibt ist ein Zeugnis der kirchlichen Bigotterie und nicht nur die der Kirche. Auf der einen Seite gehen die Kirchen (unabhängig von der Glaubensrichtung) hin und segnen kriegführende Kampfverbände und mordende Waffen aller Art. Auf der anderen Seite verwehrt sie unter der "Heiligkeit" des Lebens den Menschen ein elementares Selbstentscheidungsrecht.
Aaaber... wenn es denn an das eigene "Leder" geht, wenn man dem qualvollen Sterbeprozess eines einem nahestehenden Menschen miterleben müsste, dann... ja dann kann man natürlich einen Ausnahmezustand konstruieren und der Sterbehilfe zustimmen.

Ich kann den Mann gut verstehen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ein Gott von den sogenannten Gläubigen (egal welcher Konfession) gern als Totschlagargument genommen wird, bis es an die eigene Haut geht.
Es tutn mir Leid, doch das meine "gelehrten" Damen und Herren ist verdammenswerte Bigotterie.
LNS

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