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Medizin

Meta-Analyse: Probiotika können Blutdruck senken

Dienstag, 22. Juli 2014

dpa

Gold Coast – Der regelmäßige Verzehr von Probiotika, Lebensmitteln wie Joghurt, Milch oder Käse, die lebende Bakterien enthalten, könnte den Blutdruck senken. Zu dieser Einschätzung kommt eine Meta-Analyse in Hypertension (2014; doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.114.03469).

Eine blutdrucksenkende Wirkung gehört in der Regel nicht zu den „Health Claims“ der Hersteller, die die European Food and Safety Authority zunehmend kritisch betrachtet, da sie in der Regel nicht durch klinische Studien belegt sind. Wie der Verzehr der Nahrungsmittel den Blutdruck beeinflusst, ist nur schwer zu erklären.

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Überraschenderweise ist die blutdrucksenkende Wirkung relativ gut untersucht. Jing Sun vom Griffith Health Institute in Gold Coast im australischen Bundesstaat Queensland konnte insgesamt neun randomisierte klinische Studien mit 543 Teilnehmern, Gesunde und Hypertoniker, ausfindig machen. In den meisten kam es nach dem Verzehr von probiotischen Nahrungsmitteln wie Joghurt, Milch oder Käse bereits nach wenigen Wochen zu einer leichten blutdrucksenkenden Wirkung.

Der systolische Blutdruck sank den Berechnungen von Sun zufolge im Durchschnitt um 3,56 mm Hg, der diastolische Wert ging um 2,38 mm Hg zurück. Die Blutdrucksenkung fiel bei Patienten mit Ausgangswerten von über 130/85 mm Hg deutlicher aus als bei Normotonikern. Die Wirkung war nur bei Teilnehmern nachweisbar, die die Probiotika länger als acht Wochen verzehrt hatten. Eine Wirkung setzte zudem voraus, dass die Probiotika mindestens 10 hoch 9 koloniebildende Einheiten enthielten. Probiotika mit mehreren Stämmen erzielen laut Sun eine bessere Wirkung als „Monopräparate“.

Die blutdrucksenkende Wirkung der Probiotika fällt insgesamt gering aus. Die Einnahme von Medikamenten mit nachgewiesener hypotensiver Wirkung dürften sie in der Regel nicht ersetzen. Der Wirkungsmechanismus wäre noch zu klären, und die Evidenz ist noch schwach. Für eine offizielle Empfehlung in den Leitlinien dürfte es nicht reichen. Sun fordert weitere klinische Studien. © rme/aerzteblatt.de

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