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Erneut mehr Krankenhausfälle und eine niedrigere Verweildauer

Dienstag, 22. Juli 2014

dpa

Berlin – Die Trends im stationären Bereich setzen sich weiter fort: So ist die Zahl der Krankenhausfälle im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr auf 206,7 Behandlungsfälle pro 1.000 Versicherte angestiegen (+ 1,3 Prozent). Im Jahr 2005 waren es noch 189 Fälle. Zugleich sank erneut die Verweildauer im Krankenhaus – von 7,7 Tagen auf 7,6 Tage je Fall. 2006 lag sie noch bei 8,6 Tagen. Das geht aus dem Krankenhausreport 2014 der Barmer GEK hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Erstellt wurde er anhand der Routinedaten der 8,6 Millionen Versicherten der Kasse.

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Auch weitere Trends setzten sich fort. So nahm die Zahl der Krankenhaustage je 1.000 Versicherte infolge von psychischen und Verhaltensstörungen von 323 im Jahr 2012 auf 333 im vergangenen Jahr zu – 2006 lag sie bei 244 Tagen. Bei anderen Krankheits­gruppen sanken die Krankenhaustage hingegen erneut: bei Krankheiten des Kreis­laufsystems von 215 im Jahr 2012 auf 211 Tage im vergangenen Jahr, bei Krebser­krankungen von 160 auf 156 Tage und bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems von 149 auf 144 Tage.

Behandlungsdauer und –kosten sind dabei regional verschieden. So lagen die Fallzahlen in Baden-Württemberg bei 178,9 Krankenhausfällen je 1.000 Versicherte und in Nordrhein-Westfalen bei 229 Fällen. Die Ausgaben fielen in Baden-Württemberg mit 713 Euro je Versichertem am niedrigsten aus und im Saarland mit 882 Euro pro Versichertem am höchsten.

So viele koronare Revaskularisationen wie noch nie
Schwerpunktthema des Reports ist in diesem Jahr die koronare Revaskularisation. Hier hat insbesondere die Zahl der Eingriffe mit beschichteten Stents seit 2005 zugenommen: um 227 Prozent auf 204.400. Dabei wurden diese Stents bei 61 Prozent aller Eingriffe zur Öffnung verengter Herzkranzgefäße eingesetzt. Bypass-Operationen am offenen Herzen gingen hingegen seit 2005 um 24 Prozent zurück. Insgesamt habe es 2013 so viele koronare Revaskularisationen wie noch nie gegeben, erklärte Eva Maria Bitzer von der Pädagogischen Hochschule Freiburg, eine der Autorinnen des Reports, heute in Berlin.

Hochgerechnet auf die Bevölkerung Deutschlands im Jahr 2013 ergebe sich mittlerweile eine Zahl von 282.373 Krankenhausfällen mit einer perkutanen koronaren Intervention, neben einem Eingriff mit beschichteten Stents also zudem Eingriffe mit unbeschichteten Stents und Ballondilatationen. Hinzu kämen 52.951 Bypass-Operationen. Circa drei von vier Eingriffen würden dabei bei Männern vorgenommen.

„Bei der Einführung beschichteter Stents hatte man gehofft, mit diesem Eingriff die Re-Interventionsrate zu senken“, so Bitzer. „Das sehen wir jedoch nicht.“ So müsse sich jeder fünfte Patient innerhalb von zwölf Monaten einem Wiederholungseingriff unterziehen. Eingriffe mit beschichteten Stents seien jedoch nicht schlechter als die anderen perkutanen koronaren Interventionen. Die Zuwächse bei den beschichteten Stents lassen sich Bitzer zufolge dadurch erklären, dass heute auch Menschen mit koronarer Herzkrankheit behandelt werden, die früher aufgrund ihres Alters oder weiterer Erkrankungen nicht damit versorgt worden wären.

Auf den ersten Blick habe der Anstieg der Fallzahlen nichts mit den Preisen zu tun, da der Einsatz von Stents günstiger sei als eine Bypass-Operation, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker. Da jedoch der Einkauf der Stents viel günstiger geworden sei, „fragen wir uns, ob sich der Zuwachs ausschließlich medizinisch begründen lässt oder ob der Preis die Menge beeinflusst“. 

Barmer GEK würde Investitionskosten für Krankenhäuser bezahlen – und selbst planen
Darüber hinaus kritisierte Schlenker, dass die Auswahl der Krankenhäuser bei der Kalkulation der Fallpauschalen nicht repräsentativ sei, da insbesondere Krankenhäuser teilnähmen, die eher teurer seien. „Für uns ist unverzichtbar, dass hier klargestellt wird, dass eine repräsentative Anzahl von Krankenhäusern, mindestens 25 Prozent, bei der Stichprobenerhebung einbezogen wird“, betonte Schlenker.

Zudem forderte er die Bundesländer auf, ihren Krankenhäusern eine ausreichende Investitionsfinanzierung zukommen zu lassen. „Ansonsten machen wir das gerne“, meinte Schlenker. „Dann hätten wir aber auch gerne die Planungskompetenz.“ Die Barmer GEK plädiere dabei vorrangig für eine neue Krankenhausbedarfsplanung, die nicht Bettenkapazitäten einfach fortschreibe, sondern die regionale Versorgungssituation berücksichtige und eine qualitative Spezialisierung der Krankenhäuser fördere.

Schlenker befürwortet, dass für qualitativ gute Krankenhausleistungen Belohnungen gezahlt werden. „Was aber aus unserer Sicht nicht geht, ist, dass es Abschläge für schlechte Leistungen gibt“, sagte er. „Wenn schlechte Leistungen erbracht werden, dann müssen die entsprechenden Krankenhäuser von dieser Leistung ausgeschlossen werden.“

Union und Linke warnen vor nicht medizinisch begründeten Herzoperationen
„Wenn in Deutschland mehr Herzoperationen durchgeführt werden, beweist das die hohe Leistungsfähigkeit, die hohe Qualität und das Vertrauen der Kranken in die Kranken­häuser“, kommentierte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesell­schaft, Georg Baum, die Ergebnisse des Krankenhausreports und kritisierte: „Die Krankenkassen sollten aufhören, steigenden medizinischen Behandlungsbedarf in den Verdacht nicht notwendiger Leistungen zu rücken.“

Anderer Ansicht ist der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn: „Der Anstieg der Therapien zur Behandlung psychischer Störungen gibt Anlass zur Sorge. Ebenso der starke Anstieg der Herzoperationen.“ Die Frage müsse erlaubt sein, ob alle Eingriffe medizinisch begründet seien. „Mit teuren Operationen die eigenen Klinikfinanzen sanieren, verbietet sich“, meinte der CDU-Politiker. „Die Patienten müssen optimal versorgt werden. Schwere und auch risikoreiche Eingriffe aus finanziellen Gründen sind nicht akzeptabel.“

Ähnlich äußerte sich die Opposition: Der Report zeige, dass sich „Patienten überflüssigen oder medizinisch nicht notwendigen Eingriffen am Herzen unterziehen müssen, um den Krankenhäusern ein finanzielles Überleben zu ermöglichen“, kritisierte der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Harald Weinberg.

Die Finanzierungslogik der Fallkostenpauschalen sei Gift für die Patienten. Kranke würden so einem Kosten-Nutzen-Kalkül ausgesetzt, das ihre Gesundheit gefährde. „Die Finanzierung der Krankenhäuser muss sich konsequent am medizinischen Bedarf ausrichten“, forderte Weinberg. © fos/aerzteblatt.de

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