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Medizin

Sofosbuvir erleichtert Therapie der Hepatitis C bei HIV-Infizierten

Montag, 21. Juli 2014

Baltimore – Effektiver, einfacher, schneller und weniger toxisch. Eine im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2014; doi: 10.1001/jama.2014.7734) publizierte Studie zeigt, dass der im Februar eingeführte Hepatitis C-Wirkstoff Sofosbuvir in Kombination mit Ribavirin eine Hepatitis C auch bei Patienten kurieren kann, die mit dem HI-Virus koinfiziert sind. Einziger Nachteil scheinen die exorbitanten Therapiekosten zu sein.

Die Koinfektion mit HIV hat die Behandlung der Hepatitis C bisher für den Arzt kompliziert und für den Patienten komplikationsreich gemacht. Die Therapie mit Interferonen belastet die Patienten mit Nebenwirkungen und beim Einsatz der beiden Proteasen-Inhibitoren Boceprevir oder Telaprevir mussten sie auf komplexe Interaktionen mit den antiretroviralen Wirkstoffen achten.

Die Therapiedauer betrug 48 Wochen oder länger und eine SVR (Sustained virological response), die dem Patienten gute Aussichten auf eine Heilung beschert, wurde nur bei einem Teil der Patienten erreicht. Dank des neuen Hepatitis C-Wirkstoffs Sofosbuvir, einem Polymerase-Inhibitor, war eine Therapie ohne Interferon möglich, und die Patien­ten mussten die Therapie nur über 12 Wochen (Genotyp 2 oder 3 als Ersttherapie, Genotyp 1 bei Vorbehandlung) oder 24 Wochen (die übrigen Patienten) ertragen, wobei die Toxizität vor allem auf die Begleittherapie mit Ribavirin zurückzuführen war.

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An der Studie hatten 223 Patienten an 34 Zentren in den USA oder Puerto Rico teilgenommen. Endpunkt war eine Viruskonzentration unter der Nachweisgrenze von 25 Kopien pro Milliliter 12 Wochen nach dem Abschluss der Behandlung (SVR12). Dieses Ziel erreichten, wie Mark Sulkowski und Mitarbeiter von der Johns Hopkins Universität in Baltimore und Mitarbeiter berichten, von den nicht-vortherapierten Patienten 76 Prozent bei Genotyp 1, 88 Prozent bei Genotyp 2 und 67 Prozent bei Genotyp 3.

Von den vorbehandelten Patienten erreichten 92 Prozent bei Genotyp 2 und 94 Prozent bei Genotyp 3 eine SVR12. Insgesamt nur sieben Patienten (3 Prozent) brachen die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab. Am häufigsten kam es zu Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen oder Übelkeit.

Dass erneut eine Studie zu neuen direkt wirkenden Wirkstoffen offen durchgeführt wurde, stört den Editorialisten Michael Saag von der University of Alabama School of Medicine, Birmingham, nicht. Er betrachtet die PHOTON-1-Studie als „Quantensprung“ in der Behandlung der Hepatitis C mit HIV-Koinfektion und hofft, dass mit weiteren in den nächsten Jahren erwarteten Wirkstoffen auch auf Ribavirin verzichtet werden könnte.

Einziges Ärgernis ist für Saag der enorme Anstieg der Kosten, der sich durch den hohen Preis von Sofosbuvir ergibt. Der Hersteller (und Sponsor der aktuellen Studie) verlangt in den USA etwa 1.000 US-Dollar pro Tablette. Eine 12-wöchige Behandlung kostet fast 95.000 US-Dollar und dürfte deshalb außerhalb der reichen Länder und für Patienten ohne ausreichenden Versicherungsschutz unerschwinglich sein.

Saag hofft, dass mit zunehmender Konkurrenz die Medikamente wieder günstiger werden, lässt aber Zweifel anklingen, dass im „mikroökonomischen System der pharmazeutischen Industrie“ die Gesetzmäßigkeiten des freien Marktes greifen werden. © rme/aerzteblatt.de

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