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Medizin

HIV: Wachstumshormon lindert Fettleber

Montag, 21. Juli 2014

Boston – Das synthetische Hormon Tesamorelin, das in den USA, nicht aber in Europa, zur Behandlung der Lipodystrophie zugelassen ist, hat in einer kleinen randomisierten Studie im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2014; doi: 10.1001/jama.2014.8334) bei HIV-Patienten die Fettablagerungen in der Leber vermindert.

Tesamorelin ist eine Variante des Wachstumshormon-Releasing-Hormons, das im Hypothalamus gebildet wird und im Hypophysenvorderlappen die Bildung des Wachstumshormons stimuliert. Durch Austausch einer Aminosäure in Tesamorelin wurde die Halbwertzeit des Releasing-Hormons verlängert, das sonst rasch im Serum enzymatisch abgebaut würde. Die Wirkung des Wachstumshormons ist nicht auf den Knochen beschränkt. Über die Freisetzung des insulinartigen Wachstumsfaktors-1 (insulin-like growth factor, IGF-1) greift es auch in den Fettstoffwechsel ein.

Fest steht, dass Tesamorelin bei HIV-Patienten eine Lipodystrophie lindern kann. Es handelt sich um eine vermehrte Ablagerung von Fetten im Bauchbereich, die kombiniert mit einem Rückgang des übrigen Unterhautfettgewebes nicht nur von den meisten Patienten kosmetisch als störend empfunden wird, sondern vermutlich auch das kardiovaskuläre Risiko ungünstig beeinflusst, da es gleichzeitig zu einer Fettleber kommt.

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Die US-Arneibehörde FDA hat Tesamorelin bereits im November 2010 als Egrifta zur Behandlung der Lipodystrophie bei HIV-Infizierten zugelassen. Grundlage waren die Ergebnisse aus zwei randomisierten Studien, in denen Tesamorelin die abdominalen Fettablagerungen um 15 bis 17 Prozent (stärker als im Placebo-Arm) verringerte und damit das Selbstbild vieler Patienten verbesserte.

Die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hatte den Antrag unter anderem mit der Befürchtung zurückgewiesen, dass ein hoher IGF-1-Spiegel möglicherweise das Krebsrisiko erhöhe und bei Diabetikern die Sehleistung durch Förderung der Retinopathie verschlechtern könne (was derzeit Gegenstand einer von der FDA induzierten Beobachtungsstudie ist). Der Hersteller hatte die Forderung der EMA nach weiteren Studien abgelehnt und im Juli 2012 den Zulassungsantrag zurückgenommen.

Eine von Takara Stanley vom Massachusetts General Hospital in Boston und Mitarbeitern durchgeführte Studie kommt jetzt zu dem Ergebnis, das Tesamorelin nicht nur das Aussehen der Patienten bessert, sondern durchaus einen Gesundheitsvorteil bieten könnte. Die Studie umfasste 50 HIV-Positive, bei denen es unter einer antiretroviralen Therapie zu einer Lipodystrophie gekommen war. Die Patienten wurden auf tägliche subkutane Injektionen mit Tesamorelin (n=28) oder Placebo (n=22) randomisiert. Unter Tesamorelin kam es zu dem erwarteten Rückgang des viszeralen Fettgewebes um 9,9 Prozent, während es im Placebo-Arm zu einer Zunahme um 6,6 Prozent kam.

Darüber hinaus stellten Stanley und Mitarbeiter einen Rückgang des Fett/Wasser-Quotienten in der Leber um 2,0 Prozent fest gegenüber einer Zunahme um 0,9 Prozent im Placebo-Arm. Das Ausmaß ist zwar gering, könnte aber für die Gruppe der HIV-Patienten von Bedeutung sein, die laut Stanley zu 30 bis 40 Prozent eine nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) entwickeln. Stanley hebt außerdem hervor, dass es trotz eines Anstiegs des IGF-1-Wertes nicht zu einer Verschlechterung der Glukosewerte und der Insulinsensitivität gekommen sei.

Gleichzeitig zeige ein tendenzieller Rückgang der Intima-media-Dicke in der Carotis eine günstige Auswirkung auf die Atherosklerose an, berichtet Stanley, die auch den Rück­gang des Leberenzyms Aspartat-Aminotransferase als günstiges Zeichen hervorhebt. Weitreichende Schlüsse verbieten sich allerdings angesichts der geringen Teilnehmer­zahl der Studie und den moderaten Veränderungen.

© rme/aerzteblatt.de

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