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Medizin

Früher Therapiebeginn kann HIV nicht auf Dauer stoppen

Montag, 21. Juli 2014

HI-Viren /wikipedia

Boston – Eine chronische HIV-Infektion kann selbst dann nicht verhindert werden, wenn die Therapie in den ersten drei Tagen nach einer Infektion begonnen wird, noch bevor es zu einer Virämie gekommen ist. Dies zeigen tierexperimentelle Studien in Nature (2014; doi: 10.1038/nature13594), die wenig Hoffnung auf eine Heilung durch einen frühen Behandlungsbeginn machen.

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass das „Mississippi-Baby“ nach einer Behandlungspause von 27 Monaten wieder HIV-positiv wurde. Bei dem Säugling war 30 Stunden nach der Geburt eine hoch aktive antiretrovirale Therapie begonnen und im Alter von 18 Monaten wieder abgebrochen worden. Das Mädchen war danach bis kurz vor dem 4. Geburtstag ohne Virusnachweis, bevor sich die Infektion aus einem Reservoir erneuterte, das Experten in ruhenden T-Gedächtniszellen des Lymphgewebes vermuten. Dort wird das Erbgut des Virus fest in die DNA der Zellen integriert. Eine medikamentöse Behandlung kann dann nur die Replikation verhindern, nicht aber den Bauplan besei­tigen.

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Dies zeigen die Experimente, die das Team um Dan Barouch vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston an Rhesusaffen durchgeführt hat. Die Tiere wurden über die rektale Schleimhaut mit dem SI-Virus (simian immunodeficiency virus) infiziert, das dem HI-Virus beim Menschen entspricht. In verschiedenen Gruppen wurde an den Tagen 3, 7, 10 oder 14 nach der Infektion mit einer antiretroviralen Therapie begonnen.

Bei einem Therapiebeginn nach drei Tagen konnte eine Virämie zwar verhindert werden, die in allen anderen Gruppen dokumentiert wurde. Doch die Viren hatten ihre DNA längst in der gastrointestinalen Mukosa und den Lymphknoten abgelegt, wie eine genetische Untersuchung von mononukleären Zellen zeigte. Als die antiretrovirale Therapie nach 24 Wochen abgebrochen wurde, kam es prompt zu einer Virämie und zwar auch in der Gruppe, in der die Therapie eine initiale Virämie verhindert hatte.

Der einzige Vorteil gegenüber den anderen Gruppen war eine gewisse Verzögerung bis zum Beginn der Virämie: War die Therapie nach drei Tagen begonnen worden, war die Virus-RNA 21 Tage nach dem Ende der Therapie nachweisbar. Bei den Tieren, bei denen erst 14 Tage nach der Infektion mit der Therapie begonnen worden war, waren die Viren schon sieben Tage nach dem Absetzen der Medikamente im Blut vorhanden.

Die Studie wirft auch Fragen zur Effektivität der Postexpositionsprophylaxe auf. Die Leitlinien raten nach einer möglichen intravenösen Exposition (Nadelstichverletzung) oder einem sexuellen Kontakt mit einem HIV-Positiven zur vorübergehenden Einnahme von antiretroviralen Medikamenten (über 28 Tage), die möglichst früh, spätestens aber nach 72 Stunden begonnen werden sollte.

Belege durch randomisierte Studien gibt es verständlicher Weise nicht. Die epide­miologischen Studien weisen jedoch auf eine gewisse Schutzwirkung hin, weshalb die  International Antiviral Society-USA die Empfehlung in ihrer aktuellen Leitlinie (JAMA 2014; 312: 390-409) mit einem Evidenzgrad AIIb versieht. Für den Versuch einer Postexpositionsprophylaxe spricht auch die in der Regel gute Verträglichkeit der Medikamente. © rme/aerzteblatt.de

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