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Medizin

HIV-Patienten sterben häufiger an Krebs

Freitag, 18. Juli 2014

Mit HIV infizierte H9 T-Zelle /dpa

London – Die antiretrovirale Kombinationstherapie kann HIV-Infizierte heute vor dem sicheren Tod an der Immunschwäche Aids bewahren. Die Patienten sind deshalb aber nicht gesund. Die jüngste Auswertung der D:A:D-Kohorte im Lancet (2014; 384: 241-248) weist auf einen deutlichen Anstieg von Krebserkrankungen hin.

Die „Data Collection o­n Adverse events of Anti-HIV Drugs“ oder D:A:D-Kohorte hat seit 1999 Daten zum Schicksal von fast 50.000 HIV-Positiven aus Europa, den USA und Australien zusammengetragen. In diesen Ländern haben die meisten Patienten Zugriff zu den antiretroviralen Wirkstoffen, die die tödliche Immunschwäche Aids verhindern können. Dennoch sind 1.123 Teilnehmer an Aids gestorben. Der Anteil an den insgesamt 3.909 Todesfällen beträgt 29 Prozent.

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Die Daten, die das Team um Colette Smith vom University College London vorstellt, lassen offen, ob es sich um Patienten handelt, die nicht oder nicht rechtzeitig mit antiretroviralen Medikamenten behandelt wurden, oder ob die Aids-Todesfälle Folge von Medikamentenresistenzen waren. Der Trend spricht für die erste Erklärung, denn der Anteil der Aids-Todesfälle an allen Todesfällen ist rückläufig.

Betrug er in der ersten Kohorte von 1999/2000 noch 34 Prozent, so waren es 2009/2011 nur noch 22 Prozent. Auch der Anteil der Todesfälle, die auf Lebererkrankungen zurück­zu­führen waren, ist von 16 auf 10 Prozent gesunken. Smith führt dies vor allem auf die erfolgreiche Behandlung oder Vermeidung von Hepatitis B und C zurück.

Auch der häufigere Einsatz von Lamivudin, Emtricitabin und Tenofovir könnte eine Rolle gespielt haben, da diese HIV-Medikamente auch gegen das Hepatitis B-Virus wirksam sind. Hinzu kommt, dass Mittel wie Didanosin oder Stavudin, die die Leber schädigen können, seltener eingesetzt werden. Die erst in den letzten Jahren eingeführten direkt wirksamen Medikamente gegen die Hepatitis C könnten dazu führen, dass die Sterblichkeit an Lebererkrankungen in Zukunft weiter abnimmt, vermutet Smith.

Zahl der Todesfälle an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückgegangen
Auch die Zahl der Todesfälle an Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist laut Smith deutlich zurückgegangen. Vor einigen Jahren hatte es noch die Besorgnis gegeben, dass die durch Proteaseinhibitoren ausgelöste Hyperlipidämie und ein negativer Einfluss von Lopinavir und Abacavir zu einem Anstieg der Herzinfarkte in jungen Jahren führen könnte. Warum es nicht dazu gekommen ist, bleibt unklar.

Einen Zusammenhang mit einer besseren Viruskontrolle (sinkende HIV-Last) oder einer besseren Immunkompetenz (steigende CD4-Zahlen) kann Smith nicht herstellen. Im Gegenteil: Der Anteil der Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren ist über die Zeit eher angestiegen. Smith vermutet, dass die HIV-Positiven gesundheitsbewusster leben, sich mehr bewegen, auf ihr Gewicht achten und cholesterinsenkende Medikamente einnehmen. Aus den Daten selbst lässt sich dies aber nicht ablesen.

Starker Anstieg an Todesfällen aufgrund von Krebserkrankungen
Beunruhigend ist dagegen ein Anstieg der Todesfälle an Krebserkrankungen, die nicht Folge der Immunschwäche Aids sind. Ihr Anteil an allen Todesfällen ist von 9 auf 23 Prozent gestiegen. Sie sind jetzt nach Aids die zweithäufigste Todesursache. Die Gründe für den relativen Anstieg sind unklar.

Ein Einfluss der CD4-Werte war nicht erkennbar. Eine krebsfördernde Wirkung der eingesetzten Medikamente ist nicht bekannt. Die Vermutungen von Smith bleiben vage. Vielleicht könnten Virusinfektionen (HPV), Alkohol, (früheres) Rauchen oder auch eine chronische Virushepatitis eine Rolle spielen, spekuliert sie.

Insgesamt hat sich die Prognose für die HIV-Positiven jedoch gebessert. Kamen 1999/2000 auf 1.000 Personenjahre noch 17,5 Todesfälle, so waren es 2009/2011 nur noch 9,1. Die Mortalität ist damit auf etwa die Hälfte gesunken und viele HIV-Positive dürfen heute auf eine normale Lebenserwartung hoffen. © rme/aerzteblatt.de

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