Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Sozialverband: „Pflegestärkungs­gesetz ist nur eine halbe Sache“

Dienstag, 22. Juli 2014

Düsseldorf – „Das vom Bundeskabinett beschlossene Pflegestärkungsgesetz 1 ist nur eine halbe Sache“; kritisierte der Vorsitzende des Sozialverbandes VdK Nordrhein Westfalen (NRW), Karl- Heinz Fries, heute vor Journalisten in Düsseldorf. Fries forderte eine Pflegereform „aus einem Guss“ und nicht, wie von der Bundesregierung geplant, in zwei Schritten. Das Pflegestärkungsgesetz 2 soll 2017 verabschiedet werden.

„Dann stehen wieder Wahlen an, und die Karten werden neu gemischt“, betonte Fries. Er kritisierte, dass kognitive Einschränkungen, die in einer immer älter werdenden Gesell­schaft eine große Rolle spielten, von der Bundesregierung nicht ausreichend berück­sichtigt würden. Personen mit einer Demenzerkrankung blieben somit weiterhin Pflegebedürftige zweiter Klasse. Zudem gingen durch den Pflegevorsorgefonds jedes Jahr 1,2 Milliarden Euro für Leistungsverbesserungen in der Pflege verloren.

Die angekündigten Reformen reichten nicht aus, um Betroffene und deren Familienmitglieder angemessen zu unterstützen. Zwar würden zwei Drittel aller Pflegebedürftigen noch zu Hause gepflegt, allerdings gehe der Trend hin zur stationären Pflege. „Pflege soll aber weiterhin im häuslichen Umfeld möglich sein“, sagte Fries.

Die meisten Wohnungen sind für häusliche Pflege ungeeignet
Thomas Zander, Geschäftsführer des Sozialverbandes VdK NRW, erklärte, dass die meisten Wohnungen für häusliche Pflege jedoch ungeeignet seien. „Von den rund 40 Millionen Wohnungen in Deutschland sind lediglich 400.000 bis 500.000 Wohnungen barrierearm“, führte Zander aus.

Deutschlandweit seien 2,5 Millionen solcher Wohnungen notwendig. Allein in NRW bedürfe es 500.000 barrierearmer Wohnungen Um dies umzusetzen, sei ein Finanzvo­lumen in Höhe von 8,4 Milliarden Euro nötig. Zwar gebe es günstige Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit einprozentiger Verzinsung für den Umbau. Allerdings sei es für Senioren mit einer geringen Rente schwierig, über die Hausbank an diese Kredite zu kommen.

Zahl der Demzerkrankungen wird sich bis 2050 verdoppeln
Mit Blick auf NRW sagte Fries, dass derzeit eine Pflegelawine auf das Land zurolle. „Hierzulande gibt es heute schon 550.000 pflegebedürftige Menschen. Bis 2050 wird die Zahl der Betroffenen auf voraussichtlich 930.000 ansteigen“, sagte der Landesvor­sitzende.

Besonders drastisch falle dabei die Zunahme von Demenzerkrankungen aus. Bis 2050 soll sich aktuellen Prognosen zufolge die Zahl der Demenzkranken von derzeit 300.000 auf 600.000 verdoppeln. „Mit dem Thema Pflege wird sich in den nächsten Jahrzehnten jeder Einzelne in unserem Bundesland beschäftigen müssen – sei es, weil man selber Hilfe braucht oder weil man sich um einen Angehörigen kümmern muss“, so Fries.

Nordrhein-Westfalen droht Pflegenotstand
Dem Land NRW drohe zudem ein gravierender Mangel an Pflegekräften. Laut der Bertelsmann Stiftung wird die Versorgungslücke bei einer Steigerung der Pflegebedürftigen um 41 Prozent bis 2030 auf nahezu 100.000 Fachkräfte anwachsen. Um dem entgegenzuwirken müsse der Pflegeberuf aufgewertet werden. „Das Pflegepersonal muss höher geschätzt und auch höher bezahlt werden“, forderte Carsten Ohm, Leiter der Abteilung Sozialpolitik beim Sozialverband VdK NRW.

Der VdK NRW forderte die rot-grüne Landesregierung auf, das seit Monaten verzögerte Landespflegegesetz im Herbst zu verabschieden. Darin werde auch das Recht auf Einzelzimmer in Pflegeheimen ab 2018 festgeschrieben. Zudem müsse es in jedem Pflegeheim ein sogenanntes Krisenzimmer geben, in das Patienten zur Beruhigung untergebracht werden könnten oder in dem alte Menschen würdevoll in privater Atmosphäre sterben könnten. © OL/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

23.05.17
Gutachten schlägt Pflegevoll­versicherung vor
Berlin – Die aktuelle Pflegeversicherung hat zwei grundlegende Fehler. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens des Bremer Gesundheitsexperten Heinz Rothgang im Auftrag der Initiative Pro-Pflegereform.......
11.05.17
Tag der Pflege: Forderungen nach mehr Personal
Berlin – Zum morgigen Internationalen Tag der Pflege gibt es Rufe nach mehr Personal und einer höheren Wertschätzung für die Arbeit der Pflegekräfte. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi)......
09.05.17
Magdeburg – Der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) hat grundlegende Änderungen bei der Vergütung der medizinischen Behandlungspflege durch die Krankenkassen gefordert. Diese müsse......
03.05.17
Schwerin – Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) will die Unterschiede bei den Pflegemindestlöhnen in Ost und West nicht hinnehmen, die nach einer neuen Festlegung mindestens......
03.05.17
Hamburg – 20 Jahre nach dem Hamburger Dekubitus-Skandal sieht der Rechtsmediziner Klaus Püschel große Fortschritte in der Altenpflege. Bei den gesetzlich vorgeschriebenen Leichenschauen in den......
25.04.17
Mindestlohn in der Pflege soll ab Januar 2018 steigen
Berlin – Der Mindestlohn für Pflegekräfte soll steigen. Ab dem 1. Januar 2018 soll er im Westen 10,55 Euro und im Osten 10,05 Euro betragen. Darauf einigte sich die Pflegekommission aus Arbeitgebern......
21.04.17
Umstellung auf Pflegegrade läuft weitgehend reibungslos
Berlin – Die zum Jahresbeginn angelaufene Umstellung auf ein neues Begutachtungssystem für Pflegebedürftige ist nach Einschätzung der Bundesregierung und des Medizinischen Dienstes der......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige