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US-Tabakkonzern zu 23,6 Milliarden Schadenersatz verurteilt

Montag, 21. Juli 2014

Miami – Wegen des Todes ihres an Lungenkrebs gestorbenen Ehemanns hat ein US-Schwur­­gericht einer Frau Schadenersatz in Rekordhöhe  zugesprochen: Die Summe von 23,6 Milliarden Dollar (17,5 Milliarden Euro) soll der US-Tabakkonzern RJ Reynolds Tobacco Company zahlen, wie ein Anwalt der Witwe am Samstag mitteilte. In dem vierwöchigen Prozess warf die Frau dem Konzern vor, ihren Mann nicht ausreichend vor den Folgen des Rauchens gewarnt zu haben.

 „Wir hoffen, dass das Urteil RJ Reynolds und andere große Tabakkonzerne dazu bewegt, nicht länger das Leben unschuldiger Menschen in Gefahr zu bringen“, hieß es in einer Mitteilung des Anwalts Willie Gary. RJ Reynolds habe das „kalkulierte Risiko“ übernommen, Zigaretten herzustellen und sie an Konsumenten zu verkaufen, ohne sie ausreichend über die damit verbundenen Gefahren zu unterrichten.

Der Mann war demnach von Zigaretten abhängig und schaffte es nicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Der Tabakkonzern ließ über seinen Anwalt J. Jeffery Raborn mitteilen, dass er das Urteil anfechten werde. Die Schadenersatzsumme sei „unangemessen hoch“ und nach dem Gesetz „unzulässig“.

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Die Entscheidung der Jury von Escambia County in Florida zugunsten von Cynthia Robinson, der Frau des verstorbenen Michael Johnson Senior, fiel den Angaben zufolge nach 15-stündigen Beratungen. Das Unternehmen habe nicht deutlich gemacht, dass Nikotin süchtig mache und Zigaretten giftige Stoffe enthielten, befand die Jury dem Bericht zufolge am Freitag in Pensacola. Der Mann der Klägerin hatte demnach mehr als zwei Jahrzehnte lang geraucht, als er 1996 im Alter von 36 Jahren an Lungenkrebs starb.

Die Witwe des Kettenrauchers war zunächst im Rahmen einer Sammelklage gegen den Konzern vorgegangen. Das damalige Urteil – Strafgelder in Höhe von 145 Milliarden Dollar – war dann von einer Berufungsinstanz annulliert worden. Diese entschied, dass die einzelnen Fälle zu unterschiedlich seien, um in einem Sammelprozess behandelt zu werden. Danach waren viele der ursprünglichen Kläger individuell vor Gericht gezogen.

Das Rauchen ist in den USA nach amtlichen Angaben der Hauptgrund für verfrühte Todesfälle und verantwortlich für den Tod von etwa einer halben Million Menschen im Jahr. Allerdings geht der Anteil der Raucher zurück. In den 1960er Jahren lag ihr Anteil an der Bevölkerung bei 42 Prozent, heute sind es 18 Prozent.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, das der „Camel“-Hersteller Reynolds American den Rivalen Lorillard kauft. Der 27,4 Milliarden Dollar (20,1 Milliarden Euro) schwere Deal vereint den zweit- und den drittgrößten Zigarettenproduzenten der Vereinigten Staaten. Der neue Tabakkonzern steht nach Angaben der beiden Unternehmen für über elf Milliarden Dollar Jahresumsatz.

Die Wettbewerbsbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen. Um die Zweifel der Kartellwächter auszuräumen, gibt Reynolds American für 7,1 Milliarden Dollar Marken wie „Salem“ und „Winston“ sowie Produktionsanlagen an den britischen Konkurrenten Imperial Tobacco ab.

Neben „Camel“ stellt Reynolds American auch die Marke „Pall Mall“ her, Lorillard ist für die „Newport“-Mentholzigaretten bekannt. Gemeinsam greifen die beiden Unternehmen nun den Marktführer der Tabakbranche an, den „Marlboro“-Konzern Altria. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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