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Aids-Forscher Joep Lange unter den Opfern des Malaysia Airlines Flugzeuges

Freitag, 18. Juli 2014

Joep Lange /dpa

Amsterdam – Joep Lange, einer der führenden HIV-Forscher in der Welt, wurde als eines der 298 Opfer in dem abgeschossenen Malaysia Airlines Flug MH 17 benannt. Lange war mit Kollegen auf dem Weg zur 20. internationalen AIDS-Konferenz (AIDS 2014), die vom 20. Juli bis zum 25. Juli im australischen  Melbourne stattfinden wird. Der HIV-Experte arbeitete seit vielen Jahren am renommierten Academic Medical Centre der Universität von Amsterdam. Ein Sprecher des Universitätskrankenhauses Amsterdam teilte am Freitag mit: „Alle Angaben weisen daraufhin, dass Lange in der Maschine saß, gemeinsam mit seiner Partnerin Jacqueline van Tongeren.“ Das Krankenhaus will vor einer offiziellen Bestätigung die Veröffentlichung der Passagierliste der Fluggesellschaft Malaysia Airlines abwarten. Freunde des Forschers meldeten den Tod des Forschers auf Facebook.

Laut einem Bericht der australischen Zeitung Sydney Morning Herald war rund ein Drittel der Opfer Aids-Forscher und -Aktivisten auf dem Weg nach Melbourne. Die Interna­tionale Aids-Gesellschaft bestätigte, dass „zahlreiche Kollegen und Freunde“ an Bord waren. Der Regierungschef des australischen Bundesstaats Victoria, Denis Napthine, sagte, unter den Opfern von Flug MH17 seien viele Forscher, Medizinwissenschaftler, Ärzte und führende Aktivisten.

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Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) teilte mit, dass auch einer ihrer Sprecher, Glenn Thomas, bei dem Unglück ums Leben kam. Er befand sich ebenfalls auf dem Weg zu der Aids-Konferenz. Dagegen erklärte die Deutsche Aids-Hilfe, ihre Delegation sei vollzählig in Melbourne eingetroffen. Die Veranstalter der Welt-Aids-Konferenz wollen dennoch an der Tagesordnung festhalten. Die getöteten Aids-Aktivisten „hätten das so gewollt”, sagte die Vorsitzende der Internationalen Aids-Gesellschaft, die französische Nobelpreisträgerin Françoise Barré-Sinoussi, als Ausrichterin der Konferenz.

Joep Lange war von 2002 bis 2004 war Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS) und damit auch Präsident der Welt-Aids-Konferenz 2004 in Bangkok. Damals forderte er mit Blick auf die mangelnde Versorgung von HIV-Infizierten mit antiretroviralen Medikamenten in Entwicklungsländern, dass sich die politisch Verantwortlichen an ihre Zusagen erinnern sollten.  

„Wenn wir kalte Coca-Cola und Bier in die entlegendsten Regionen Afrikas bringen können, sollte es nicht unmöglich sein, dasselbe mit Medikamenten zu tun", sagte Joep als IAS-Präsident. Damals erhielten in den Entwicklungsländern nur sieben Prozent der Betroffenen eine antiretrovirale Therapie; 2012 waren es laut WHO 61 Prozent.

Für seine Leistungen auf dem Gebiet der HIV-Forschung wurde Lange auch als „World’s Top AIDS Researcher“ bezeichnet. Vorausschauend nahm er bereits 2004 in einem Interview Stellung zu den Möglichkeiten und Grenzen der Viruseradikation „Es sollte ganz sicher in dieser Richtung geforscht werden, denn wir sehen doch, dass das chronische Pillenschlucken letztendlich zu Nebenwirkungen und Therapiemüdigkeit führt. Hinzu kommt, dass wir mit den heutigen Medikamenten noch immer keinen hundertprozentigen Stopp der Virusreplikation erreichen. Ich fände Möglichkeiten, das Virus ganz zu eliminieren, sehr wichtig, auch wenn mein diesbezüglicher Optimismus kleiner geworden ist. Der erste Schritt wird die völlige Unterdrückung der Virusreplikation sein.“ © zyl/afp/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 18. Juli 2014, 23:05

Trauer und Bestürzung!

Es ist wirklich furchtbar, dass nach dem tödlichen Flugzeugabsturz des HIV-Forschers und Arztes Dr. Jonathan Mann, der das Aids-Programm der WHO aufgebaut hatte, und vielen anderen, die 1998 bei Halifax ums Leben kamen, nun durch den Abschuss eines Zivilflugzeugs der Malaysia Airlines über der Ost-Ukraine an die 100 AIDS-Experten und -Aktivisten mit allen übrigen Insassen sterben mussten. Wichtige Impulse werden jetzt bei der 20. Internationalen Aids-Konferenz, die am Sonntag, den 20. Juli, im australischen Melbourne beginnen soll, fehlen.

Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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