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Ausland

Neue Serie: Deutsche Ärzte im Ausland – Teil 4: USA

Dienstag, 23. September 2014

Köln – Jahr für Jahr packen deutsche Ärzte ihre Koffer und ziehen ins Ausland, um dort als Arzt zu arbeiten. Welche Erfahrungen sie dort machen, was sie an dem Gesund­heitssystem ihres Gastlandes schätzen und was sie am deutschen System vermissen, berichten sie dem Deutschen Ärzteblatt in einer neuen Serie. Einer dieser Ärzte ist Peter Niemann, der vor sechs Jahren in die USA gegangen ist und heute als Internist arbeitet 

Fünf Fragen an… Dr. med. Peter Niemann, Facharzt für Innere Medizin in Minneapolis, USA

DÄ: Warum sind Sie aus Deutschland weggegangen?
Niemann: Ich ging zunächst weg weil ich eine sehr gute fachärztliche Ausbildung haben wollte. Hiernach bin ich geblieben weil die Arbeitsbedingungen so ausgezeichnet sind. 

DÄ: Was hat Sie bewogen, gerade in die USA zu gehen?
Niemann: Bevor ich in die USA ging, hatte ich schon Erfahrungen als Assistenzarzt in Frankreich und Deutschland gemacht, kannte Freunde die in der Schweiz, England, Schweden und Norwegen ärztlich arbeiteten und hatte Familienmitglieder, die in den USA als Ärzte arbeiteten – somit konnte ich die Gesundheitssysteme im Vorfeld miteinander vergleichen. Dabei schnitten die USA am besten ab – Spitzenmedizin in einem Spitzenarbeitsumfeld und umgeben von Spitzenforschung.

DÄ: Was ist am US-amerikanischen Gesundheitssystem schlechter als im deutschen System?
Niemann: Der hohe juristische Druck, also stets das Gefühl zu haben, dass ein Rechtsanwalt mit im Patientenzimmer sitzt und man jederzeit von jedermann für scheinbar belanglose Dinge verklagt werden kann.

DÄ: Und was ist am US-amerikanischen System besser?
Niemann: Der fast grenzenlos scheinende Einsatz modernster Technologie und Therapie – gerade chronische Kranke erhalten hierdurch immer wieder neue Therapieansatzmöglichkeiten.

DÄ: Unter welchen Umständen würden Sie nach Deutschland zurückkehren?
Niemann: Eine von zwei Möglichkeiten sind denkbar: Entweder man bietet mir die Möglichkeit an, das hiesige Weiterbildungsprogramm neu zu strukturieren und somit erhalten die deutschen Assistenzärzte eine bessere Weiterbildung oder man lässt in der Gesundheitspolitik die Ärzte einmal zu Wort kommen und das System in ihrem und damit dem Sinne der Patienten verbessern. 

© mis/aerzteblatt.de

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Avatar #66429
smartinus
am Mittwoch, 24. September 2014, 16:12

Bestes Gesundheitssystem weltweit in den USA?

Ich kann mich nur wundern über die Antworten: "Spitzenmedizin in einem Spitzenarbeitsumfeld und umgeben von Spitzenforschung". Das ist punktuell sicher richtig, nur leider nicht flächendeckend der Fall.
"Der fast grenzenlos scheinende Einsatz modernster Technologie und Therapie – gerade chronische Kranke erhalten hierdurch immer wieder neue Therapieansatzmöglichkeiten." - Leider nur ein Teil der Bevölkerung, dutzende Millionen US-Amerikaner träumen von einer wenigstens halbwegs angemessenen Behandlung.
Die Fakten sprechen doch eine andere Sprache als im Interview anklingt: Welchen Indikator man auch nimmt, sei es Säuglingssterblichkeit oder Lebenserwartung, die USA schneiden nicht einmal mittelmäßig im Vergleich von OECD-Ländern ab, teils sogar hinter Ländern wie Kuba. Auf der anderen Seite ist das US-Gesundheitssystem bei Weitem das teuerste weltweit.
Wie man ein Gesundheitssystem mit derart schlechten Outcomes, einer äußerst ungerechten und unsozialen Ausgestaltung mit viel zu hohen Kosten auch noch als Vorbild für Deutschland ansehen kann, ist mir absolut rätselhaft. Auf eine solche "Verbesserung" des deutschen Gesundheitssystems können wir ganz sicher verzichten.
LNS

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